So mancher Spruch, den ein Fußballer nach einer Partie am Spielfeldrand schon von sich gegeben hat, gilt heute als legendär und hat die Karriere des jeweiligen Profis längst überdauert. Unvergessen etwa das Mantra von Lothar Matthäus: „Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“ Oder Andreas Möller, der meinte: „Mailand oder Madrid, Hauptsache Italien.“ Auch Otto Rehhagels fast schon philosophischer Satz „Mal verliert man, mal gewinnen die anderen“, ging in die Geschichte ein. Ob sich FCA-Profi Keven Schlotterbeck einmal zu diesem illustren Kreis zählen kann, bleibt abzuwarten – sicher ist aber: Der 28-Jährige hat einen der besten Sprüche der vergangenen Saison hingelegt und belegte jetzt beim Fußballspruch des Jahres 2025 Platz zehn.
Der Innenverteidiger des FC Augsburg wurde von der Jury der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur in die Top-Elf gewählt, wie die Akademie vor einigen Wochen bekanntgab – bis zum 18. September konnte man für die Nominierten abstimmen. Nach der 0:2-Niederlage der Augsburger gegen Leverkusen in der vergangenen Spielzeit meinte Schlotterbeck am Mikrofon eines BR-Reporters: „Das ist der Krux an der Kacke, dass wir heute mit null Punkten dastehen.“
Fußballspruch des Jahres 2025: Das waren die Nominierten
Für einen Preis reichte es am Ende nicht für Schlotterbeck mit seinem Versprecher. Er schaffte es nicht, sich gegen zehn andere Spieler und Spielerinnen, Trainer oder Experten durchzusetzen, deren Sprüche teils nicht minder kurios sind. Das sind die Plätze drei bis elf beim Fußballspruch des Jahres 2025:
- Platz 3: Fans von Borussia Mönchengladbach: „Tausende Tote in Qatar – Kommt, wir stimmen für denselben Scheiß nochmal.“ (Nachdem der DFB seine Stimme für eine Austragung der WM 2038 in Saudi-Arabien abgab.)
- Platz 4: Marco Rose: „Etwas Sinnloseres als Rassismus gibt es nicht.“ (Das sagte der Ex-RB-Leipzig-Coach, nachdem einer seiner Spieler in sozialen Medien rassistisch beleidigt worden war.)
- Platz 5: Klara Bühl: „Hoffentlich zu elft!“ (Das antwortete die DFB-Spielerin auf die Frage, wie das Team das Halbfinale gegen Spanien angehen wolle – zuvor hatte die DFB-Elf zwei Spiele über längere Zeit in Unterzahl gespielt.)
- Platz 6: Ann-Katrin Berger: „Ich liebe es, wenn meine Mannschaft mich ein bisschen testet.“ (Das sagte die DFB-Torhüterin nach einer spektakulären Parade, zu der sie durch eine eigene Mitspielerin gezwungen worden war.)
- Platz 7: Dominik Salz: „Meine Gänsehaut hatte Gänsehaut.“ (Das sagte der Spieler des Karlsruher SC nach dem eigenen Profidebüt im Alter von 37 Jahren.)
- Platz 8: Miroslav Klose: „Vielleicht sollte auch im Keller ein Fußballer sitzen.“ (Klose gab damit einen Verbesserungsvorschlag für den Videoschiedsrichter VAR ab.)
- Platz 9: Mats Hummels: „Das ist ungefähr so, als würdest du versuchen, eine Koalitionsverhandlung oder generell Regierungsgespräche bei dir zu behalten, wenn die FDP mit am Tisch sitzt.“ (Nachdem der Rauswurf von AS-Rom-Coach Ivan Juric vorher geleakt worden war.)
- Platz 10: Keven Schlotterbeck: „Das ist der Krux an der Kacke, dass wir heute mit null Punkten dastehen.“
- Platz 11: David Raum: „Vielleicht hat er sich auf meiner Wade wohlgefühlt und wollte eine Stabi-Übung machen.“ (Nachdem Florian Wirtz ihm im Spiel schmerzhaft auf die Wade gestiegen war.)
Fußballspruch des Jahres: Lothar Matthäus und Nils Petersen im Finale
Nach dem Jury- und dem Online-Voting standen vorerst nur die Plätze drei bis elf fest. Ins Finale zogen Lothar Matthäus und Nils Petersen mit ihren Sprüchen ein. Die Entscheidung darüber, wer den Fußballspruch des Jahres 2025 abgegeben hat, fiel dann per Publikumsabstimmung im Rahmen der Verleihung der Deutschen Fußball-Kulturpreise am 24. Oktober in Nürnberg.
Das waren die beiden Finalisten:
- Lothar Matthäus: „Dann werden die Würfel neu gemischt.“ (Es ging um die Konkurrenzsituation der Torhüter beim DFB nach der Rückkehr des langzeitverletzten Marc-André ter Stegen.)
- Nils Petersen: „Früher hab ich 80 Minuten zugeguckt, heute 90.“ (Der Ex-Freiburger blickte als Experte auf seine Rolle als Top-Joker zurück.)
Schlotterbeck vom FC Augsburg landet auf Platz zehn
Letztendlich setzt sich Nils Petersen durch. Er landete mit seinem Spruch auf Platz eins.
Bis zum 18. September konnte auf der Webseite der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur für den besten Spruch abgestimmt werden. Der Fußballspruch des Jahres ist laut Akademie mit 5000 Euro dotiert. Diese kommen dann einem gemeinnützigen Zweck zu Gute. Der diesjährige Gewinner erhält zudem eine Trophäe (eine Fußballerfigur mit dem Namen „Max“). Träger der Akademie für Fußball-Kultur ist das Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg.
Beim Fußballspruch des Jahres 2024 gab es direkt zwei Gewinner. Platz eins teilten sich damals Ex-Freiburg-Trainer Christian Streich sowie der Ex-Coach der DFB-Frauen Horst Hrubesch. Streich konnte mit seinem Kommentar zu einer Aussage überzeugen, er sei Kult: „Jagger, Keith Richards, Ron Wood – die sind Kult. Ich bin ein Kültle.“ Hrubesch bestach mit einer simplen Weisheit über die DFB-Frauen: „Bei unserer Qualität macht es keinen Sinn, Spiele zu verlieren.“
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