Auch beim zweiten Spiel der Playoff-Viertelfinalserie kassierte der ERC Ingolstadt gegen den EHC Red Bull München zu viele Strafen und bekam Gegentore in Unterzahl. Der Unterschied zum vergangenen Dienstag: Diesmal verloren die Schützlinge von Mark French in der Ingolstädter Saturn-Arena 1:6 (0:2, 0:0, 1:4). Insgesamt gab es für den ERC 53 Strafminuten, für die Gäste aus der Landeshauptstadt dagegen nur 24. „Das Team des Spiels war das Special Team“, sagte auch der Münchner Coach Oliver David. French pflichtete ihm bei und ergänzte: „Was wir im ersten Spiel erfolgreich gemacht haben, fehlte nun.“ Sein Team sei gerade zu Beginn zu langsam gewesen und habe zu viele Fehler gemacht. Auch ERC-Stürmer Peter Abbandonato, der das einzige Ingolstädter Tor vorbereitet hatte, sprach im Interview mit der Neuburger Rundschau über die fehlende Geschwindigkeit. „Sie kamen schneller raus als wir, haben uns überrascht. Dann konnten sie außerdem zwei Powerplays nutzen und hatten ein Momentum, wir rannten nur hinterher.“ Beim Sieg am Dienstag habe sich seine Mannschaft an den vereinbarten Spielplan gehalten, „wir konnten uns gegenseitig besser lesen und haben kaum Fehler gemacht“. Das sei am Freitag anders gewesen.
Beide Teams wechselten im Vergleich zum ersten Spiel den Torwart. Für den ERC Ingolstadt stand statt Devin Williams Brett Brochu im Kasten. München setzte statt auf Antoine Bibeau auf Simon Wolf, der in der Hauptrunde lediglich sieben Spiele gespielt hat.
Der EHC Red Bull München startete deutlich intensiver in das Spiel
Das erste Drittel ging deutlich zugunsten der Münchner Gäste – ab der ersten Minute setzten sie die Panther unter Druck. Der ERC stand hinten gut und verhinderte lange einen Rückstand. Anders als beim Spiel am vergangenen Dienstag blieb die ERC-Offensive aber viel zu harmlos. Immer wieder fanden zudem im Aufbau Pässe keinen Abnehmer. Dass die Ingolstädter zwar im Fünf gegen Fünf mit dem viermaligen Deutschen Meister mithalten können, aber in Unterzahl regelmäßig Probleme bekommen zeigte sich erneut, als Kenny Agostino in der 9. Minute auf die Strafbank musste. Kurz darauf ging München in Führung – Tobias Rieder bekam die Scheibe im scharfen Winkel von rechts und schob sie an Brochu vorbei ins Tor (10.). Nach einer Rangelei mussten zunächst auf beiden Seiten je ein Spieler und kurz darauf auch noch Peter Abbandonato auf die Strafbank – er hatte beim Bully den Puck mit der Hand gespielt. Und erneut war die Ingolstädter Unterzahl quasi eine Garantie für ein Münchner Tor, diesmal von Chris De Sousa (18.) zum 2:0-Pausenstand. „Wir nehmen einfach zu viele Strafen und kommen dadurch nicht in unseren Rhythmus“, sagte ein sichtlich genervter Daniel Schmölz folgerichtig in der Pause bei Magenta Sport.
Das Mitteldrittel war auf dem Eis deutlich ausgeglichener, die Gastgeber konzentrierter und auch mit einigen guten Chancen vor dem Münchner Tor – Leon Hüttl schoss nur knapp über das Tor (36.), Riley Barber fand seinen Meister in Wolf (40.). Trotzdem gab es auch hier Strafen zuhauf. Kurzzeitig war der ERC sogar in doppelter Unterzahl und konnte wohl von Glück reden, dass sich nun die Münchner einige Fehler erlaubt und ihre Führung nicht ausgebaut haben. Möglicherweise gab die lautstarke Fanunterstützung für die Gastgeber auch den Ausschlag. Doch auch sie konnten eigene Powerplays nicht nutzen, verteidigten eine weitere Unterzahl dann aber deutlich besser. Ein alles in allem recht ausgeglichenes Mitteldrittel endete torlos.
Der ERC Ingolstadt kam im letzten Drittel mit Power aus der Pause
Im letzten Drittel kamen die Ingolstädter mit deutlich mehr Power aus der Pause. Das Spiel gewann an Intensität, trotzdem punktete zunächst erneut München, als Jeremy McKenna nach einem Doppelpass mit Dilon Hatherington zum 3:0 erhöhte (41). Doch wenige Minuten später gelang Austen Keating endlich der ersehnte Anschlusstreffer nach einer Vorlage von Peter Abbandonato im Powerplay. Danach stand die Saturn-Arena und die 450 mitgereisten Münchner Fans waren nicht mehr zu hören. Die Ingolstädter Freude währte jedoch nicht lange. Im Münchner Konter waren die Panther zu langsam und Maximilian Kastner traf nach Vorlage von Philipp Krening zum 4:1 (52.). Bereits in der 55. Minute nahm Mark French Brochu zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, was promt bestraft wurde: Tobias Rieder erhöhte auf 5:1 ins leere Tor (56.). Typisch für die Partie: Auch das allerletzte Münchner Tor fiel in Unterzahl: Taro Hirose machte in der 57. Minute den Deckel zum 6:1-Endstand drauf.
Bereits am Sonntag gibt es für den ERC die Chance zur Wiedergutmachung im Münchner SAP Garden (Start 19 Uhr). Abbandonato gibt sich optimistisch: „Wir hatten ein hartes Spiel heute, aber man muss vier Spiele gewinnen. Wir müssen einfach weitermachen und für Sonntag bereit sein. Wenn wir die Gas geben und uns an den Plan halten, auf dem Fahrersitz bleiben, statt ständig hinterher zu rennen und dazu weniger Strafen bekommen, können wir gewinnen.“
ERC Ingolstadt: Brochu – Ellis, Breton; Ruopp, Hüttl; Preto, Tropmann – Agostino, Powell, Girduckis; Schmölz, Abbandonato, Barber; Sheen, Keating, Smallwood; Krauß J., Pietta, Krauß P. EHC München: Wolf – Murphy, Wagner; Pokka, Smits; Abeltshauser, Heatherington; Sinn – Brooks, Rieder, Hirose; McKenna, Hager, Ehliz; Oswald, Ferguson, DeSousa; Kastner, Eisenschmid, Krening. Tore: 0:1 Rieder (11./PP.), 0:2 DeSousa (18./PP.), 0:3 McKenna (41.), 1:3 Keating (45./PP.), 1:4 Kastner (52.), 1:5 Rieder (54./ENG), 1:6 Hirose (57./PP.). Zuschauer: 4591 (ausverkauft).
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