Nicht jedes Gespräch mit einem Fußballprofi ist für den Journalisten die reine Freude. Erst recht nicht, wenn die Themen das Spielfeld verlassen und ins richtige Leben wechseln. Dann stockt der Redefluss. Wer an der falschen Stelle nachhakt, erlebt den Star dann oft genug als pampige Diva.
Hizlsperger begegnet jedem offen
Das ist Thomas Hitzlsperger
Geboren: 5. April 1982 in München
Karriere: Der aus der Jugend des FC Bayern stammende „Hitz the Hammer“, wie er wegen seines harten Schusses genannt wurde, begann die Profikarriere 2000 beim englischen Erstligisten Aston Villa und beendete sie im vergangenen Jahr auch auf der Insel – beim FC Everton. Dazwischen spielte er für den VfB Stuttgart (2005 bis 2010), Lazio Rom (2010), West Ham United (2010/2011) und den VfL Wolfsburg (2011/2012)
Länderspiele: 52 Spiele, 6 Tore
Soziales Engagement: Hitzlsperger ist bekannt für sein soziales Engagement. So trat er 2007 beim Projekt „kicken & lesen“ der Baden-Württemberg-Stiftung auf, das die Lesekompetenz von Kindern in bildungsfernen Familien stärken will.
Privates: Nach dem Meistertitel mit dem VfB trennte er sich im Sommer 2007 kurz vor der geplanten Hochzeit von seiner langjährigen Freundin.
Auszeichnung: Für sein Engagement gegen Antisemitismus und Rassismus erhielt das jüngste von sieben Kindern einer Familie aus dem bayerischen Forstinning 2011 den „Julius-Hirsch-Ehrenpreis“.
Mit Thomas Hitzlsperger war das anders. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler, der sich diese Woche in der Zeit zu seiner Homosexualität bekannt hat, begegnete jedem offen und verbindlich. Ein freundlicher, sympathischer Kerl, der auch dann entspannt blieb, wenn Fragen über das Rasenviereck hinausgingen. Davon werden ihm in nächster Zeit noch viele begegnen. Das Coming-out des 31-Jährigen hat die Diskussion um den öffentlichen Umgang mit Homosexualität mächtig befeuert.
Dass dies ausgerechnet einem ehemaligen Bauernbuben aus dem Forstinninger Ortsteil Wagmühle beschert sein würde, darf zu den vielen Besonderheiten in Hitzlspergers Leben gerechnet werden. Das jüngste von sieben Kindern ist schon früh eigene Wege gegangen – meist waren es die schwierigen. Als Jugendspieler des FC Bayern flog er unter einem Vorwand nach England, um dort vorzuspielen. Uli Hoeneß tobte, der Vater erhob ebenfalls Einspruch – doch der 18-Jährige war nicht aufzuhalten. Es war der Beginn einer großen Fußballerkarriere mit den Stationen Aston Villa, VfB Stuttgart, Lazio Rom, West Ham United, VfL Wolfsburg und FC Everton. Die Engländer haben ein besonders großes Herz für aufrechte und geradlinige Typen.
Erst Meister, dann Trennung von der Freundin
Kein Wunder also, dass es ihnen „Hitz the Hammer“, der Mann mit den kräftigen Oberschenkeln und dem harten Schuss, angetan hatte. 2007 wurde er mit dem VfB deutscher Meister, kurz danach trennte er sich von seiner langjährigen Freundin. Dabei stand die Hochzeit kurz bevor. Zu dieser Zeit hatte er sich bereits zu jener Persönlichkeit entwickelt, die sich in Geist und Sprache von den meisten seiner Kollegen abhob. Der 52-fache Nationalspieler engagierte sich politisch und sozial. Gegen Rechtsradikalismus, für aidskranke Kinder in Südafrika oder bildungsschwache Familien. Dass er sich auf andere Weise selbst als randständig fühlen musste, ist nun bekannt.
Nach vielen Verletzungen beendete Hitzlsperger im Herbst vergangenen Jahres seine Fußballkarriere – aus eigenem Entschluss, wie das für einen passt, der gerne eigene Wege geht. Auch in seinem neuen Leben scheinen das wieder die schwierigen zu sein. Anton Schwankhart