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Augsburger Kanuteam ist erstmals zu Gast auf der Olympiastrecke von Oklahoma City. Dort wird in diesem Jahr schon um WM-Medaillen gefahren.

Kanuslalom

Gewöhnungsbedürftiges Wildwasser: Augsburger Kanuten testen erstmals WM-Strecke in den USA

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    Schwaben-Kanute Sideris Tasiadis war mit dem deutschen Kanuslalomteam zum Trainingslehrgang in Oklahoma City.
    Schwaben-Kanute Sideris Tasiadis war mit dem deutschen Kanuslalomteam zum Trainingslehrgang in Oklahoma City. Foto: Fred Schöllhorn

    In nur 14 Trainingseinheiten eine ganze Kanuslalomstrecke kennenzulernen, ihre Wasserbewegungen und kniffligen Passagen zu verinnerlichen und die Ideallinie zu finden, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Das mussten die deutschen Kanutinnen und Kanuten feststellen, die bei einem zehntägigen Lehrgang in den USA erstmals die Olympiastrecke von Los Angeles 2028 befuhren. Denn nicht erst in zwei Jahren muss hier jeder Paddelschlag sitzen, vom 20. bis 25. Juli wird dort schon in diesem Jahr um die Weltmeistertitel gefahren.

    „Zum Kennenlernen war es gut. Das Wasser war jetzt schon warm wie in einer Badewanne und bis zum Juli soll es noch deutlich heißer werden“, berichtete der Augsburger Sideris Tasiadis, Canadier-Weltmeister von 2022, von den Bedingungen vor Ort. Auch die Strecke sei gewöhnungsbedürftig. „Es ist sehr viel Bewegung im Wasser, sodass man sehr vorausschauend fahren muss“, sagt er und räumt ein, „dass ich am Anfang nicht immer gewusst habe, wo ich bin, weil alles gleich ausschaut“. Anders als seine Heimstrecke, der Augsburger Eiskanal, sind die Wasserläufe nicht durch unterschiedliche Felsformationen gelenkt, sondern durch einheitlich blaue, künstliche Kunststoffeinbauten. 2016 wurde die Kanustrecke im Boathouse District von Oklahoma City mit ihrem einzigartigen Verlauf erst gebaut. „Man kann sie mit keiner anderen Strecke vergleichen“, sagt Tasiadis.

    Wenige Orientierungspunkte auf der Wildwasserstrecke in Oklahoma City

    Ähnliche Eindrücke hatte auch Teamkollege Stefan Hengst vom KR Hamm. „Auf solchen Kursen besteht die Herausforderung darin, dass viele Passagen auf den ersten Blick sehr ähnlich aussehen. Es gibt deutlich weniger natürliche Orientierungspunkte. Deshalb braucht es einige Trainingseinheiten, bis man verinnerlicht hat, an welcher Stelle man welche Technik einsetzen muss, um den Kurs optimal zu bewältigen.“

    Die erfahrenen Kanuten Tasiadis und Hengst kennen aufgrund ihrer langjährigen Karriere alle wichtigen Slalomstrecken der Welt bestens. Tasiadis gewann bei den Olympischen Spielen 2012 in London Silber, in Tokio Bronze. Bei den Spielen in Rio de Janeiro kam er auf den fünften Platz, in Paris mit 0,24 Sekunden auf den vierten Platz. Wenn alles nach Plan läuft und sein Körper mitspielt, nimmt der 34-Jährige 2028 an seinen fünften Olympischen Spielen teil. Entsprechend spannend waren für ihn die Eindrücke von Oklahoma City. „Es ist ein besonderes Gefühl, jetzt schon auf einer Strecke zu trainieren, auf der 2028 die olympischen Medaillen vergeben werden und die bald zu den bekanntesten Slalomkursen der Welt gehören wird.“

    Manche Fahrt ist ein Ritt auf der Rasierklinge

    Zehn Tage lang nutzten die deutschen Athletinnen und Athleten sowie die mitgereisten Trainer, Wissenschaftler und Physiotherapeuten die Gelegenheit, die Strecke im Detail kennenzulernen und sich bestmöglich auf den diesjährigen Saisonhöhepunkt, die WM, vorzubereiten. Darunter waren auch Tasiadis´ Vereinskollegen Noah Hegge und Emily Apel sowie Christian Stanzel (Augsburger Kajak Verein), Stefan Hengst (KR Hamm) und Ricarda Funk (KSV Bad Kreuznach).

    Auch die Kajak-Olympiasiegerin von Tokio 2020 musste sich erst in die neue Strecke einfühlen. „Ein Spiel aus Timing, Kante, Winkel, Geschwindigkeit und Risiko. Manchmal ein Ritt auf der Rasierklinge. Manchmal ein bisschen frustrierend. Und manchmal auch mehr Kraft als Feingefühl. Kein GPS, nur Intuition. Quasi Entdecker-Modus“, postete Funk ihre Eindrücke auf Instagram und zog Bilanz: „Oklahoma war anstrengend, aber hat Spaß gemacht.“

    Deutsches Kanuteam besucht ein Basketballspiel der OKC Thunder

    Wohl auch, weil das Team während seines Aufenthalts auch ein wenig Land und Leute kennenlernen konnte. So standen der Besuch einer Cowboyhutmanufaktur, das Jim Thorpe Museum und die Oklahoma Sports Hall of Fame ebenso auf dem Programm wie der Besuch eines Basketballspiels der OKC Thunder.

    Da waren dann auch die Strapazen vergessen, die die Einreise in die USA für die Profisportlerinnen und -sportler mit sich gebracht hatte. Weil außer Turkish Airlines kaum eine Fluglinie mehr Boote transportiert, ging es für das Team und seine Ausrüstung erst per Flugzeug von München nach Istanbul und dann über den großen Teich nach Dallas (Texas). Gefolgt von einer dreistündigen Fahrt nach Oklahoma City. „Wir waren insgesamt 28 Stunden unterwegs. Da sind die ersten drei Tage schon durch“, sagt Tasiadis und rechnet für die Anreise zur WM mit Anpassungen. „Die Trainer haben das mitgenommen. Voraussichtlich werden wie auch schon in Tokio die Boote nun früher geschickt und von einer extra Crew begleitet, sodass das Team direkt von Deutschland aus anreisen kann.“

    Doch erst einmal richtet sich der sportliche Fokus des deutschen Kanuteams auf die nächsten großen Rennen in Europa – und dazu gehört unter anderem als eines der nächsten Highlights der Weltcup vom 12. bis 14. Juni auf dem Augsburger Eiskanal. Am Freitag hat zudem der Weltcup im Kanuslalom und Kajak-Cross im slowenischen Ljubljana-Tacen begonnen. Vom WM-Team sind allerdings nur Felix Sachers (Leipziger KC) und Marten Konrad (WSC Bayer Dormagen) dabei. An den Start geht allerdings mit Elena Lilik (KS Augsburg) die Olympia-Zweite von Paris im Canadier, sie will es noch einmal wissen, bevor sie im Oktober ihr Baby erwartet.

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