Vor den bisherigen Testpartien hatte Sandro Wagner seinen FC Augsburg kaum über den Gegner informiert. Da ging es darum, Spielzeit zu sammeln, die Systemfrage stand hinten an. Dieses Mal allerdings wird die Vorbereitung ähnlich wie vor einem Bundesliga-Spiel sein. Im Doppeltest gegen Crystal Palace in Bad Wimsbach will der neue Coach weiter an den Abläufen arbeiten und Ideen umgesetzt sehen (Freitag, 16 und 18 Uhr). Trainer sprechen gerne von einem ersten Härtetest, der anhand der Aufstellung Hinweise für den Saisonstart liefern könnte. Entsprechend bereitet Wagner seine Mannschaft intensiv auf den Premier-League-Klub um Trainer Oliver Glasner vor.
Die Tage in Österreich sind anders als aus früheren Trainingslagern gewohnt. Nicht jeden angereisten Fan freut, dass viele Einheiten nicht-öffentlich sind. Der Unmut wächst. Wagner aber hat Gründe für die Geheimhaltung. Der Trainer arbeitet intensiv an der taktischen Ausrichtung und will seinen Akteuren viele Ideen vermitteln. Da schadet zu viel öffentliche Aufmerksamkeit. Also bleibt die Türe zum Trainingsplatz häufig geschlossen.
Han-Noah war bei FCA-Neuzugang Massengo als Vorname zu kompliziert
Wagner ist auf der Suche nach seinem Grundgerüst. Auf einigen Positionen dürfte seine Elf stehen. Im Tor wird er weiterhin auf Finn Dahmen vertrauen, in der Verteidigung steht die Achse um Kapitän Jeffrey Gouweleeuw und Chrislain Matsima. Offensiv wird Alexis-Claude-Maurice wirbeln dürfen, ihm zur Seite könnte Mert Kömür stehen. In der Sturmspitze dürfte er zunächst auf Phillip Tietz vertrauen, zumal Konkurrent Samuel Essende in den ersten drei Ligaspielen gesperrt ist.
Wo aber werden sich die Neuzugänge einfinden? Han-Noah Massengo zum Beispiel, der sich als wichtiger Faktor im defensiven Mittelfeld erweisen könnte. Zuletzt stand der 24-Jährige in England beim FC Burnley unter Vertrag, war aber in seine französische Heimat nach Auxerre ausgeliehen. Nach seiner Ankunft in Augsburg hatte er gleich einen neuen Spitznamen. Weil Han-Noah etwas sperrig für schnelle Kommandos auf dem Platz erschien, wurde daraus Hans. „Ich mag den Namen“, sagt Massengo und lächelt. Sein Wuschelkopf wackelt dabei leicht. Als modisches Vorbild hierfür diente der frühere brasilianische Kicker Ronaldinho. „Es sieht zwar nicht identisch aus, ich fühle mich aber sehr wohl damit“, sagt Massengo, der als Kind auch fußballerisch für Ronaldinho schwärmte.
Vorbilder hat er mittlerweile keine mehr. Weil er seinen eigenen Weg geht. Der hat ihn nach Augsburg geführt. In der kommenden Woche wird er seine Wohnung beziehen, seine Frau und sein neugeborener Sohn freuen sich auf die Rückkehr aus dem Trainingslager.
Die Arbeit mit Sandro Wagner gefällt dem Neuzugang. „Er ist sehr fokussiert auf Details, er gibt aber auch die Freiheit für eigene Entscheidungen in der vorgegebenen Struktur“, erklärt er. Ihn erinnere die Herangehensweise stark an Bayern-Coach Vincent Kompany, mit dem er es in Burnley zu tun hatte. „Es ist kein großer Unterschied von Kompany zu Wagner, auch in England haben wir viel an der Taktik gearbeitet. Die beiden ähneln sich“, meint er.
Massengo wurde gleich auf Pünktlichkeit hingewiesen
In Augsburg trifft er auf viele französisch-sprachige Kollegen, was ihm den Einstieg erleichtert „Anfangs ist es immer schwierig, sich in einem neuen Land zurechtzufinden. Da hilft das natürlich. Sie können mir viele Tipps geben, auch in Sachen Pünktlichkeit, was in Deutschland ja sehr wichtig ist“, sagt er.
Neuland ist für Elias Saad die Bundesliga nicht. Der Offensivspieler schaffte im vergangenen Jahr mit dem FC St. Pauli den Klassenerhalt, in Augsburg möchte er sich weiterentwickeln. Der 25-Jährige könnte ein Faktor in der gewünschten offensiven Variabilität werden. Potenzial sieht er selbst noch im Torabschluss. „Ich will torgefährlicher werden“, sagt er.
Er habe viel mit dem Trainer gesprochen. „Er hat gesagt, dass er mich auf mehreren Positionen sieht und dass ich flexibler bin als andere Spieler.“ Das könne dazu führen, dass er auch mal auf für ihn ungewohnten Positionen eingesetzt werde. Gerade in Testspielen wie am Freitag. Für ihn als Neuzugang sei das Trainingslager entscheidend, um jeden noch besser kennenzulernen, so Saad. Etwa beim Teamevent am Dienstag oder bei den Aufgaben für Neuzugänge. Singen war einmal, jetzt warten andere Herausforderungen. Saad etwa musste ein Gedicht schreiben und vortragen.
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