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Fünf Wochen nach Olympia-Bronze wird das deutsche Eiskunstlauf-Paar Minerva Hase/Nikita Volodin erstmals Weltmeister

Eiskunstlauf

Ganz nah an der Perfektion – deutsches Eiskunstlauf-Paar wird Weltmeister

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    Das deutsche Eiskunstlauf-Paar Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin jubeln nach ihrem Titelgewinn bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Prag.
    Das deutsche Eiskunstlauf-Paar Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin jubeln nach ihrem Titelgewinn bei den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften in Prag. Foto: Petr David Josek, AP/dpa

    Schon wieder war es der dreifache Salchow. Wie schon bei den Olympischen Spielen in Italien. Auch bei der Weltmeisterschaft in Prag lief das deutsche Eiskunstlauf-Paar Minerva Hase und Nikita Volodin eine Kür nahe an der Perfektion. Bis zum dreifachen Salchow, der einmal mehr für Schnappatmung sorgte. Im Publikum, bei den zwei Trainern und auch bei Minerva Haase, die den Sprung nach zweieinhalb Drehungen aufriss und auf zwei Beinen landete. Wieder ein Patzer bei dem Sprungelement, das im täglichen Training eigentlich sitzt. In Mailand vor fünf Wochen kostete der Fehler die Goldmedaille, es wurde Olympia-Bronze für die Favoriten aus Deutschland. In Prag aber reichte die ansonsten überragende Vorstellung des Paares für den ganz großen Titelgewinn, Hase/Volodin sind erstmals Weltmeister im Paarlauf.

    Denn bis auf den misslichen Salchow reihten die beiden in ihrer Kür Höchstschwierigkeit an Höchstschwierigkeit. Zu den berührenden Klängen „Memoryhouse“ von Max Richter lieferten sie eine fehlerfreie Sprungkombination aus Dreifach-Toeloop und zwei Doppelaxeln. Dazu Pirouetten im perfekten Gleichklang und eindrucksvolle Hebungen. Das alles in so großer Harmonie, dass die Jury reihenweise Topnoten verteilte. So gewannen Hase/Volodin mit 9,92 Punkten Vorsprung vor dem georgischen Duo Anastasiia Metelkina und Luka Berulava, das in Italien Silber geholt hatte. Bronze ging an die Kanadier Lia Pereira und Trennt Michaud. Die Olympiasieger aus Japan, Riku Miura/Ryuichi Kihara waren nicht am Start. Sie hatten nach einer kräftezehrenden Saison mit den Spielen in Italien auf die WM verzichtet.

    Mit dem Tango „El Abrazo“ ein Feuerwerk abgebrannt

    Nicht so Minerva Haase und Nikita Volodin. Ihnen waren die Strapazen der vergangenen Monate beim letzten Saison-Höhepunkt in der tschechischen Hauptstadt nicht anzumerken. Im Gegenteil. Schon in ihrem fehlerfreien Kurzprogramm sprühten sie vor Energie, brannten mit ihrem Tango „El Abrazo“ ein läuferisches Feuerwerk ab und gingen nach dem ersten von zwei Pflichtprogrammen einmal mehr in Führung. „Für uns war es das beste Kurzprogramm der gesamten Saison. Wir haben alles von der ersten bis zur letzten Sekunde genossen. Alle Elemente haben sich sehr gut angefühlt“, sagte Hase, die seit 2019 privat mit dem Basketball-Bundesligaspieler Jonas Mattisseck liiert ist.

    Als endlich dann auch nach der Kür die Eins auf der Anzeigentafel aufleuchtete, schrie die 26-jährige Berlinerin ihre Begeisterung heraus und fiel Volodin überglücklich in die Arme. „Wir wollten einfach nur Spaß haben. Wir haben versucht, nicht so viel darüber nachzudenken über diese Medaille“, sagte Minerva nach der Siegerehrung.

    WM-Triumph acht Jahre nach Savhchenko/Massot

    Genau vier Jahre nach dem WM-Triumph durch Aljona Savchenko und Bruno Massot hat damit ein weiteres deutsches Eiskunstlauf-Paar den Titel errungen. Doch es war für beide eine lange und strapaziöse Reise. Minerva-Fabienne Hase, die gern auch „Minni“ genannt wird, hatte mit ihrem ersten Partner Nolan Seegert zwar schon internationale Top-Ten-Plätze erlaufen, der ganz große Titel-Coup aber gelang nicht. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking etwa war Seegert positiv auf Covid-19 getestet worden und konnte den Trainingsrückstand so schnell nicht aufholen. Platz 16 war für beide eine große Enttäuschung. Ähnlich schwierig verlief die WM 2022. Das Paar, das in Russland bei Dmitri Sawin trainiert hatte, musste aufgrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine seinen Trainingsstandort aufgeben. Das Duo wechselte nach Bergamo in Italien und trainierte mit Sawin nur noch online. Doch selbst mit Bestleistung verpassten Hase/Seegert mit Platz fünf das WM-Podium. Die ehrgeizige Berlinerin spielte dann sogar mit dem Gedanken, aufzuhören.

    Mit einer gefühlvollen und fast fehlerfreien Kür zur Musik „Memoryhouse“ von Max Richter sicherten sich Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin ihren ersten WM-Titel.
    Mit einer gefühlvollen und fast fehlerfreien Kür zur Musik „Memoryhouse“ von Max Richter sicherten sich Minerva Fabienne Hase und Nikita Volodin ihren ersten WM-Titel. Foto: Petr David Josek/AP/dpa

    Frage nach der Zukunft von Hase/Volodin ist weiter offen

    Erst der Wechsel zu Nikita Volodin, dem 26-jährigen Deutsch-Russen, der in St. Petersburg geboren wurde, brachte den Durchbruch. Kaum hatten sie im September 2023 zusammengefunden, ging die Erfolgskurve steil nach oben. Neben dem EM-Titel im vergangenen Jahr am besten abzulesen an ihren WM-Platzierungen. 2024 liefen sie zu Bronze, 2025 zu Silber, und nun 2026 in Prag zu Gold. Dazu Olympia-Bronze. Das Paar hat damit die erfolgreichste Saison seiner gemeinsamen Karriere hinter sich. Klar, dass sich nun die Frage stellt: Wie geht es weiter? Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) hätte sie liebend gern weiter in ihrem Kader, sind sie doch derzeit die einzigen Medaillengaranten. Man wolle sich nach der WM zusammensetzen und entscheiden, hatte Hase auf die Frage nach der Zukunft vorsichtig reagiert. Mit WM-Gold um den Hals dürften die beiden aber vielleicht noch einmal intensiver über eine Fortsetzung ihrer Karriere nachdenken.

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