"Es war eine schwere Entscheidung, die Oenning akzeptiert hat", sagte "Club"-Präsident Franz Schäfer am Montag nach einer fünfstündigen Krisensitzung des Präsidiums. Nach langen Diskussionen und Analysen hatten sich Schäfer sowie die Vize-Präsidenten Ralf Woy und Martin Bader einstimmig gegen den 44-jährigen Coach entschieden. Als Favorit für den Trainerposten beim abstiegsgefährdeten Altmeister wird Dieter Hecking, der bis zum August Trainer von Hannover 96 war, gehandelt.
"Hecking kann ein Kandidat sein, aber es ist ein großer Kreis, mit dem wir kurzfristig verhandeln müssen", sagte Schäfer im Bayerischen Fernsehen, "die Suche nach einem Nachfolger von Oenning läuft auf vollen Touren." Oenning hatte im August 2008 den damaligen Chefcoach Thomas von Heesen beerbt und die Nürnberger zurück in die Bundesliga geführt. "Wir müssen so schnell wie möglich einen Nachfolger verpflichten, am besten noch vor Weihnachten", sagte Schäfer. Laut Sportdirektor Bader muss der neue Trainer bereit und geeignet sein, den unter Oenning eingeleiteten Kurs mit jungen Spielern fortzusetzen.
Den Ausschlag für den nicht unerwarteten Trainer-Rauswurf hatten laut Schäfer "die Ergebnisse der letzten Wochen" gegeben. Nach vier Niederlagen ohne eigenen Treffer muss der Altmeister als Bundesliga-17. auf einem Abstiegsplatz überwintern, vier Punkte hinter dem Relegationsplatz. Die 0:3-Pleite am Sonntag beim 1. FC Köln hatte für FCN-Boss Schäfer das Fass zum Überlaufen gebracht. Die Lage sei "katastrophal", hatte der 72-Jährige gesagt und Oenning eine Jobgarantie verweigert: "Es war meine Absicht, keinen zu entlassen. Aber Zeit und Ergebnisse überholen manchmal Aussagen. Zwölf Punkte sind auch für einen Neuling zu wenig." Der höchste Kölner Bundesliga- Erfolg seit April 2006 (3:0 gegen Wolfsburg) war für Nürnberg der sportliche Offenbarungseid - und nach 479 Tagen der Anfang vom Ende für Oenning.
Die Trennung vom jungen Trainer nimmt die Mannschaft erst recht in die Pflicht. "Die Spieler sind jetzt gefordert, jeder muss sich am Riemen reißen", appellierte Schäfer an die Profis. Es gehe um das Wohl des Vereins, mahnte Sportdirektor Bader, der sich kritischen Fragen hinsichtlich des Kaders stellen will. "Ich stehle mich nicht aus der Verantwortung", sagte der Manager. Die seit langem schwelenden Gerüchte über seinen Wechsel zum Hamburger SV nannte Bader "inhaltslos". Bader selbst stand laut Präsident Schäfer "nie zur Disposition. Er ist seit sechs Jahren hier und ein guter Mann".
Oennings Beurlaubung soll der Anfang von weiteren personellen Zäsuren sein. "Wir brauchen auf zwei, drei Positionen absolute Verstärkungen und keine Bankdrücker", hatte Schäfer schon vor der Trainerentscheidung eine Aufbesserung des aktuellen Kaders angekündigt. Konsequenzen wird es aber wohl für einige Profis geben. "Von den Spielern musst du zehn bis zwölf abgeben, denn sie beweisen immer wieder, dass sie nicht bundesliga-tauglich sind", stellte Schäfer fest.