Es war ein Spieltag, an dem im Tennisclub Schießgraben ein Höchstmaß an Flexibilität gefragt war. Sowohl bei den Regionalliga-Spielerinnen, die versuchten, beim 2:7 gegen den favorisierten TC Aschheim das Beste aus sich herauszuholen, als auch beim gastgebenden Organisationsteam um den sportlichen Leiter Michael Thor. Denn nach zweieinhalb Stunden Spielzeit am Sonntag wirbelte das aufkommende Sommergewitter den Zeitplan auf der Anlage an der Stadionstraße gewaltig durcheinander. Die Windböen zerrten gefährlich an den Sonnenschirmen, alles suchte Schutz vor dem prasselnden Regen und bei Thors Wagen auf dem Schießgraben-Parkplatz wurde die Scheibe durch einen abgebrochenen Ast in Mitleidenschaft gezogen. An Tennisspielen im Freien war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken.
Also wurden die Matches unterbrochen, alles musste in die Halle verlagert werden. Nach einer knapp einstündigen Unterbrechung lief dort dann alles ordnungsgemäß weiter. Die Spielerinnen mussten sich nun allerdings schnellstmöglich umstellen. Nicht jedem gefiel der Wechsel vom roten Sand auf den blauen Teppich. Allen voran der Aschheimer Nummer eins, Briana Szabo. Sie hatte im Freien gegen Schießgrabens Nummer eins, Denisa Pospisilova, den ersten Satz problemlos mit 6:2 gewonnen, doch in der Halle tat sie sich plötzlich schwer. Pospisilova kam immer besser in Schwung und zog den zweiten Satz mit 6:4 auf ihre Seite.
Seit fünf Jahren in Diensten des TC Schießgraben
Auch im Match-Tiebreak behielt die Augsburgerin die Oberhand, hielt die Entscheidung bis um 8:8 offen und machte dann mit zwei konzentriert heraus gespielten Punktgewinnen zum 10:8 den Sieg gegen die Rumänin perfekt. „Sie bevorzugt die Halle. Das war auch der Grund, warum sie heute so gut gespielt hat“, übersetzte Teamkameradin Adela Jarosova das Fazit ihrer Landsfrau Pospisilova. Beide stehen mittlerweile seit vielen Jahren in Diensten des TC Schießgraben und fühlen sich im Team rundum wohl.
TC Schießgraben belegt derzeit Rang drei in der Regionalliga Süd-Ost
Auch am zweiten Matchpunkt war Pospisilova tatkräftig beteiligt. An der Seite von Jarosova gewann sie das Doppel gegen Denise Valente (Italien) und Anastasia Polach (Tschechien) in einem weiteren Kraftakt mit 7:5 und 7:6. Das waren aber dann schon die zwei Ehrenpunkte, die die Augsburgerinnen bei der letztendlichen 2:7-Niederlage gegen Aschheim zustande brachten. Auch wenn das TCS-Doppel Zoe Kaegi und Lotte Helmensdorfer knapp dran war an einem weiteren Match-Punkt. Doch nach 2:6 und 7:6 musste sich das Paar gegen Hanna Resch und Nadine Graber knapp mit 7:10 im Match-Tiebreak geschlagen geben. Auch die restlichen fünf Einzel und das letzte Doppel sicherten sich die Gäste, die nun mit ihrer bisher makellosen Saisonbilanz von 10:0 Punkten die Tabellenspitze der Regionalliga Süd-Ost einnehmen. Der TC Schießgraben belegt derzeit Rang drei hinter dem TC im TSV Zella-Mehlis.
Die letzten zwei Spieltage sind für den TC Schießgraben die Kür
Doch trotz der ersten Niederlage der Saison am fünften Spieltag hatten Michael Thor und seine Schützlinge allen Grund zur Freude. Weil der TC Hengersberg nämlich zeitgleich GW Luitpoldpark München II mit 7:2 besiegte, ist der Klassenerhalt für den TC Schießgraben unter Dach und Fach. Schon zwei Spieltage vor Schluss hat das Augsburger Frauenteam als Aufsteiger damit sein Saisonziel mehr als erfüllt. „Die letzten zwei Spiele sind dann Kür“, sagte Michael Thor mit einem Lächeln im Gesicht. Damit meinte er die Heimauftritte am 14. Juni gegen Luitpoldpark München II und am 21. Juni gegen den TC Weiß-Blau Würzburg.
Dass der Klassenerhalt nicht mehr vom letzten Saisonspiel gegen die Fränkinnen abhängt, stimmte Thor richtig froh, denn vor den bärenstark aufgestellten Würzburgerinnen hatte er viel Respekt. „Wenn die den Geldbeutel aufmachen, können sie personell nochmal richtig zulegen. Aber da sind wir dann durch“, sagte Thor mit Blick auf den mit Top-Ausländerinnen bestückten Würzburg-Kader. An den eigenen Personalplanungen will er bis auf die verletzungsbedingten Ausfälle nichts mehr ändern und am abgestimmten Fahrplan festhalten. „Wir haben von vornherein gesagt, wir steigen auf mit der Truppe und spielen mit der Truppe“, vertraute er auf die Stärke seines eingespielten Teams. Das hat mit den vier Siegen zum Saisonauftakt gegen CaM Nürnberg (5:4), TSV Altenfurt (6:3), Zella-Mehlis (5:4) und Hengersberg (7:2) jetzt schon eine bemerkenswert gute Saison gespielt hat. Und sich damit ein weiteres Jahr auf der Regionalligabühne beweisen darf.
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