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FCA plant ohne Luthe: Der Ärger der Fans ist verständlich

FCA plant ohne Luthe: Der Ärger der Fans ist verständlich
Kommentar Von Johannes Graf
25.07.2020

Plus Obwohl der Torwart des FC Augsburg im Abstiegskampf überzeugt hat, soll er gehen. Das hat wirtschaftliche Gründe. Der Ärger der Fans ist trotzdem verständlich.

In der Geschäftswelt bleibt selten Platz für Dankbarkeit. Gelobt wird, wenn Ziele erreicht werden. Weil Erfolg schnell verblasst und sich der Blick stets nach vorne richtet, denken Macher strategisch. Im professionellen Fußball verhält es sich nicht anders, letztlich steht das Wirtschaftliche im Vordergrund. Das Spiel mag hoch emotional sein, Führungskräfte entscheiden rational und mit Kalkül. Nur so lassen sich die derzeitigen Vorgänge beim Fußball-Bundesligisten FC Augsburg erklären.

Während der von Gefühlen geleitete Fan die Trennung von Vereinsikone Baier beklagt, hat Sportgeschäftsführer Reuter kühl analysiert. In Baier sahen er und Trainer Herrlich keinen Mitarbeiter, der hilft, Ziele zu erreichen. Folglich inszenierten sie einen Abschied, der öffentlich harmonisch wirken soll.

Ähnlich will die Sportliche Leitung mit Torwart Luthe verfahren. Seit dessen Verpflichtung vor vier Jahren dient dieser als verlässlicher Ersatz, der im Notfall einspringt. Die FCA-Verantwortlichen sahen in ihm nicht weniger. Vor allem aber: Sie sahen in ihm nie mehr.

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Luthe stand beim FCA nur im Tor, wenn andere zuvor enttäuschten

Luthe stand lediglich dann längere Zeit im Tor, wenn zuvor auserkorene Stammtorhüter enttäuscht hatten. Nach dem Weggang des Schweizers Hitz musste Luthe daher Giefer, Kobel und Koubek den Vortritt lassen. Als Nächstes wird ihm Neuzugang Gikiewicz vorgezogen. Als der Pole im März ablösefrei zu haben war, sicherte sich der FCA dessen Dienste. Für Luthe hat sich die Situation diesmal jedoch gravierend verändert, nicht mal mehr als Ersatz ist er eingeplant.

Für den Tschechen Koubek hat der FCA eine Ablöse von 7,5 Millionen Euro bezahlt, abgesichert hat der Klub diese Investition mit einem Fünfjahresvertrag. Wegen Koubeks schwacher Darbietungen ist sein Marktwert jedoch abgestürzt, ein Verkauf wäre mit enormem Verlust verbunden. Wobei sich eh die Frage stellt: Welcher Verein sieht in Koubek aktuell eine Verstärkung? Daher plant der FCA ihn als Ersatzmann ein, den der neue Torwarttrainer in Form bringen soll. Luthe wollte ein weiteres Mal um den Stammplatz konkurrieren, diese Chance soll er aber nicht erhalten.

Daniel Baier spielte über elf Jahre für den FC Augsburg, war seit 2017 Kapitän. Nach dessen Vertragsauflösung muss ein neuer Spielführer her - aber wer?

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Die FCA-Fans schätzen Andreas Luthe

Das Problem des FCA: Die unpopuläre Entscheidung gegen Luthe erzürnt die Fans. Luthe hätte aus deren Sicht mehr Dankbarkeit verdient. Weil der 33-Jährige als Angestellter des FCA vieles richtig gemacht hat. Auf dem Rasen steht er nicht für Spektakel und herausragende Paraden, ihn umgibt jedoch Ruhe und Gelassenheit. Das überträgt sich auf eine Abwehr und verhilft zu Stabilität. Kämpfte der FCA gegen den Abstieg, war Luthe ein wichtiger Erfolgsfaktor. Weil er abseits des Platzes intelligent, eloquent und sozial engagiert auftritt, genießt er in der FCA-Anhängerschaft hohe Wertschätzung.

Noch hat Luthe einen Trumpf in der Hand: Sein Vertrag läuft bis Sommer 2022. Ihn einfach so loszuwerden, dürfte für den FCA schwierig werden.

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26.07.2020

Es wird immer kurioser, wirtschaftliches Kalkül...ich spreche eher von einer gewissen Kaltschnäuzigkeit, fernab jeglicher, immer so schön verpackter FCA-Werte, beiseite genommen, eine auch (schon wieder) sportlich gesehene Gratwanderung. Einen zuverlässigen Keeper rauszuekeln und einen maximal mittelklassigen Mann zu behalten. Aber sportliche Werte, Eine gewisse Menschlichkeit und Weitsicht sind ja schon länger nicht das Herausstellungsmerkmal von Herrn Reuter, der schon lange nicht mehr an seine früheren, unstrittigen Erfolge, anknüpfen kann. Der immer Seelenlosere FCA zementiert damit seinen jüngsten Ruf und sollte bitte...hier meine Bitte an Herrn Hofmann ...nicht mehr mit dem Finger Gen Osten nach Leipzig zeigen, hier läuft es nur unwesentlich anders ab.

Nobby Die Stimme der Rosenau

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25.07.2020

Herr Graf nennt in seinem Kommentar Andreas Luthe einen Spieler, der ausserhalb des Spielfels intelligent, eloquent und sozial engagiert auftritt. Bei mir drängt sich der Eindruck auf, daß es aber besonders diese Eigenschaften sind, die Herrn Reuter und das restliche verantwortliche Management dazu bewegen, A. Luthe - von außen betrachtet - so respektlos zu behandeln.

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25.07.2020

Die Frage stellt sich doch: warum wurde Luthe nicht als Nummer 1 nominiert bzw. behandelt?!? Wenn, wie hier beschrieben wird, Luthe so gut ist/war, wo ist das Problem? Für mich ist bis heute nicht nachvollziehbar, warum Hitz gegangen ist und beim BVB freiwillig so ein Reservistendasein führt. Am Geld allein kann's nicht gelegen haben. Hier knirscht in der sportlichen Führung gewaltig. Wenn man sieht welche, Spieler eingekauft werden wie z.B. Koubek oder Lichtsteiner, der so mit seiner Spielweise nicht in die Mannschaft gepasst hat, oder auch Reuter's "Kumpel" Lehmann, nur Fehlentscheidungen! Und dann die Behandlungen von verdienten, langjährigen Spielern wie Baier, unverständlich.

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