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Fußball: Sie beerben wohl Celtic und die Rangers: Ist das Europas größte Fuball-Sensation?

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Sie beerben wohl Celtic und die Rangers: Ist das Europas größte Fuball-Sensation?

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    Alexandros Kyziridis, Cammy Devlin und Claudio Braga(v. li.) freuen sich über den Sieg gegen Celtic Glasgow.
    Alexandros Kyziridis, Cammy Devlin und Claudio Braga(v. li.) freuen sich über den Sieg gegen Celtic Glasgow. Foto: IMAGO/Pro Sports Images

    Sie kultivieren die Unterschiede zu den ach so elitären Bewohnern Edinburghs ganz bewusst in Glasgow. Sollen die mal in ihrer historisch geprägten, von Akademikern bevölkerten, Hauptstadt machen, was sie wollen. In Glasgow schlägt das Herz Schottlands. Arbeiterstadt, hier war die Schwerindustrie zu Hause. Alles ein bisschen roher als in Edinburgh. Man ist stolz, dass hier Teile von Spiderman 4 gedreht werden, der ja eigentlich in New York spielt. So ein klitzekleinwenig ähnelt die Stadt der US-Metropole. Nicht so schillernd, dafür mancherorts ähnlich schmutzig.

    Besonders stolz sind sie auf ihre Fußballclubs. Egal ob Celtic oder Rangers – für einen der beiden Vereine schlägt ein jedes Glasgower Herz. Seit 40 Jahren machen die beiden Mannschaften die schottische Meisterschaft unter sich aus. Das aber könnte sich nun ändern. In den Hearts of Midlothian schickt sich ausgerechnet ein Klub aus Edinburgh an, die Herrschaft der Glasgower zu brechen. Und das auch noch mit geringeren Mitteln und mit wissenschaftlicher Unterstützung. Widerlich. Findet auch Brendan Rodgers. Der trainierte bis zum Montag Celtic Glasgow, trat dann zurück. Sein Team hatte am Wochenende mit 1:3 bei den Hearts verloren und dadurch nach neun Spieltagen bereits einen Abstand von acht Punkten auf den Tabellenführer angehäuft. Bei Celtic-Investor Dermot Desmond kam der Rücktritt des Trainers gar nicht gut an. Rodgers habe eine toxische und spaltende Atmosphäre im Klub etabliert, ätzte er auf der Vereins-Homepage.

    Hearts of Midlothian können die Vorherrschaft Glasgows brechen

    Es rumort im schottischen Fußball, und der große Gewinner ist eine Mannschaft aus Edinburgh, die in der vergangenen Saison als Tabellensiebter noch 41 Punkte Rückstand auf Meister Celtic hatte. Dann kam Tony Bloom. Ein britischer Pokerspieler, der auch schon in Brighton & Hove Albion in England und den belgischen Klub Royal Union Saint Gilloise investierte. Was nach halbseidener Zockerei klingt, folgt einem klaren Plan. Bloom ist Gründer des Datenunternehmens Starlizard, das sich auf Fußballwetten spezialisiert hat. Ein Ableger der Firma ist Jamestown Analytics. Dieses Unternehmen versorgt Fußballklubs mit Daten und unterstützt beim Scouting. In Deutschland kooperiert seit diesem Jahr der 1. FC Nürnberg mit Jamestown Analytics.  

    Bloom beteiligte sich mit rund 11,5 Millionen Euro an den Hearts of Midlothian. Der Mittelklasseklub ging auf Einkaufstour. Beim norwegischen Klub Aalesund fanden die Schotten den portugiesischen Angreifer Claudio Braga und lösten ihn für eine halbe Million Euro aus. Er traf bereits fünf Mal in der Liga und bereitete gegen Celtic zwei Treffer vor. Alexandros Kyziridis kam ablösefrei vom MFK Zemplin aus der Slowakei, er hat schon vier Scorerpunkte gesammelt. Oisin McEntee spielte in den vergangenen drei Jahren für den FC Walsall in der vierten englischen Liga, ehe die Scouts der Hearts in ihm den kommenden Rechtsverteidiger ihres Teams sahen. McEntee kam ablösefrei und stand bislang in jedem Ligaspiel in der Anfangself. Der deutsche Torhüter Alexander Schwolow kam ablösefrei von Union Berlin, nachdem man in der Hauptstadt keine Verwendung mehr für ihn gehabt hatte. In seinen ersten vier Ligaspielen in Schottland kassierte er kein Gegentor.

    Der Marktwert der Spieler der Hearts liegt bei rund 19 Millionen Euro, Celtics Kader-Wert wird auf etwa 132 Millionen Euro geschätzt. Der Klub aus Edinburgh dürfte keine Chance haben – und nutzt sie doch. In den USA hatte einst das Baseballteam der Oakland Athletics bei der Zusammenstellung des Teams verstärkt auf Statistiken geachtet und gleichzeitig Inhalt und Aussagekraft der Statistiken kritisch hinterfragt. Der Film „Moneyball“ fasst das Aufkommen der Wissenschaft unterhaltsam zusammen.

    Dank Investor Tony Bloom setzen nun auch die Hearts verstärkt auf datenbasierte Verpflichtungen. Der 55-Jährige hat bislang rund vier Millionen Euro Preisgeld bei Pokerturnieren gewonnen – und ist doch alles andere als ein Glücksritter. Er wuchs in Brighton auf, wurde Vorsitzender des Klubs und führte ihn von der dritten Liga in die Premier League. Weil er zudem auch noch die Entwicklung und den Bau einer Synagoge und eines Gemeindezentrums in Hove maßgeblich unterstützte, wurde er vor einem Jahr in den Ritterorden aufgenommen und führt dementsprechend den Titel Member of the Order of the British Empire.

    Der letzte Meister Schottlands, der nicht aus Glasgow kam, war 1985 der FC Abderdeen. Trainiert von Alex Ferguson, etliche Jahre, bevor er zum Sir ernannt wurde. 40 Jahre später tut sich abermals Ungeheuerliches in Schottland.

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