Wenn man einen Menschen aufrichtig ins Herz geschlossen hat, dann geht man gefälligst gemeinsam durch dick und dünn. In guten wie in schlechten Zeiten. Alles aus Liebe tun, alles für die Liebe tun. In der Realität verhält es sich mitunter deutlich unausgeglichener und wesentlich komplizierter. Nicht selten liebt oder gibt einer von beiden mehr als der andere. Im schlimmsten Fall fühlt sich der eine vom anderen ausgenutzt.
Der schwedische Zweitligist Östersund FK hätte natürlich zur Bank gehen, nett fragen und sich um einen Kredit kümmern können. 25.000 Euro hätten die Verantwortlichen bestimmt bekommen. Doch wer zahlt schon gerne Zinsen? Außerdem: Warum sich Geld borgen, wenn die bessere Hälfte die Kohle auf dem Konto liegen hat. In einer Partnerschaft hilft man sich. Gute Zeiten – schlechte Zeiten.
Wer behauptet, im Fußballgeschäft bleibt für Romantik kein Platz?
Für ihre große Liebe machen Fans ja so ziemlich alles. Und so kamen Östersunds Macher auf die pfiffige Idee, sich die Rückholaktion des Fanlieblings Curtis Edwards von der Anhängerschaft bezahlen zu lassen. Was sich mit dem Begriff „Crowdfunding“ tarnt, ist nichts anderes, als den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. Von der Schwärmerei zum Schwarm hat in Östersund funktioniert. Edwards wechselte aus der fünften englischen zurück in die zweite schwedische Liga. Das muss wahre Liebe sein! Behauptet etwa jemand, im Fußballgeschäft bleibe für Romantik kein Platz?
Zugleich verfügen Klubs endlich über weiteres Potenzial: mit dem Fan als wandelnden Geldbeutel, der nicht nur Trikot, Ticket und Stadionwurst bezahlt, sondern jetzt auch den Kader. Der Manager lehnt sich zurück, schaut ins Budget, lächelt und sagt: Der Markt ist schwierig – aber die Kurve ist liquide. Chronisch klamme Klubs wie 1860 München, Hertha BSC oder der FC Barcelona haben endlich wieder die Kohle, um Wunschspieler zu verpflichten. Lieber Fan, du bekommst Messi zurück – falls du bezahlst.
Käufliche Liebe ist schließlich nicht verboten
Zugleich müssten sich Klubs bedeutend hingebungsvoller zeigen. Müssten mehr auf die Bedürfnisse in ihrer Beziehung eingehen – natürlich ohne das Geschäft zu vernachlässigen. Käufliche Liebe ist schließlich nicht verboten. Wer 30.000 Euro bezahlt, darf über Dreier- oder Viererkette entscheiden; für 50.000 Euro setzt der Trainer auf ein bestimmtes Sturmduo; 80.000 Euro kostet der gewünschte Strafstoßschütze. Außerdem im Angebot: das „Trainer-Abo“. Für 100 Euro pro Monat darf man am Monatsende abstimmen, ob der Trainer entlassen wird. Was tut Fan nicht alles aus Liebe!
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