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Deutschland – Nordirland: Dem Nagelsmann-Team fehlt es an Grundsätzlichem

WM-Qualifikation

Eine Blamage und ein Zittersieg: Das Fehlen von Grundsätzlichem irritiert

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    Vor wenigen Tagen war noch nicht davon auszugehen, dass ein Treffer gegen Nordirland derart emotional würde gefeiert werden. Der Freistoß von Florian Wirtz war aber auch schön.
    Vor wenigen Tagen war noch nicht davon auszugehen, dass ein Treffer gegen Nordirland derart emotional würde gefeiert werden. Der Freistoß von Florian Wirtz war aber auch schön. Foto: Federico Gambarini, dpa

    Zumindest bemerkenswert ist dieser Gegensatz. Während sich Julian Nagelsmann öffentlich gerne allzu grundsätzlich gibt, ist seine Mannschaft nicht in der Lage, Grundsätzliches erkennen zu lassen. Nach dem 3:1-Sieg gegen Nordirland kritisierte der deutsche Bundestrainer die heimischen Fans für ihren laut zur Kenntnis gebrachten Unmut in der Halbzeit. Er habe zwar Verständnis dafür, wenn die Fans für „teure Tickets eine gute Performance erwarten“, allerdings brächten die Pfiffe das Team nicht weiter auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2026. „Wenn wir alle im Land eine Energie haben für alles, wird es einfach besser“, sagte Nagelsmann und wollte damit über die Fußball-Grenzen hinaus deuten. „Und wenn wir alle wie Hyänen im Busch sitzen und warten, bis ich endlich wieder einen beißen und sagen kann, wie schlecht er ist und was er alles beschissen macht – ich glaube nicht, dass man sich da super entwickelt im Land.“ Er verstehe ja die Fans, „dass sie pfeifen, aber auf der anderen Seite habe ich den Wunsch für etwas anderes.“

    Wunsch und Wirklichkeit passen seit einem halben Jahr bei der Nationalmannschaft nicht mehr zusammen. Nach der Europameisterschaft hatte Nagelsmann im vergangenen Jahr schon einmal sichtlich angefasst und mit angenehmem Pathos auf die Bedeutung des Fußballs für die Gesellschaft hingewiesen. „Wir haben es geschafft, die Menschen zu einen“, sagte er nach dem Aus gegen Spanien. „Und ich hoffe, dass wir es auch nachhaltig hinkriegen, die Symbiose in weit wichtigeren Bereichen fortzusetzen.“ Zwischenfazit: Geht so. Das ist dem Bundestrainer allerdings nicht anzulasten.

    Im vergangenen Jahr war Toni Kroos für die Muster zuständig

    Verantwortlich ist er aber dafür, dass die von ihm trainierte Mannschaft nur wenige Muster erkennen lässt, die auf Grundlagenarbeit hindeuten. Nagelsmann hat das Team vor zwei Jahren übernommen und derzeit ist nur selten zu sehen, wofür sie stehen soll und wie sie gedenkt, Fußball zu spielen. So grundsätzlich. Während der Europameisterschaft hatte Toni Kroos das Kommando auf dem Feld übernommen. Der Mittelfeldmann hatte es zur Perfektion darin gebracht, Muster auf dem Spielfeld zu initialisieren. Nagelsmann gilt zudem als Trainer, der dann am besten ist, wenn er seine Mannschaft lange und intensiv auf Herausforderungen vorbereiten kann. Als Nationaltrainer ist das aber nur bei Turnieren der Fall.

    Gegen Nordirland nun verfiel die Mannschaft nach dem Gegentor von Isaac Price in der 34. Minute in ein Muster, das nur ungern gesehen wird: Planlosigkeit. Sagt ja niemand, dass ein Muster nicht auch verwirrend sein kann. Auch wenn das deutsche Team hernach durch den erfrischenden Nadiem Amiri (69.) und einen wunderbaren Freistoß von Florian Wirtz (72.) zu einem verdienten Sieg kam, steht doch immer noch die Frage im Raum: Wie will diese Mannschaft eigentlich spielen? Die Tore fielen durch einen 50-Meter-Sprint Serge Gnabrys, eine verirrte Halbfeldflanke David Raums und einen Standard – mustergültig verwandelt vom ansonsten blassen Wirtz. Schnelle Kombinationen durch das Zentrum oder einstudierte Spielzüge, die ihre Zuspitzung in einem Anspiel auf den Mittelstürmer finden, waren nicht gesehen.

    Julian Nagelsmann hat gezeigt, dass er ein guter Turnier-Trainer ist

    Grundsätzlich ist das zum jetzigen Zeitpunkt nicht allzu schlimm. Schließlich hat Nagelsmann bereits im vergangenen Jahr gezeigt, dass er in der unmittelbaren Vorbereitung auf ein Turnier die richtigen Schlüsse ziehen kann und eine Mannschaft bestens vorbereitet in die Spiele schickt. Gleiches ist ihm auch kommendes Jahr bei der Weltmeisterschaft zuzutrauen. Allerdings muss sich die Nationalmannschaft diesmal eben erst noch für dieses Turnier qualifizieren. Um den kürzesten Weg dorthin zu nehmen, dürften in den verbleibenden vier Quali-Spielen vier Siege notwendig sein. Grundsätzlich sind auch die dem Team zuzutrauen. Grundsätzlich hätte das Team aber auch nicht gegen die Slowakei verlieren sollen. Dass es sich bei den Slowaken um keine Mannschaft überragender Qualität handelt, lässt sich nach dem in der Nachspielzeit herausgeschossenen 1:0-Sieg gegen Luxemburg am Sonntag zumindest erahnen.

    Nagelsmann und die Fans eint der Wunsch, dass die deutsche Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt schon einige Schritte in ihrer Entwicklung weiter wäre. Die Wirklichkeit ist eine andere. Immerhin aber lässt sie sich beeinflussen.

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