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EM-Finale Spanien - England der Frauen wird zum Kampf der Systeme

Fußball-EM der Frauen

Das Finale wird zum Kampf der Systeme

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    Im WM-Finale 2023 jubelten die Spanierinnen nach einem 1:0-Sieg gegen England. Nun steht die Revanche an.
    Im WM-Finale 2023 jubelten die Spanierinnen nach einem 1:0-Sieg gegen England. Nun steht die Revanche an. Foto: Charlotte Wilson, Witters

    Basel hat dem Frauenfußball zur Europameisterschaft einen prominenten Platz gewidmet: Von der Fanzone am Barfüsserplatz haben schon Fans aus den Niederlanden, Dänemark oder Deutschland stimmungsvolle Märsche zum St. Jakob-Park unternommen. Nun gehört anderen die Bühne, wenn das EM-Finale zwischen England und Spanien ansteht (Sonntag, 18 Uhr/ZDF). Auch wenn es Deutschland in der Grenzregion nicht so gerne hört: Es ist die beste Konstellation. Der Titelverteidiger fordert den Weltmeister heraus.

    Eine DFB-Delegation um Präsident Bernd Neuendorf gehört zu den vielen Ehrengästen, wenn ein würdiger Abschluss eines vielleicht nicht sportlich, aber eines atmosphärisch herausragenden Turniers aufgeführt werden soll. Nach eher umkämpften Viertel- und Halbfinals wäre ein gehaltvolles Finale im Sinne aller. Und klar, Spanien lechzt danach, nach den Männern nun auch die Frauen für den EM-Triumph abzufeiern.

    Es treffen zwei Weltfußballerinnen aufeinander

    Das „Joggeli“ erlebt die Neuauflage des WM-Finals 2023. Im Olympiastadion von Sydney hatten die Spanierinnen die richtigen Lehren aus dem verlorenen EM-Viertelfinale 2022 gegen die Engländerinnen (1:2) gezogen. In dem von der Kussaffäre überlagerten Klassespiel hätten nur mehr Tore fallen müssen. Und auch jetzt wirkt der Kampf der Systeme hochspannend. Dafür stehen eine ehemalige und die aktuelle Weltfußballerin. Die körperbetonte Spielweise der „Lionesses“ symbolisiert Lucy Bronze, den eleganten Stil der „Furia Roja“ illustriert Aitana Bonmati.

    Die Chelsea-Stütze Bronze ist immer noch die weltbeste Rechtsverteidigerin, wenn sie den Fokus behält. Sie verfügt nicht nur über Power, sondern auch über Gespür, ihrem Team von der Außenbahn siegbringende Impulse zu geben. Mit 33 Jahren ist allerdings bei der EM auch erheblichen Schwankungen ausgesetzt – und damit ein britisches Belegexemplar. Zum Auftakt gegen Frankreich patzte sie fatal, um dann beim Drama gegen Schweden wenigstens ihren Elfmeter mit aller Entschlossenheit ins Netz zu jagen. „Ich wollte damit ein Zeichen an die jungen Spielerinnen senden“, erklärte die Weltfußballerin von 2020.

    Das hat auch die Weltfußballerin 2023 und 2024 gerade im Halbfinale getan: Bonmati ist die technisch beste Spielerin eines wunderbar komponierten Ensembles, das gleichwohl erst gegen die Schweiz, dann gegen Deutschland lange keine Lösung fand. Doch wenn eine kleine Lücke aufgeht – wie in Zürich im Torwarteck von Ann-Katrin Berger – schießt die 27-Jährige hinein, die ihre Freiheiten stets so auslebt, dass das Gefüge nicht davon bedroht ist. Sinnfreie Dribblings sind bei der Dirigentin vom FC Barcelona nicht zu besichtigen, die nach überstandener Hirnhautentzündung nach dem Coup lechzt. „Am Sonntag wollen wir ein weiteres Kapitel unserer Geschichte hinzufügen.“

    Die Trainerinnen sind genauso unterschiedlich wie ihre Teams

    Unter den vier Halbfinalisten hatte Deutschland die jüngste Startelf (25,8 Jahre) aufgeboten, England (26,5) und Spanien (27,4) liegen darüber. Aber beide vereinen mehr individuelle Klasse. Das englische Team ist von der Mentalität seit Jahren so gefestigt, dass sie Rückstände auf Knopfdruck aufholen. Das spanische Ensemble besitzt eine solche Qualität, dass ihnen bei der Ballannahme keine Fehler wie Jule Brand unterlaufen. Interessant auch der Blick in die Coaching Zone, wo sich tatsächlich zwei Trainerinnen duellieren. Sarina Wiegman bestreitet bereits ihr fünftes großes Finale. Die gebürtige Niederländerin, die 2017 zuerst ihre Heimat mit der Trophäe beglückte, dann 2022 auf der Insel feierte, kann einen Titel-Hattrick wie bislang nur Tina Theune von 1997 bis 2005 mit den DFB-Frauen vollbringen. Ihren Anteil an den Erfolgen spielt die 55-Jährige herunter. „Ich bin die Glückliche, dass ich mit so vielen guten Leuten zusammenarbeiten darf.“

    Montserrat Tomé kann auf der Gegenseite genauso streng schauen wie Wiegmann, wobei immer nicht so ganz klar ist, ob sie wirklich einen ähnlich prägenden Einfluss hat. Die 43-Jährige wirft gerne mit Allgemeinplätzen um sich. Auch nach dem Kraftakt gegen Deutschland blieb das Statement der ehemaligen Spielerin vom FC Barcelona eher an der Oberfläche: „Wir haben es geschafft, ein Team aufzubauen. Wir sind mental immer wettbewerbsfähiger.“ Allerdings hatte diese Haltung schon ihr Vorgänger Jorge Vilda eingeleitet, der aber wegen seiner Nähe zu Skandalpräsident Luis Rubiales bald nicht mehr tragbar war. Tomé rückte als seine Assistentin an den prominenten Platz bei den Weltmeisterinnen, die sich in Basel erstmals zu Europameisterinnen krönen wollen.

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