Benjamin Weber zeigte sich nach dem Spiel gegen den FC St. Pauli verschlossen. Viel sagen wollte der Sportdirektor des FC Augsburg nicht zu möglichen Transferbewegungen. „Dass es gerade viele Gerüchte gibt – wer zu uns kommen soll und wer uns verlassen soll –, das gehört kurz vor Transferschluss dazu. Da passiert bestimmt viel, nicht nur bei uns, sondern auch bei anderen Vereinen. Zumindest, was die Gerüchte betrifft.“ Es folgte ein Satz, den Verantwortliche sagen, wenn sie eine klare Antwort scheuen, ob noch Spieler kommen oder gehen. „Wenn wir die Möglichkeit haben, besser zu werden, dann schauen wir uns das natürlich an. Aber von der Hektik, die jetzt aufkommt, dürfen wir uns nicht treiben lassen.“
Grundsätzlich, so sagte es Weber jüngst im Gespräch mit unserer Redaktion, sei er kein Freund der Wintertransferperiode. Sinngemäß würden im Januar keine strategischen Entscheidungen gefällt, meinte der Sportdirektor des FC Augsburg. Stattdessen stünden kleinere Korrekturen im Vordergrund. Daher ist es wenig überraschend, dass Wechsel im Winter meist auf Leihbasis beruhen, ergänzt durch Kaufoptionen. Überzeugt ein Profi während seines Gastspiels, so kann er im Sommer immer noch fest verpflichtet werden.
Es können noch Spieler in ausländische Ligen wechseln
Seit Montagabend nun ist das Transferfenster in der Fußball-Bundesliga geschlossen. Rien ne vas plus, nichts geht mehr, würde man am Roulettetisch sagen. Weitere Verstärkungen sind nicht mehr möglich, es können lediglich noch Spieler in ausländische Ligen abgegeben werden. Je nach Ende der dortigen Transferfrist. Dafür, dass Weber kein ausgewiesener Befürworter von Winterwechseln ist, hat der FCA dennoch in den vergangenen vier Wochen einige Umbauten in seinem Kader vorgenommen. Am letzten Tag, dem sogenannten „Deadline Day“, legten die Augsburger nochmals nach und erweiterten ihren Kader.
Der Wechsel des Nigerianers Uchenna Ogundu wurde am Montagabend kurz vor 20 Uhr bestätigt. Der 19-jährige Angreifer aus Nigeria rundet das Winter-Transferpaket des Bundesligisten ab. Seit Sonntag soll sich der Spieler des türkischen Erstligisten Alanyaspor bereits in Augsburg aufhalten, den obligatorischen Medizincheck hatte er wohl schon zuvor in der Türkei absolviert.
Während der FCA in diesem Winter mit Michael Gregoritsch einen wuchtigen, körperlich starken Angreifer verpflichtet hat, gilt Ogundu als eine Art Gegenentwurf. Seine große Stärke soll seine enorme Schnelligkeit sein – ein Qualitätsmerkmal, das im bevorzugten Spielsystem von FCA-Trainer Manuel Baum entscheidend sein kann. Ogundu könnte seine Rolle in Umschaltmomenten und Tiefenläufen erhalten. Allerdings: Ogundus Zahlen sind bislang überschaubar. In 17 Einsätzen für Alanyaspor stehen zwei Tore und zwei Vorlagen zu Buche. Eine Quote, die nicht automatisch nach Soforthilfe klingt. Hinzu kommt der finanzielle Aufwand. Ogundu wird nicht geliehen, sondern fest verpflichtet. Im Raum steht eine Ablösesumme in Höhe von 4,5 Millionen Euro. Viel Geld für einen Spieler, dessen tatsächliche Leistungsstärke schwerlich einzuschätzen ist.
Verlässt Samuel Essende den FC Augsburg noch?
Zudem hat der FCA mit Gregoritsch, Rodrigo Ribeiro, Anton Kade und Samuel Essende schon jetzt vier Stürmer in seinen Reihen. Gut möglich also, dass der FCA versucht, den bislang enttäuschenden Essende noch an einen anderen Verein abzugeben. Hellas Verona soll interessiert gewesen sein. Im Raum stand zuletzt auch noch ein Transfer von Mert Kömür. Für den Offensivspieler hat der türkische Traditionsklub Besiktas Istanbul ein Angebot vorgelegt. Eine Ablösesumme in Höhe von zehn Millionen Euro wollten die Verantwortlichen für Kömür bezahlen. Aus diesem Wechsel soll dem Vernehmen nach aber nichts werden. Gänzlich vom Tisch ist der Wechsel allerdings nicht, spätestens im Sommer könnte er auf Wiedervorlage kommen. Kömür ist mit seiner aktuellen Rolle unzufrieden, unter Baum hat er seinen Stammplatz verloren.
Einmal mehr zeigt sich der FCA in der Wintertransferperiode äußerst umtriebig. Ogundu ist der fünfte Neuzugang. Teils reagierte der Klub damit auf Verletzungen bedeutender Stammkräfte. Mit Jeffrey Gouweleeuw und Chrislain Matsima fielen der Abwehrchef und dessen Stellvertreter aus. Um diese Lücke zu schließen, holte Augsburg erst Yannik Keitel vom VfB Stuttgart, später Arthur Chaves von der TSG Hoffenheim. Im Angriff kehrte Michael Gregoritsch zurück, der als kopfballstarker Zielspieler gegen tiefer stehende Gegner fungieren soll. Wie dies aussehen kann, zeigte der Österreicher als Doppeltorschütze gegen den FC St. Pauli. Von Sporting Lissabon hat der FCA den portugiesischen Stürmer Rodrigo Ribeiro geholt, der seit seinem Wechsel dreimal im Kader stand, aber zu keinem Einsatz kam.
Dem gegenüber stehen Abgänge, mit denen der FCA in seinem Kader Platz schuf. Die vier Millionen Euro Ablösesumme für Phillip Tietz (FSV Mainz 05) werden in Ogundu reinvestiert. Der einsatzlose Ergänzungsspieler Arne Maier wechselte zum ungarischen Erstligisten Ujpest Budapest, um dort seine Karriere wieder in Schwung zu bringen. Verliehen wurden Maximilian Bauer (Arminia Bielefeld), Aiman Dardari (Greuther Fürth) und Elias Saad (Hannover 96).
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