Auf dem Feld muss Marius Wolf derzeit flexibel sein. Beim 2:1 gegen den FC St. Pauli stand der 30-Jährige nach längerer Zeit mal wieder in der Startelf, allerdings auf einer für ihn ungewohnten Position: links. Ungewohnt sei das gewesen, meinte Wolf nach der Partie. „Ich habe das erste Mal seit langer Zeit wieder von Anfang an links gespielt“, fügte er im Bauch der Arena noch hinzu. Dass die Abläufe nicht sofort perfekt saßen, merkte er selbst an. Zunächst hätte ihm in einigen Szenen die Sicherheit gefehlt, seinen Auftritt ordnete er aber als „ganz okay“ ein.
Dass Wolf eine Chance erhielt, bedingte sich im kurzfristigen Ausfall von Linksverteidiger Dimitrios Giannoulis. Der Grieche wird wegen eines Muskelfaserrisses noch länger ausfallen. Baum hatte nicht Linksverteidiger-Backup Mads Pedersen aufgeboten, sondern stattdessen Wolf auf ungewohnter Position in die Startelf beordert. Komplettes Neuland sei die Rolle nicht für ihn gewesen, merkte Wolf an. „Ich habe schon ein paar Mal auf links gespielt – es war nicht das erste Spiel dort. Aber nach längerer Zeit ist das natürlich erst mal ungewohnt. Die Routinen kommen dann wieder.“
FCA-Trainer Manuel Baum verweist auf die Bundesligaerfahrung von Marius Wolf
Trainer Manuel Baum betonte, dass Wolfs Einsatz auf der „falschen“ Seite kein Experiment war. Baum hatte sich die Historie des Spielers angeschaut. Fand dort, dass er das wiederholt gemacht hatte. Für Baum war zudem ein weiterer Faktor entscheidend: „Was man nie vergessen darf“, so Baum, „er hat schon sehr viele Bundesligaspiele auf dem Buckel. Es schadet nicht, so jemanden mit seiner Erfahrung auf dem Platz zu haben.“ In Summe sind es allein 223 Bundesligaspiele für Wolf. Baums Fazit bezüglich seines Spielers fiel positiv aus: „Dafür, dass er heute auf der ungewohnten, also fußverkehrten Seite gespielt hat und diesmal von Beginn an ran musste, bin ich zufrieden mit seiner Leistung.“
Wolf war im Spiel an einer viel diskutierten Szene beteiligt. Er verursachte den Strafstoß, der zur Hamburger Führung führte. Wolf hatte im eigenen Strafraum riskant gegrätscht. Erst traf er den Ball, anschließend mit offener Sohle das Schienbein von Manolis Saliakis. Schiedsrichter Sascha Stegemann entschied auf Strafstoß für St. Pauli. Der Video Assistent Referee (VAR) schaltete sich nicht ein, weil er in Stegemanns Urteil keine Fehlentscheidung sah. Die Augsburger sahen das gänzlich anders. „Natürlich treffe ich ihn“, erklärte Wolf. „Aber dann dürfte man nie wieder grätschen und Fußball wäre kein Kontaktsport.“
Wolf durfte sich zu Beginn der Saison Hoffnungen auf einen Stammplatz machen. Der Außenbahnspieler erwischte einen Traumstart, erzielte beim 3:1 in Freiburg einen Treffer und bereitete ein Tor vor. In den ersten Wochen schien er gesetzt. Doch ab dem sechsten Spieltag war sein Stammplatz weg, Wolf musste sich häufiger mit Kurzeinsätzen begnügen. Baum testete den Spieler sogar in einer ganz anderen Rolle: Gegen Werder Bremen bot er Wolf im Sturm auf, nahm ihn aber nach 45 Minuten wieder vom Feld.
Marius Wolf zeigt sich vor dem Spiel in Mainz zuversichtlich
Für den FCA zählt in der aktuellen Lage aber vor allem das Punkten. Zwei Siege in Folge, gegen München und St. Pauli, kamen genau zur richtigen Zeit. Das Tableau liegt eng zusammen, am Wochenende wartet erneut eine Partie von immenser Bedeutung. Im Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 (Samstag, 15.30 Uhr, Sky) kann der FCA einem direkten Konkurrenten enteilen und den Anschluss an die obere Tabellenhälfte herstellen. Zugleich droht dem FCA bei einer Niederlage ein Rückschlag im Kampf um den Ligaverbleib. Wolf wertete es als positives Signal, dass man zum zweiten Mal in Folge einen Rückstand in einen Erfolg gedreht hat. „Das spricht für uns“, betonte Wolf.
In der unteren Tabellenhälfte gibt es derzeit keine Ruhephasen. Wolf verweist auf die Ergebnisse der Konkurrenz: „Man sieht, wie eng es ist – jeder holt seine Punkte.“ Augsburg hatte zuvor in München gewonnen, nun gelang zu Hause der nächste Schritt. Wolf hofft, in Mainz die Serie auszubauen. „Absolut wichtig, dass wir den Dreier aus München bestätigen konnten“, sagte er – und schob direkt hinterher: „Ich glaube, es wird auch wichtig sein, nächste Woche den Dreier von dieser Woche zu bestätigen.“
Der Blick ging bereits nach vorn. „Jetzt kommen Mainz und danach Heidenheim – wieder zwei extrem wichtige Spiele“, sagte Wolf. „Da wollen wir auch gewinnen.“ Es sind jene Partien, in denen sich entscheidet, ob sich Augsburg im Abstiegskampf Luft verschafft oder weiter bis zum Schluss zittern muss. Wolf bietet sich zugleich die Chance, sich auf ungewohnter Position festzuspielen – weil Giannoulis fehlt und links plötzlich Bedarf besteht. Wolf formuliert sein Ziel klar: „Natürlich tut es gut, wieder zu starten. Das ist mein absolutes Ziel. Ich will der Mannschaft helfen – egal auf welcher Position.“
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