Für eine kurze Zeitspanne – etwa 22 Stunden – sah es so aus, als ob es im Meisterrennen der Bundesliga wieder spannend werden könnte. Am Samstagabend hatte sich Borussia Dortmund in letzter Minute zu einem 2:1-Sieg beim kriselnden VfL Wolfsburg gemüht und den Abstand zu den Bayern auf drei Zähler verkürzt. Drei Punkte gab es aber auch dafür, sodass die Bayern am Sonntagnachmittag gegen die furiosen Tabellendritten aus Hoffenheim durchaus unter Druck standen. Spannend blieb es in diesem Spiel nicht sonderlich lange. Der Spielverlauf beim 5:1-Sieg – TSG-Verteidiger Kevin Akpoguma erhielt für sein Ziehen gegen Luis Diaz eine harte rote Karte (18.), der FC Bayern dafür einen Elfmeter – war aber auch dafür geeignet, den Münchnern in die Karten zu spielen.
Denn Harry Kane tat noch ein weiteres Mal vom Elfmeterpunkt, was ein Harry Kane vom Elfmeterpunkt aus eben tut (20., 45.), während Luis Diaz sogar drei Treffer zum Erfolg beisteuerte (45.+2/62./89.). Der couragierte Auftritt von Hoffenheim, das nie aufsteckte und selbst in Unterzahl noch einige gute Chancen hatte, verdiente Respekt. Der zwischenzeitliche Ausgleich von Andrej Kramaric (35.) blieb allerdings eine Fußnote.
Dennoch wäre es interessant gewesen, wie das Spiel verlaufen wäre, wenn es mit Elf gegen Elf zu Ende gegangen wäre. Hoffenheim-Trainer Christian Ilzer, der die Schiedsrichterentscheidung bei der Akpoguma-Szene als kapitalen Fehler bezeichnete, sagte angesäuert: „75.000 Leute haben sich auf ein Topspiel gefreut. Der Schiedsrichter hat das mit seiner Entscheidung verhindert.“ Nun gehe es darum, die positiven Dinge mitzunehmen.
101 Tore schossen die Bayern in der Saison 1971/72
Bei den Bayern wird das Spiel naturgemäß anders wahrgenommen. Serge Gnabry sagte am DAZN-Mikro, dass das Team „noch ein bisschen besser spielen und mehr Tore machen“ hätte können, Experte Michael Ballack wertete das Spiel als Statement-Sieg an die Konkurrenz. Tatsächlich scheint angesichts der nicht zwingend souveränen Vorstellung der Dortmunder in Wolfsburg die These mit der möglichen Spannung auf tönernen Füßen zu stehen. Stattdessen sind die Bayern drauf und dran, einen Bundesliga-Rekord aus der Saison 1971/72 zu brechen: Damals war es der Verein selbst, der die Bestmarke mit den meisten geschossenen Toren in einer Saison aufstellte. 101 Treffer erzielten Beckenbauer, Müller und Co. in dieser Spielzeit.
Die Bayern waren oft schon nah dran, diese Marke zu knacken: 2019/20 waren es 100 Tore, in der Spielzeit 2020/21 kamen sie auf 99 Treffer. Aktuell steht der Zähler schon bei 79 Toren nach 21 Spielen, was einen Schnitt von 3,76 Toren pro Partie ergibt. Wird der gehalten, wären es am Saisonende sogar satte 128 Treffer, der Rekord wäre pulverisiert.
Trotz ÖPNV-Streik in München: Pokalspiel gegen Leipzig wird gespielt
Bayern-Trainer Vincent Kompany wollte der Bestmarke auf Nachfrage keine große Bedeutung zumessen: „Wir wollen als Bayern viele Tore schießen und den Fans etwas bieten, das bleibt. Das Gefühl, dass wir in jedem Spiel viele Tore schießen müssen, das wollen wir unbedingt behalten, das ist die absolute Priorität.“ Eben das sei wichtig in den wichtigen Wochen, die nun für den Verein anstehen. Auch Harry Kane betonte: „Wir kommen nun in die entscheidende Phase. Jetzt ist es wichtig, uns gut vorzubereiten.“
Die entscheidende Phase im DFB-Pokal steht schon am Mittwoch an, wenn RB Leipzig zum Viertelfinalspiel nach München kommt. Seit Montagnachmittag steht auch fest, dass gespielt werden kann in München. Wegen des angekündigten Streiks des öffentlichen Nahverkehrs stand eine Verschiebung des Abendspiels zur Debatte. Die Münchner Verkehrsgesellschaft richtet allerdings einen Sonderbetrieb für das Spiel ein.
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