Vor elf Jahren nahm die Weltnaturschutzunion den Kiebitz auf ihre Rote Liste für potenziell gefährdete Tierarten auf. Die Habitate des im eurasischen Raumes verbreiteten Vogels werden kleiner und kleiner. Immer seltener ist der charakteristische Ruf zu hören, der laut Ornithologen in etwa so klingt: „kiju-wit“. Gleichzeitigkeit der Ereignisse: Rund um die Übungsflächen professioneller Fußballvereine sind immer weniger Trainingskiebitze zu sehen. Ihr charakteristischer Ruf klingt in etwa so: „So ein Blinder.“
Auch ihre Habitate werden immer kleiner. Sämtliche Klubs bieten nur noch vereinzelt öffentliche Trainingseinheiten an. So wollen sie ihren Spielern ein konzentriertes – nicht von charakteristischen Rufen gestörtes – Arbeiten ermöglichen und zugleich verhindern, dass andere Klubs als Trainingskiebitze getarnte Mitarbeiter zum Zwecke der Betriebsspionage vorbeischicken.
Die Konkurrenten müssen sich anderer Mittel bedienen, um Erkenntnisse über gegnerische Spieler und Taktik zu erlangen. Mit dem Verschwinden der Kiebitze erwuchsen die Datenbanken. Die müssen ausgelesen werden. Das machen entfernt mit den Kiebitzen verwandte Daten-Scouts. Vereine wie sämtliche privatwirtschaftliche Unternehmen behaupten, ihr Geschäftsmodell werde von Daten unterstützt, aber keineswegs getrieben. Muss man nicht glauben.
Daten unterstützen die Vereine bei der Verpflichtung von Spielern
Klubs können Filter über Filter über Filter legen, um den geeigneten Mittelstürmer zu finden, der die Halbfeldflanken des Linksverteidigers mit hoher Wahrscheinlichkeit im Tor unterbringt. Wer ein wenig mehr Geld zur Verfügung hat, verfügt über bessere Daten. Dann kann man sogar Torschützenlisten auslesen und sich Harry Kane für den Schnäppchenpreis von 100 Millionen Euro kaufen.
Der FK Sotschi verfügt offensichtlich nicht über so viel Geld. Er musste sich auf die Expertise von Trainer Robert Moreno verlassen. Der Spanier scheint ein großer Freund von Daten und künstlicher Intelligenz zu sein. Diese Vorliebe hat ihm im Sommer offenbar seinen Job gekostet. Wie Sportdirektor Andrei Orlow nun berichtet, soll der Coach zur Spielvorbereitung ChatGPT zurate gezogen haben. Das Programm soll geraten haben, dass die Spieler 28 Stunden wach bleiben und um sieben Uhr morgens trainieren sollen, um sich auf das Spiel in dem in einer anderen Zeitzone liegenden Chabarowski vorzubereiten. Der Trainer sei dem Vorschlag gefolgt.
Moreno dementiert diese Darstellung. Mit Datenbanken lässt sich die Wahrheit nicht herausfinden. Das könnte nur ein Trainingskiebitz.
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