Auf den Tag genau vier Monate war es am Mittwoch her, dass der FC Bayern eine der bittersten Nächte seiner Vereinsgeschichte erlebte: die Niederlage im Champions League-Finale gegen Chelsea. Als Bastian Schweinsteiger im entscheidenden fünften Versuch nur den Pfosten traf, hatte die bessere Mannschaft verloren. Wer danach in die Gesichter der Bayern blickte, musste fürchten, der Verein werde sich für ein Jahr auf die Galapagos-Inseln zurückziehen, um dort das Drama aufzuarbeiten. Die Sorge war bekanntlich unberechtigt. Das Leben ging weiter. Der FC Bayern blieb in München und gewann Mittwochabend das Auftaktspiel seiner 16. Saison in der Königsklasse gegen den FC Valencia 2:1 (1:0). Damit steht der härteste Konkurrent um den Gruppensieg bereits hinter den Münchnern.
Jupp Heynckes hatte seine Mannschaft gegenüber dem 3:1-Sieg gegen Mainz weiträumig umgebaut. Dass der 40-Millionen-Mann Javier Martinez erstmals in der Startelf stehen würde, war noch zu erwarten gewesen, dass die zuletzt angeschlagenen Spieler Robben und Ribéry, von Beginn auflaufen würden, war zumindest eine kleine Überraschung. Dass aber Mario Mandzukic, der in fünf Pflichtspielen jedesmal getroffen hat, für Claudio Pizarro weichen musste, hatten auch ausgewiesene Heynckes-Kenner nicht erwartet. Leidtragende der Rotation waren neben Mandzukic die Herren Müller, Gustavo und Shaqiri.
Toni Kroos war überragender Akteur
"Den größten Fehler, den wir machen können ist, zuviel Respekt zu zeigen", hatte Valenicas Trainer Mauricio Pellegrino verkündet. Entsprechend baute sich seine kanarienvogel-bunte Truppe mutig hinter der Mittellinie auf, rückte die Viererkette weit nach vorne, um den Münchnern Raum zum Aufbauspiel zu nehmen. Die erste große Chance zur Führung hatten dennoch die Gastgeber. Kroos schoss aus zehn Metern unbedrängt über das Gästegehäuse nachdem Ribéry seinen Bewacher Pereira schwindelig gedribbelt hatte. Toni Kroos war übrigens der überragende Akteur. Der 22-Jährige lieferte eines seiner besten Spiele im Trikot des FC Bayern.
Die 68.000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena waren mit dem lebhaften Auftakt zufrieden. Das blieb so, zumal die Münchner vor allem durch den auffälligen Kroos und Ribéry den Druck erhöhten. Valencia aber, hinter Barcelona und Real Madrid, dritte Kraft im spanischen Fußball, stand stabil - bis zur 37. Minute, in der Schweinsteiger zur verdienten Münchner 1:0-Führung traf. Valencia hatte bis dahin offensiv nichts zustandegebracht. Schon gar nichts, was Javier Martinez gefordert hätte. Also vertrieb sich die Millionen-Pretiose die Zeit mit Ausflügen in Richung Valencia-Strafraum.
Schiedsrichter ärgerte die Münchner
Heynckes ließ zur Pause zurückrotieren. Für Ribéry kam Müller. Am Spiel änderte das zunächst nichts. Der FC Valencia verteidigte geschickt, die Bayern drängten auf den zweiten Treffer. Am nächsten schienen sie ihm, als Kroos im Gästestrafraum zu Fall kam, doch der türkische Schiedsrichter Aydinus hatte kein Foulspiel gesehen. Der Türke, der sein erstes Champions-League-Spiel leitete, zog sich später noch häufiger den Ärger der Münchner zu.
Statt die Partie sicher zu Ende zu bringen, begannen die Bayern plötzlich zu wanken. Valencia näherte sich bedrohlich dem Ausgleich, was Heynckes an die Seitenlinie trieb und Martinez das 90-Minuten-Debüt kostete. Der Spanier musste für Luiz Gustavo weichen. Entscheidend für den FC Bayern aber war nicht Martinez sondern Kroos. Nachdem der 22-Jährige aus 16 Metern Maß genommen hatte, schlug der Ball zum 2:0 im spanischen Gehäuse ein (76). Damit schien die Partie entschieden. Stattdessen boten beide Teams in der Nachspielzeit noch einen unterhaltsamen Schlussakt. Zunächst verkürzte Nelvon Valdez (früher Dortmund und Bremen) auf 1:2, anschließend verpasste der eingewechselte Mandzukic nach einem Foulspiel an Robben den alten Abstand wieder herzustellen. Der Kroate scheiterte mit seinem Strafstoß an Valencias Torhüter Alves.
Wer mochte, erinnerte sich dabei an das Finale der vergangenen Champions League Saison. Aber welcher Bayern-Anhänger mochte das schon?