Beim heutigen Hinspiel im Achtelfinale der Champions League heißt es für Chelsea-Trainer André Villas-Boas Tod oder Gladiolen. Verliert seine Mannschaft das Hinspiel in Neapel, könnten die Tage des Portugiesen an der Stamford Bridge bereits gezählt sein. Der 34-jährige „Traineryoungster“, der im Juni 2011 als Nachfolger von Carlo Ancelotti aus Porto gekommen war, sieht sich im achten Monat seiner Amtszeit mit mehreren Problemen konfrontiert.
Die sportlichen Leistungen Chelseas in dieser Saison befriedigen im Verein weder die Vereinsführung noch die Fans. In der Premier League liegen die „Blues“ mit 17 Punkten Rückstand auf Tabellenführer Manchester City ohne Titelchancen auf einem enttäuschenden fünften Rang. Von den vergangenen zehn Spielen wurden gerade mal zwei gewonnen. Im FA-Cup muss Chelsea nach dem 1:1 gegen den Zweitligisten Birmingham City ins Wiederholungsspiel und im Ligacup war im November schon im Viertelfinale gegen Liverpool Endstation.
Terry und Lampard stehen mit Mourinho in Kontakt
Außerdem sollen die älteren Führungsspieler um Kapitän John Terry, Frank Lampard oder Didier Drogba Villas-Boas jegliche Kompetenz absprechen und sich stattdessen rege mit Ex-Coach Mourinho austauschen. Auch beim Unentschieden gegen Birmingham im FA-Cup waren von den Fans an der Stamford Bridge „Mourinho-Sprechchöre“ angestimmt worden. „Sie müssen meine Arbeit nicht unterstützen. Es ist der Eigentümer, der dies tut“, kommentierte Villas-Boas den schwelenden Konflikt. Es sei „normal“, dass nicht alle Spieler hinter ihm stehen.
Doch spätestens seitdem sich Chelseas Besitzer Roman Abramowitsch regelmäßig auf dem Klubgelände in Cobham außerhalb Londons blicken lässt, brodelt in England die Gerüchteküche. Die Anwesenheit des schwerreichen Russen wird als Zeichen für die mögliche Absetzung des Trainers gesehen. Villas-Boas kann, so glauben die Beobachter, bei einer Niederlage beim SSC Neapel oder spätestens einem Ausscheiden in der Champions League, seine Entlassung nicht mehr verhindern.
Neapel hingegen versucht bewusst, die Favoritenrolle in Richtung der kriselnden Londoner zu schieben: „Wir spielen gegen ein Chelsea-Team, dass schon über 100 Spiele in der Champions League bestritten hat. Daher möchte ich nicht hören, dass wir die Favoriten sind“, sagt Napoli-Trainer Walter Mazzari. Tatsächlich glaubt Mazzarri, dass Heimstärke nichts gegenüber der individuellen Klasse des Gegners zählt. „Was Chelsea in der Premier League zeigt, ist belanglos,” erklärt er. „Hier spielen wir nur zwei Spiele, nicht eine ganze Liga. Sie haben viele gute Spieler, die das Spiel mit einer guten Aktion entscheiden können.“