Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wäre ohne den Einfluss der Niederlande nur schwer vorstellbar. Rudi Carrell brachte dem Land und seinen Bewohnern die Vorzüge einer Showtreppe bei, bei Linda de Mol durften die Menschen eine Traumhochzeit feiern und bei Harry Wijnvoord war der Preis immer heiß. Wer in den 90er Jahren tanzen wollte, lernte von Anita Doth und Ray Slijngaard alias 2 Unlimited, dass es auf dem Dancefloor eben „No Limit“ gibt. Also zumindest bis die Eltern zum Abholen kamen. Die wiederum hatten je nach Altersklasse und Fasson die Platten von Heintje oder Golden Earring in der Sammlung stehen.
Und ja, dann gibt es noch den Fußball. Was wäre die Bundesliga ohne den Voetbal? Die 60er Jahre gehörten Willi „Ente“ Lippens, der für Rot-Weiss Essen 90 Tore schoss und auch im Dialog mit Schiedsrichtern schnell umschaltete. Gegen Westfalia Herne wandte sich ein Referee an Lippens mit den Worten: „Herr Lippens, ich verwarne Ihnen!“ Der antwortete mit „Ich danke Sie!“ – und wurde wegen respektlosen Verhaltens 14 Tage gesperrt. Zu viel Schlagfertigkeit für die BRD des Jahres 1965 – aber folgerichtig für einen, in dessen Landessprache das Wort „bellen“ für „anrufen“ steht und Nachnamen ein steter Quell des Rätselratens um die jeweilige Aussprache sind.
FCA-Profi Jeffrey Gouweleeuw ist der Rekord-Oranje der Bundesliga
Auf Lippens folgten Zauberer wie Rafael van der Vaart und Arjen Robben, Knipser mit sensationellen Frisuren wie Harry Decheiver, Torphantome wie Roy Makaay. Doch keiner von ihnen sollte so oft in der Bundesliga spielen wie ein gewisser Jeffrey Gouweleeuw. Der ist jetzt nicht direkt ein Vertreter der niederländischen Lässigkeit. Aber einer, auf den seit seinem Wechsel aus Alkmaar nach Augsburg im Januar 2016 Verlass ist. Am Samstag machte der „Abwehr-Jeff“ des FCA sein 250. Spiel in der Bundesliga und überholte damit einen gewissen Heinz van Haaren, der es in den 60er und 70er Jahren für Duisburg und Schalke auf 249 Einsätze brachte.
Der Rekord bedeutet Gouweleeuw viel, wie er selbst zugab. Denn sein Rekord sei in den Tagen vor dem Spiel auch Thema in niederländischen Medien gewesen – und die würden sich sonst eher weniger für ihn interessieren, sagte der 33-Jährige nach dem Sieg gegen den VfL. Sehr wahrscheinlich wird Gouweleeuw seinen Rekord ausbauen, sein Vertrag in Augsburg wurde erst kürzlich bis 2026 verlängert. Wenn bis dahin noch alle die richtige Aussprache seines Nachnamens schaffen, wäre viel erreicht. By the way: Die richtige Aussprache lautet Chau-we-leo.
Graag gedaan.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren