Es war weder ein klares Bekenntnis dafür noch dagegen. Im Grunde genommen stellte Donata Hopfen lediglich klar, dass sie offen für Ideen ist, wie man den Meisterschaftskampf in der Bundesliga wieder spannender gestalten kann. „Es gibt für mich keine heiligen Kühe. Wenn uns Play-offs helfen, dann reden wir über Play-offs“, sagte die neue DFL-Geschäftsführerin im Interview mit der Bild am Sonntag. Was sich daraus allerdings entwickelte, ist eine Lawine. Immer heftiger wird über die Reform des Spielmodus gestritten. Schon jetzt wird deutlich, dass die Fronten in der Liga verhärtet sind.
Selbst der FC Bayern, der ja gewissermaßen die Ursache für die ganze Debatte ist, hat keine einheitliche Haltung. Neunmal in Folge gewannen die Münchner zuletzt den Titel. Und obwohl der Serienmeister am vergangenen Wochenende in Bochum strauchelte, wäre alles andere als Titel Nummer zehn eine Überraschung. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund immer noch.
Play-offs als Maßnahme gegen die Bayern-Dominanz
Die Einführung von Meister-Play-offs wäre also im Grunde genommen eine Maßnahme gegen die Dominanz des FC Bayern. Trotzdem zeigte sich Münchens Vorstandsvorsitzender Oliver Kahn nicht abgeneigt. „Ich finde es spannend, über neue Modelle wie Play-offs für die Bundesliga nachzudenken“, sagte er im Kicker. Eine Meinung, die nicht alle in München teilen. Ehrenpräsident Uli Hoeneß wetterte im Sender Servus TV: „Ich finde das lächerlich. In der Bundesliga soll nach 34 Spieltagen der Meister werden, der durch dick und dünn gegangen ist mit seinem Team.“ Der 70-Jährige gab offen zu, dass er die Meinung von Kahn nicht teile: „Das ist doch nur ein Gesetz gegen Bayern München.“
Auch innerhalb der Liga gehen die Meinungen auseinander: So fordert Hans-Joachim Watzke, BVB-Geschäftsführer und neuer DFL-Aufsichtsratschef, dass es mit Blick auf mögliche Spielmodi „keine grundsätzlichen Denkverbote“ geben dürfe. Traditionalisten wie Christian Streich lehnen eine Reform dagegen ab. „Ich finde es so, wie es jetzt ist, am gerechtesten und mit der größten Aussagekraft – aber nicht immer am spannendsten, das ist klar“, sagte Freiburgs Coach im Kicker. FCA-Manager Stefan Reuter will ebenfalls am bestehenden System festhalten: „Es ist einfach die gerechteste Bewertung der Leistung über eine ganze Saison. Du kannst immer mal bei den Play-offs das Pech haben, dass der ein oder andere wichtige Spieler verletzt ist.“
In Österreich wird bereits im Play-off-Modus gespielt
Die Debatte ist also in vollem Gange. Doch wie könnten Meister-Play-offs konkret aussehen? Die größten Chancen hätte wohl ein Modell, in dem nach 34 Spieltagen die vier Bestplatzierten in Halbfinals und Finale den deutschen Meister ausspielen. Die Champions-League-Startplätze blieben von der Reform somit unberührt.
Revolutionär ist die Bundesliga mit ihren Play-off-Gedankenspielen jedenfalls nicht. Zwar gibt es in keiner der Top-Fünf-Ligen Europas (England, Spanien, Italien, Deutschland, Frankreich) einen solchen Spielmodus, in kleineren Ländern jedoch sehr wohl. Die Bundesliga in Österreich etwa endet nach 22 Spieltagen, anschließend wird die Liga in zwei Hälften geteilt und die Punkte halbiert. Die oberen sechs Teams spielen um die Meisterschaft, die unteren sechs um den Ligaverbleib. Auch in Belgien wird mit Play-off-Modus gespielt, allerdings geht es dabei nur um den Meistertitel: Nach 34 Spieltagen treten die vier bestplatzierten Teams in einem Mini-Turnier in Hin- und Rückspiel gegeneinander an, die zuvor gesammelten Punkte werden ebenfalls halbiert. Die Mannschaft, die am Ende die meisten Zähler aus regulärer Spielzeit und Play-offs aufweist, wird zum Meister gekürt.
Eine Reform wäre in Deutschland erst ab 2025 möglich
Weitere Beispiele mit alternativen Spielplänen finden sich in den USA und Schottland, in den Niederlanden wird dagegen nur der Teilnehmer an der Europa League im Play-off-Modus ausgespielt.
Dass sich Deutschland schon bald zu diesen Ländern hinzugesellt, ist dagegen unwahrscheinlich. Die Vermarktungsrechte sind aktuell bis 2025 festgeschrieben, erst für die Zeit danach wäre eine Reform möglich. Noch dazu, wie die DFL auf eine Anfrage des Kicker bereits einräumte, sind die Differenzen innerhalb der Liga derzeit viel zu groß, als dass ein gemeinsamer Beschluss möglich wäre: „Einer so tiefgreifenden Entscheidung muss ein intensiver und strukturierter Dialog mit den Klubs und den zuständigen Liga-Gremien unter Abwägung aller Argumente vorausgehen.“ Die DFL will in den kommenden Monaten mit den Klubs ins Gespräch kommen. Ausgang ungewiss.