In einem der Redebeiträge brachte es ein Mitglied auf den Punkt. Man dürfe schon mal etwas kritischer sein, meinte der Fan, als er am Mikrofon stand. „Wir sind hier schließlich auf einer Mitgliederversammlung – und nicht auf einer Weihnachtsfeier.“ Von Besinnlichkeit war während des Abends im Business-Bereich der Augsburger Arena tatsächlich wenig zu spüren. Stattdessen: Gegenwind aus den eigenen FCA-Reihen. Das wurde in Wortmeldungen einiger Mitglieder und spärlichem Applaus deutlich, aber auch in Reaktionen nach der Zusammenkunft.
Der Auftritt von Mannschaft, Betreuer- und Trainerteam trug mitnichten dazu bei, die Stimmung zu heben. Erst mit ein paar Minuten Verspätung trafen sie ein. Vorne am Rednerpult stand ein sichtlich genervter Präsident Markus Krapf, der Vergleiche mit Günther Jauch und Marcel Reif anstellte. Die beiden TV-Legenden mussten einst ein umgefallenes Tor in Madrid kommentieren und Zeit überbrücken. „Wir wollten die Mannschaft nach dem Sieg gegen den HSV mit einem fetten Applaus begrüßen“, sagte Krapf. Um dann hinzuzufügen: „Das hat schon mal nicht geklappt.“ Tatsächlich war der Empfang verhalten. Etliche Fans klatschten gar nicht, als die Spieler und das Trainerteam um Sandro Wagner ihre Plätze einnahmen.
Vor der Entlastung des Vorstands wird der Ton rauer
Lediglich an zwei Stellen der Mitgliederversammlung erhöhte sich der Lärmpegel. Als Geschäftsführer Michael Ströll den ehemaligen Trainer Jess Thorup als Menschen lobte und mit den Worten schloss: „Lieber Jess, du bist hier jederzeit willkommen!“ Und als Ströll verkündete, dass Innenverteidiger Chrislain Matsima seinen Vertrag um ein Jahr bis Sommer 2030 verlängert habe. Ferner registrierte das Gros der rund 850 anwesenden Mitglieder meist emotionslos die Vorträge der Verantwortlichen. Ströll hätte sich wohl mehr Anerkennung gewünscht, als er etwa Rekorde verkündete: rund 150 Millionen Euro Ertrag, 18 Millionen Euro Gewinn und 60 Millionen Euro Eigenkapital. Zufriedenes Nicken, recht viel mehr Reaktion gab es nicht aus dem Plenum.
Bei der Rederunde vor der Entlastung des Vorstands und des Aufsichtsrates wurde der Ton rauer. „Ich hatte das Gefühl: Sobald eine negative oder kritische Frage gestellt worden ist, ist es so gewesen, dass alle abgeblockt oder nur noch rumgeeiert haben“, sagte ein Mitglied im Nachgang der Veranstaltung. Die Führungsriege lieferte als Begründung, dass die Mitgliederversammlung in diesen Fällen nicht zuständig sei.
Ein anderer Besucher fühlte sich laut eigenen Angaben teils auf der falschen Veranstaltung. „Das ist die Mitgliederversammlung des e. V. Und es geht nur um die sportliche Entwicklung der Profis“, echauffierte sich der Mann. Es sei peinlich, dass Manfred Ringer, der ehemalige Vorsitzende der Ski- und Bergabteilung, der Einzige gewesen sei, der etwas zu den Frauenmannschaften gesagt hätte. Wieder ein anderer Anwesender fand es ebenfalls komisch, dass einige Anträge nicht einmal diskutiert, geschweige denn zugelassen wurden – während ein Fan ausschweifend erklären durfte, dass Trainer Sandro Wagner doch bitte öfter mit Manndeckung spielen solle.
Während diese Mitglieder ihren Namen nicht lesen wollten, hatte Markus Widmann damit kein Problem. Er ist im Vorstand des Ulrich-Biesinger-Tribüne e. V. In einem Antrag setzte er durch, dass sich der FCA zum Rosenaustadion als Vereinsdenkmal bekennt. Damit soll gewährleistet sein, dass sich der Klub um den Erhalt der in die Jahre gekommenen Spielstätte bemüht.
Mannschaft erhält kaum Applaus bei ihrem Abgang
Diplomatisch beschrieb Widmann, der schon einmal vergeblich um eine Stelle im Aufsichtsrat gekämpft hatte, die Stimmung: „Ich denke, das war eine typische FCA-Mitgliederversammlung. Es hat sich mal wieder gezeigt, dass der Verein vielfältig ist und es viele verschiedene Ansichten gibt.“ Auch er arbeitete sich an abgeschmetterten Anträgen ab. „Der Aufsichtsrat muss die Anträge ja genehmigen. Das heißt: Er kennt sie. Die Aufsichtsräte können sich also vorher überlegen, wie man sich eleganter aus der Affäre zieht. Oder sich positioniert.“
Die aktive Fanszene bewegen Themen wie 50+1, Videobeweis oder der direkte Aufstieg von Regionalligameistern. Sie will mitreden, sich engagieren und direkten Einfluss nehmen. Die stumme Mehrheit der Mitglieder interessiert vor allem eines: Ob die Bundesligamannschaft Erfolg hat. Gegen den HSV hatte der FCA zumindest gewonnen. Wen man auch beim Verlassen der Arena fragte, die meisten Fans wollten Wagner die Möglichkeit geben, beim FCA etwas zu entwickeln. Gingen also den Weg der Vereinsführung mit. Zufrieden waren sie mit dem bisherigen Saisonverlauf aber nicht.
Ausdruck dessen war nicht zuletzt der Abgang der Mannschaft: Verhalten war nicht nur der Empfang – ebenso die Verabschiedung, als Krapf das Team nach eineinhalb Stunden von ihrer Anwesenheitspflicht entband.
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