In der 82. Minute beim Rückstand von 0:1 im letzten Gruppenspiel der Schweiz ist es schließlich so weit. Alisha Lehmann kommt zu ihrem ersten Einsatz bei der diesjährigen Fußball-EM. Tatsächlich gelingt es ihr direkt, offensiven Schwung hereinzubringen. Letztlich mündet ihr Einsatz im Ausgleich und dem damit verbundenen Last-Minute- Weiterkommen ihres Landes. Für Lehmann ist das in Betracht der anhaltenden Kritik zu ihrer Person ein schöner Moment des Aufatmens.
Kaum eine Fußballerin weltweit polarisiert so sehr wie Alisha Lehmann. Für die einen ist sie ein Vorbild moderner Weiblichkeit im Sport – für andere ein Symbol für die oberflächliche Kommerzialisierung des Fußballs. Fest steht, sie hat ihren Stil in Sachen Außenwirkung über die Jahre von sportlich-nüchtern hin zu glamourös-pompös neu definiert. Tagtäglich teilt sie Videos sowie Bilder aus ihrem Alltag auf den öffentlichen Plattformen. Mit über 16 Millionen Followern auf Instagram ist sie die mit Abstand berühmteste Fußballerin der Welt. Im Vergleich: Die amtierende Weltfußballerin Aitana Bonmati hat „nur“ 1,9 Millionen.
Alisha Lehmann hat über 16 Millionen Follower
Doch mit dieser Reichweite kommen auch Verantwortung und Kritik. Besonders letzteres bekommt die 26-Jährige fast dauerhaft zu spüren. Beispielsweise steht der Vorwurf im Raum, Lehmann sei vom Schweizer Verband ausschließlich aufgrund ihrer medialen Präsenz in den EM-Kader aufgenommen worden. Zwar wurde dieser These durch die Nationaltrainerin Pia Sundhage widersprochen und auch Kapitänin Lia Wälti verteidigte Lehmann im Schweizer Radio und Fernsehen. „Ihre Priorität liegt auf dem Fußball“, so Wälti. Dennoch zeigt der Fakt, dass sich die Nationaltrainerin beziehungsweise. Kapitänin zu einer solchen Beschuldigung zu Wort melden müssen, welch große Wellen die Themen rund um Lehmann abseits des Spielfeld schlagen können. Die kritischen Stimmen wurden nach den ersten beiden Gruppenspielen, in denen die Schweizerin nicht zum Einsatz kam, nicht leiser. Umso bemerkenswerter war es vermutlich für ihre Fans, dass Alisha Lehmann im dritten Spiel endlich zeigen konnte, dass sie auch sportlich bei der Europameisterschaft einen Mehrwert für ihr Team hat.
Ihre nächste Chance, das zu beweisen, steht am Freitag im Viertelfinale an. Der Gegner der Schweiz heißt Spanien. Ein Startelf-Einsatz für Lehmann scheint ausgeschlossen. Klar ist allerdings: Alisha Lehmann steht wie keine andere für den Wandel im Profifußball. Sie wird bewundert, belächelt, kritisiert – aber vor allem : beobachtet. Und das dürfte sich so schnell nicht ändern.
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