Startseite
Icon Pfeil nach unten
Sport
Icon Pfeil nach unten

Fußball: Pfiffe gegen Schlotterbeck und Reitz: verständlich, aber falsch

Fußball

Pfiffe gegen Schlotterbeck und Reitz: verständlich, aber falsch

Tilmann Mehl
  • |
  • |
  • |
  • |
    Nico Schlotterbeck wurde im Spiel gegen Leverkusen von den eigenen Fans ausgepfiffen.
    Nico Schlotterbeck wurde im Spiel gegen Leverkusen von den eigenen Fans ausgepfiffen. Foto: Witters

    Aus objektiver Sicht haben Rocco Reitz, Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig alles richtig gemacht. Die Sachsen bekommen einen hoch veranlagten Fußballspieler, Gladbach kassiert für ihn rund 20 Millionen Euro und Reitz selbst ist im internationalen Geschäft der nächste Entwicklungsschritt eher zuzutrauen als in Gladbach. Fans dürfen nicht objektiv sein.

    Das würde ihnen verbieten, ihre Mannschaft auch in Anbetracht absoluter Talent- und Hoffnungslosigkeit anzufeuern. Fans wird allerlei Emotionalität zugestanden. Meist wird sie zugunsten des eigenen Klubs eingebracht. Die Anhänger von Borussia Mönchengladbach haben einen anderen Weg gewählt. Sie pfiffen Reitz beim Spiel in Leipzig aus.

    Reitz spielt seit der F-Jugend für Borussia Mönchengladbach. Er ist der Kapitän des Bundesligisten und aufgrund seiner langen Vereinszugehörigkeit eine Identifikationsfigur. Fans haben sich mit Transfers abgefunden. Es trifft sie allerdings immer noch hart, wenn einer der Ihren nach Leipzig wechselt, dessen Bundesligist viel mehr Konstrukt als Verein ist. Die Verantwortlichen der Gladbacher erkannten nichts Ehrabschneidendes an dem Protest ihrer Fans. Vor wenigen Wochen sagte Sportchef Rouven Schröder aber auch: „Die Ablösesumme, die wir für Rocco erhalten werden, ist die höchste, die Borussia je für einen selbst ausgebildeten Spieler generieren konnte. Der frühe Zeitpunkt der Einigung hilft uns sehr bei unseren Planungen.“ Profifußball ist ein Geschäft. Vor allem mit Emotionen.

    Das weiß auch Nico Schlotterbeck, der trotzdem erstaunt ob der unfreundlichen Begrüßung der eigenen Anhänger gewesen sein dürfte. Die pfiffen, als die Dortmunder verkündeten, dass der Spielführer seinen 2027 auslaufenden Vertrag bis 2031 verlängert hatte. Vorausgegangen waren der Einigung monatelange Verhandlungen. Noch dazu ließ der Innenverteidiger eine Ausstiegsklausel in seinem Arbeitspapier verankern. Für Anhänger, deren höchstes Gut Treue ist, stellt dieser Passus ein Misstrauensvotum gegen den eigenen Klub dar.

    Fans dürfen pfeifen. Die Spieler verdienen ihr Geld ausschließlich aufgrund der Menschen, die ihren Sport verfolgen. Spieler und Anhänger sind voneinander abhängig: finanziell auf der einen, emotional auf der anderen Seite. Nur, weil man aber etwas darf und es dazu auch noch verständlich ist, bedeutet es aber nicht, dass es richtig, schlau und angemessen ist.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren