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Auf dem Weg zum Superteam: Red Bull verpflichtet Remco Evenepoel

Radsport

Red Bull holt das „Goldkind“ - Jetzt machen sie ernst

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    So würden sie ihn auch gerne bei Red Bull sehen: Remco Evenepoel nach dem Sieg der olympischen Goldmedaille.
    So würden sie ihn auch gerne bei Red Bull sehen: Remco Evenepoel nach dem Sieg der olympischen Goldmedaille. Foto: Dar Yasin/AP, dpa

    Genau diese Bilder sieht man in der Konzernzentrale in Fuschl am See gar nicht gern. Als sich die Berufsradler bei der Tour de France am Fuße des monumentalen Tourmalet befanden, beendete Remco Evenepoel die Etappe und somit die Rundfahrt. Der Belgier war entkräftet und genervt von den Unzulänglichkeiten seines Körpers. Dabei war er als Herausforderer von Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard gehandelt worden. Er, den Jan Ulrich als „Goldkind“ bezeichnet. Aufzugeben passt nicht in das Bild, das Red Bull gern von seinen Athleten zeichnet.

    Der Brause-Hersteller sieht sich als Förderer all jener, die Grenzen verschieben. Dynamisch, aggressiv, erfolgreich. Die Österreicher ließen dereinst den jüngst verstorbenen Extremsportler Felix Baumgartner aus 40 Kilometer Höhe aus der Stratosphäre gen Erde springen. Red Bull sponsert Paraglider, Klippenspringer und Basejumper. Das Formel-1-Team dominierte über Jahre die Königsklasse des Motorsports. Lediglich die Fußballer aus Leipzig liefern nicht in derart ab, wie man es sich in Österreich wünscht. Dann wird eben das Personal ausgetauscht. Zum Sport gehören Erfolg und Misserfolg – zu Red Bull nicht. Aufgeben passt nicht zum Selbstbild.

    Als nun Evenepoel am Tourmalet nicht mehr konnte, war man bei Red Bull aber entspannt. Der Belgier nämlich fuhr zu diesem Zeitpunkt noch für das Team Soudal Quick-Step. Von seiner Aufgabe profitierte letztlich der Deutsche Florian Lipowitz, der am Ende der Tour de France Dritter und als bester Jungprofi ausgezeichnet wurde. Lipowitz fährt für das Team von Red Bull. In der kommenden Saison ist er ein Teamkollege von Evenepoel. Den nämlich kaufte Red Bull aus seinem Vertrag heraus. Zwei Millionen Euro sollen gezahlt worden sein, künftig wird er wohl rund acht Millionen Euro im Jahr verdienen – in etwa so viel wie Pogacar, der absolute Superstar des Radsports.

    Red Bull traut Evenepoel den großen Triumph zu

    Das zeigt, wie groß Red Bull das Potenzial des 25-Jährigen einschätzt. Wahrscheinlich zurecht. Evenepoel hat bereits Etappen bei Tour de France, Vuelte und Giro gewonnen – den drei größten Rundfahrten der Welt. Im vergangenen Jahr gewann er bei den Olympischen Spielen Gold im Einzelzeitfahren und im Straßenrennen. Anschließend posierte er ikonisch mit seinem Rad hinter der Ziellinie. Ein Traum für die Sponsoren.

    Red Bull glaubt, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Die Geschichte zeigt, dass es die Österreicher mit ihrem Engagement stets ernst meinen und meistens richtig liegen. Der Radsport fristete über Jahre hinweg ein Schatten-Dasein. Stichwort: Strampelnde Apotheken. Die Zeit aber heilt viele Wunden. Unter anderem auch Nadeleinstiche. Dazu kamen noch Sportler, die glaubwürdig für einen sauberen Sport eintreten, eine Netflix-Doku, die den Athleten nahekommt und mitfühlen lässt. Nicht zu vernachlässigen ist der Werbewert, der aus all dem und den stundenlangen Übertragungen resultiert.

    Dem Team ist es egal, ob Evenepoel oder Lipowitz gewinnt

    Die Rundfahrten, Eintagesrennen und Klassiker werden schließlich nicht nur in Deutschland im Fernsehen übertragen. Red Bull hat sich im vergangenen Jahr ins bereits bestehende Bora-hansgrohe-Team eingekauft. Sowohl Red Bull als auch der Hersteller von Kücheneinbaugeräten sind global denkende Unternehmen. Für Florian Lipowitz bedeutet das, dass er seine Ambitionen bei der Tour de France im kommenden Jahr möglicherweise wird eindampfen müssen. Ob ein Deutscher oder ein Belgier siegt, ist den Sponsoren egal. Hauptsache, einer gewinnt. Evenepoel kommt als Kapitän zum Team. In Sven Vanthourenhou stößt zudem ein neuer Sportchef zur Mannschaft, der als Vertrauter des belgischen Ausnahmefahrers gilt. Dafür musste Rolf Aldag das Team verlassen. Man habe sich entschieden, „neue Impulse zu setzen und eine andere Richtung einzuschlagen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Radstalls.

    Wie es für Lipowitz weitergeht, ist offen. Sein Team hingegen befindet sich in der luxuriösen Situation, zwei der weltweit hoffnungsvollsten Radfahrer unter Vertrag zu haben. Möglich wäre beispielsweise, dass Lipowitz sein Hauptaugenmerk in der kommenden Saison auf den Giro d‘Italia richtet. Dort dürften die Chancen auf den Gesamtsieg besser stehen als bei der Tour de France, da sowohl Pogacar als auch Vingegaard ihre Saisonplanung auf die Tour de France ausrichten. Dort könnte dann Evenepoel als Mannschaftskapitän versuchen, die Vorherrschaft Pogacars zu durchbrechen.

    Nichts anderes ist das Ziel von Red Bull. „Remco steht für einen Anspruch! Er will nicht mitfahren – er will prägen“, ließ sich Ralph Denk, der Teamchef, zitieren. Der Engergy-Drink-Hersteller hat schon etliche Sportarten nachdrücklich geprägt. Rückschläge gab es selbstverständlich immer wieder. Aufgeben war keine Option. Beinahe unbegrenzte finanzielle Mittel sind dabei von Vorteil.

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