Als alles vorbei war und Luke Littler die Trophäe für den Grand Slam of Darts in die Höhe stemmte, sprach sein Namensvetter und Konkurrent Luke Humphries einen bemerkenswerten Satz aus. Humphries hatte an diesem Abend nicht nur das Finale des Turniers, sondern auch seinen Status als Nummer eins der Welt verloren. Das stand schon vor dem Finale fest. Seine 23 Monate dauernde Regentschaft habe aber während der kompletten Dauer einen Makel gehabt, so Humphries – und das habe an dem 18-jährigem Wunderkind gelegen, das erst seit knapp zwei Jahren im Profi-Niveau Pfeile wirft: „Ich habe mich nie als Nummer eins gefühlt, weil er eine so große Aufmerksamkeit hatte. Aber er verdient das alles, er ist ein unglaublicher Spieler.“ Seit Sonntagabend hat Luke „The Nuke“ Littler nicht nur alle möglichen Titel gewonnen, sondern ist die jüngste Nummer eins der Darts-Geschichte. Auf Instagram schrieb er dazu: „Das ist der Tag, von dem ich einst geträumt habe. Nummer eins der Welt und aufeinanderfolgende Titel beim Grand Slam. Was für ein Wochenende.“
Littler zeigte im Finale des zweitwichtigsten Turniers erneut seine ganze Klasse. Selbst ein zwischenzeitlicher Rückstand brachte den Teenager, der sich im Januar auch schon zum jüngsten WM-Champ aller Zeiten gekrönt hatte, nicht aus der Fassung. Mit einem 167er-Checkout glich er zum 8:8 nach Sätzen aus, holte sich mit einem 160-Punkte-Finish den Satzgewinn zum 11:9 und gab danach nur noch wenig ab. 16:11 hieß es am Ende für den Mann aus der Kleinstadt Warrington im Nordwesten Englands. Dass er die Spitzenposition schnell wieder hergeben wird, scheint ausgeschlossen. Bei Sky sagte Littler: „Ich habe 19 bis 20 Monate gebraucht, um die Nummer eins der Welt zu werden, deshalb möchte ich nun einige Jahre dort bleiben.“ Es ist eine Bestätigung dessen, was Humphries bei seinem WM-Gewinn im Januar 2024 gesagt hatte: „Luke wird Darts dominieren. Ich musste das gewinnen, denn er wird in Zukunft viele Finals gewinnen.“
Die Darts-WM wird so groß wie nie zuvor
Nun also auf Jahre hin die Nummer eins? Es ist eine eindrucksvolle Ansage im Vorfeld der Darts-WM, die dieses Jahr so groß wie noch nie sein wird. Erstmals umfasst das Teilnehmerfeld statt wie bislang 98 nun 128 Spieler, folglich gibt es 36 statt 28 Sessions, los geht es schon am 11. Dezember und damit einen Tag früher als sonst. Das Preisgeld wird von 2,5 Millionen Pfund auf jetzt fünf Millionen Pfund verdoppelt (5,68 Millionen Euro), der Weltmeister erhält statt einer halben Million eine Million Pfund (1,14 Millionen Euro).
Die Wahrscheinlichkeit, dass es am Ende einen Champion geben wird, der auf den Vornamen Luke hört, ist sehr groß. Humphries schaffte es lange, den Abstand zu seinem Verfolger Littler zu halten und musste sich nun beim Grand Slam of Darts geschlagen geben, der am Wochenende in Wolverhampton zu Ende ging. Auf die Frage hin, ob er und Littler in einer eigenen Liga spielen, sagte der sonst nicht für offensive Aussagen bekannte Humphries: „Ja. Das soll nicht arrogant klingen, aber so fühlt es sich an. Und am liebsten wäre es mir, wenn ich in sieben Wochen wieder die Nummer eins bin.“ Dafür müsste sich Humphries den Weltmeistertitel von Littler zurückholen. Und das ist der erklärte Plan: „Bei der Weltmeisterschaft werden er und ich im Finale stehen. Dort werden wir sehen, wer die Nummer eins ist.“
In Großbritannien grassiert längst die Littler-Mania
Allerdings scheint es in diesen Tagen ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, an Littler vorbei zu kommen. Denn auch in Wolverhampton galt: Immer dann, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass das Wunderkind doch mal ins Wackeln geraten könnte, spornte ihn dieser Umstand umso mehr an. Littler hat eine bemerkenswerte Nervenstärke – und das, obwohl sich von Anfang an längst nicht nur die Darts-Welt für diesen Teenager interessiert hat.
Littler war schon im vergangenen Jahr die Person – nicht der Sportler, die Person – nach der in Großbritannien am drittmeisten gegoogelt wurde. Nur Kate Middleton und Donald Trump standen damals noch vor ihm. Die Wahl zum Sportler des Jahres auf Platz schloss er auf Platz zwei ab, vor Fußball-Stars Jude Bellingham oder Harry Kane. Nur die 800-Meter-Läuferin Keely Hodgkinson, die bei Olympia Gold gewonnen hatte, landete noch vor ihm. Sollte sich Littler in diesem Jahr nicht auch noch diesen inoffiziellen Titel holen, wäre das schon eine Überraschung. Die Littler-Mania grassiert in Großbritannien über das komplette Jahr: Littler ist in England das Werbegesicht der Spielekonsole Xbox sowie der Fußball-Simulation FC 26. Mit dem Pfeilehersteller Target Darts hat er einen Multi-Millionen-Deal abgeschlossen. Gut möglich, dass die Palette an Littler-Produkten zeitnah ausgeweitet werden wird.
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