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Interview mit Lea Wagner: „Gespannt, wie Leverkusen in dieser Saison auftritt“

Interview

„Kroos sagte: Ach Lea, jetzt guck doch nicht so enttäuscht“

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    Lea Wagner moderiert seit 2023 die Samstagabend-Sportschau im Ersten.
    Lea Wagner moderiert seit 2023 die Samstagabend-Sportschau im Ersten. Foto: Joschka Link, dpa

    Frau Wagner, 2018 haben Sie ihre journalistische Ausbildung abgeschlossen, bereits fünf Jahre später haben Sie zum ersten Mal die Samstagabend-Sportschau moderiert. Müssen Sie sich eigentlich manchmal zwicken?
    LEA WAGNER: Das hatte ich tatsächlich gar nicht auf dem Schirm. Wenn Sie das so sagen, ging es schon wahnsinnig schnell. Aber in den vergangenen Jahren ist so viel passiert, dass mir der Zeitraum deutlich länger vorkommt. Als ich in der Sportredaktion des SWR angefangen habe, hätte ich mir das so absolut nicht zu träumen gewagt.

    Wie muss ich mir den Samstag vor einer solchen Sendung vorstellen? Schaut die Redaktion da zusammen die Spiele?
    WAGNER: Ja, klar, da freu ich mich jedes Mal total drauf. Wir sitzen dann zu zehnt zusammen in einem fensterlosen Raum mit einer großen Leinwand, auf der alle Spiele gleichzeitig gezeigt werden. Und dann wird richtig mitgefiebert. Klar gibt es auch mal Fans innerhalb der Redaktion von gegnerischen Vereinen, wodurch es auch die ein oder andere Frotzelei gibt.

    Jetzt ist die Bundesliga-Saison gestartet: Worauf freuen Sie sich am meisten?
    WAGNER: Der Saisonstart ist immer sehr spannend. Man denkt im Vorfeld schon, ein Gefühl zu haben, in welche Richtung es bei dem ein oder anderen Verein gehen könnte. Wie das dann wirklich ausgeht, ist interessant. Und vor allem ist es gut zu wissen, dass der Meisterschaftskampf wieder spannender geworden ist.

    War es Ihrer Meinung nach die Schwäche der Bayern oder die Stärke der Leverkusener, die die Meisterschaft im vergangenen Jahr entschieden hat?
    WAGNER: Ich glaube, es lag in erster Linie an der Stärke der Leverkusener. Die Meisterschaft war absolut verdient.

    Kann Bayer den Coup wiederholen und den Titel verteidigen?
    WAGNER: Absolut. Bisher haben sie kaum Qualität eingebüßt. Dass Xabi Alonso weiterhin Bayer-Trainer ist und auch die meisten Leistungsträger an Bord geblieben sind, war wichtig. Beim Supercup gegen Stuttgart hat man schon gesehen, dass Alonso es weiterhin schafft, die Mannschaft weiterzuentwickeln und noch einmal eine Schippe draufzulegen, noch variabler zu werden. Deshalb bin ich sehr gespannt, wie Leverkusen in dieser Saison auftritt.

    Wie schätzen Sie die Bayern unter dem neuen Coach Vincent Kompany ein? Schafft er es, Konstanz in die Mannschaft reinzubringen?
    WAGNER: Es ist noch vieles im Umbruch, von daher ist das schwer zu sagen. Bei Leon Goretzka sieht vieles nach Abschied aus, obwohl er in der vergangenen Saison ein absoluter Leistungsträger war. Auch bei Alphonso Davies und Joshua Kimmich hört man immer wieder Gerüchte über einen möglichen Wechsel.

    Gibt es in dieser Saison einen Youngster, der den Durchbruch schaffen könnte?
    WAGNER: Da fällt mir spontan Keke Topp von Werder Bremen ein, der gegen Cottbus einen Dreierpack geschnürt hat. Aber da muss man auch vorsichtig sein, es war eben im Pokal gegen einen Drittligisten.

    Sie moderieren nicht nur die Sportschau, sondern sind auch am Spielfeldrand im Einsatz. Teilen Sie die häufig geäußerte Kritik, dass von Profifußballer oft nur noch vorgestanzte Antworten kommen?
    WAGNER: Es gibt auch genügend unterhaltsame Gesprächspartner, Niclas Füllkrug finde ich zum Beispiel überragend und natürlich Thomas Müller. Ich glaube aber, es ist absolut verständlich, dass die Spieler vorsichtiger geworden sind. Heutzutage ist es nicht mehr so, dass Dinge kurz eine Schlagzeile machen und am nächsten Tag vergessen sind. Durch das Internet finden sich die Sachen immer wieder. Aber ich glaube schon, dass es gerade nach Spielen immer noch sehr sehenswerte Interviews gibt. Weil da die Emotionen hochkochen können und dadurch die ein oder andere unbedachte Äußerung fällt. Das sollte man aber im Nachgang medial nicht zu hoch hängen.

    Welches Interview ist Ihnen denn besonders in Erinnerung geblieben?
    WAGNER: Ich war sehr beeindruckt von einem Interview mit Toni Kroos nach dem verlorenen EM-Viertelfinale, dem letzten Spiel seiner Karriere. Man hat natürlich deutlich gemerkt, wie traurig und enttäuscht er war und trotzdem hat er vor dem Gespräch noch aufmunternd zu mir gesagt: „Ach, Lea, jetzt guck doch nicht so enttäuscht!“

    Sie kennen die Fußballbranche von Kindesbeinen an, ihr Vater David Wagner war selbst Profifußballer, mittlerweile arbeitet er als Trainer. War das für Ihre Karriere von Vorteil?
    WAGNER: Vor allem am Anfang war das mit Sicherheit so. Er kannte einfach viele Leute und konnte mir Kontakte vermitteln. Dass ich mein erstes Praktikum bei BVB-TV mit 17 Jahren machen durfte, kam zum Beispiel auch daher, dass mein Vater zu der Zeit dort Trainer im Jugendbereich war. Also war die Tür sicherlich ein Stück weit offener, aber man muss selbst hindurchgehen und sich durchsetzen. Wenn du dein Praktikum nicht gut machst, bekommst du kein weiteres.

    Hilft Ihr Vater Ihnen heute noch bei der Arbeit?
    WAGNER: Wenn es darum geht, mich für Interviews nach einer Partie vorzubereiten. Dann frage ich ihn manchmal beispielsweise als Rückversicherung, ob er einen Spieler auch nicht so überzeugend fand oder ebenfalls das Gefühl hatte, dass das Pressing bei einem Team irgendwann nachgelassen hat. Da kann es vorkommen, dass wir während eines Spiels im Kontakt stehen.

    Sie haben im Frühjahr einen Ausbruch aus der Fußballbranche gewagt und eine Quizshow moderiert. Könnten Sie sich vorstellen, so etwas öfter zu machen?
    WAGNER: „Frag mich was Leichteres“ hat mir richtig viel Spaß gemacht. Ich mag diese spontane Interaktion mit den Kandidaten. Auch das Expertenteam war einfach toll. Ein weiteres großes Ziel habe ich derzeit nicht, ich bin sehr erfüllt von dem, was ich mache und glücklich, meinen Traum leben zu dürfen.

    Lea Wagner

    Lea Wagner moderiert seit 2018 die Samstagabend-Sportschau im Ersten und ist bei diversen Sportevents als Interviewerin aktiv, so zum Beispiel auch bei Olympia oder Skispringen. Die 30-Jährige absolvierte ihre journalistische Ausbild bei rt1.mediagroup in Augsburg.

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