Fußball ist ein sehr einfacher Sport. Zumindest im Erfolgsfall. Lennart Karl beispielsweise sei schlicht „ein richtig guter Fußballer und hat einen überragenden Abschluss“, sagt Christoph Freund, der Sportdirektor des FC Bayern München. Damit wäre in aller Einfachheit der erste Treffer von Karl bei seinem ersten Startelf-Einsatz in der Champions League beschrieben.
Ganz so simpel war es allerdings dann doch nicht. Zum einen musste Karl vor dem „überragenden Abschluss“ erst einen scharfen Ball Jonathan Tahs in der mittlerweile als Zwischenraum bekannten Rasenfläche zwischen den Verteidigungslinien verarbeiten und anschließend noch vier Häscher des FC Brügge abschütteln. Vororientierung, wundervoller erster Kontakt, schnelles Dribbling, Mut und ein gekonnter Schuss – Karl ließ es einfach aussehen. Das ist die größte Kunst im Sport.
Lennart Karl fügt sich gut ins Spiel des FC Bayern ein
Das Spiel gegen die Belgier war zu diesem Zeitpunkt noch keine fünf Minuten alt und doch schon so gut wie entschieden. Auch, weil sich Karl geschmeidig ins Münchner Spiel einfügte. Es gibt auch 17-Jährige, die verschüchtert auftreten würden, wenn sie vor 75.000 Zuschauern an der Seite von Harry Kane oder Michael Olise das Offensivspiel der eigenen Mannschaft antreiben sollen. Dass er nicht zu viel Respekt vor der Aufgabe hat und auch sonst recht furchtlos auf dem Feld auftritt, beschrieb Karl nach dem Spiel selbst so: „Ich weiß nicht, ob ich jetzt Angst haben soll vor den Gegenspielern? Ich brauche keine Angst haben vor den Gegenspielern. Deswegen zieh ich einfach mein Ding durch.“
Mit 17 Jahren und 242 Tagen ist er nun der jüngste Torschütze des FC Bayern in der Champions League. Zuvor hielt Jamal Musiala diese Marke, der rund vier Monate älter war. Karl wurde nach dem 4:0-Sieg gegen Brügge von der Uefa auch noch als „Man of the Match“ ausgezeichnet, was ihm eine kleine Trophäe in Form eines silbrigen Balles einbrachte.
Der gebürtige Frammersbacher (Unterfranken) freute sich und mit ihm freuten sich Kollegen und Vorgesetzte. Vor allem Vincent Kompany, der in der vergangenen Saison noch nicht als großer Förderer der Jugend aufgefallen war. Der aufgrund der jetzigen Kaderstruktur aber dazu animiert wurde, den jungen Spielern mehr Einsatzzeit zu geben. Gegen Brügge hätten „einige junge Spieler gezeigt, dass sie uns in dieser Saison weiterhelfen können“, so Kompany. Am meisten sicherlich Lennart Karl, dessen Spiel so wunderbar einfach ausschaut.
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