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Interview mit Jonas Valanciunas vom Basketball-NBA-Team Denver Nuggets über den Einfluss von Dirk Nowitzki

Interview

NBA-Star Jonas Valanciunas: „Dirk Nowitzki war definitiv einzigartig“

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    Spielt bereits seit 2012 in der NBA: Center Jonas Valanciunas (Mitte), der seit dieser Saison das Trikot der Denver Nuggets trägt.
    Spielt bereits seit 2012 in der NBA: Center Jonas Valanciunas (Mitte), der seit dieser Saison das Trikot der Denver Nuggets trägt. Foto: Dirk Sing

    Jonas Valanciunas, Ihr Teamkollege und Superstar Nikola Jokic blieb bei der Partie in Miami kurz vor der Pause nach einer unglücklichen Aktion mit Schmerzen am Boden liegen und hielt sich das Knie. Wie groß war Ihr Schock nach den Bildern, welche sich Ihnen quasi direkt vor der Nuggets-Bank geboten haben?

    VALANCIUNAS: : Jede Verletzung ist grundsätzlich eine zu viel. Wenn du aber siehst, dass dein wichtiger Spieler auf den Boden geht und dort liegen bleibt, dann ist das natürlich eine einzige Katastrophe und ein riesengroßer Schock. Nichtsdestotrotz müssen wir uns jetzt mit dieser neuen Gegebenheit abfinden, uns schütteln, noch mehr zusammenhalten und positiv denken. Trotz der momentanen zahlreichen Ausfälle, zu denen eben jetzt auch noch „Joker“ (Nikola Jokic, Anm. d. Red.) zählt, haben wir nach wie vor eine gute Mannschaft. Jetzt kommt es eben darauf an, dass wir uns gegenseitig unterstützen und jeder noch einen zusätzlichen Schritt nach vorne macht (Anm. d. Red.: Am Tag nach der Verletzung gaben die Denver Nuggets bekannt, dass Jokic mit einer Knieverletzung mindestens vier Wochen fehlen wird).

    Lassen Sie uns von der Partie gegen Miami (123:147) sowie der Jokic-Verletzung weggehen und zu einem anderen Thema kommen. Sie sind im Jahr 2012 in die NBA gekommen und haben dort Ihr Rookie-Jahr bei den Toronto Raptors verbracht. Wenn Sie einen Blick auf die vergangenen 13 Jahre werfen: Wie hat sich das Spiel in diesem Zeitraum verändert?

    VALANCIUNAS: Ehrlich gesagt ist es schon Wahnsinn, wie groß die Veränderungen in dieser Zeit waren. Mittlerweile wirft nahezu jeder „Big Man“ von der Dreierlinie, was noch vor einigen Jahren die Ausnahme war. Oder die kleinen Jungs gehen plötzlich runter in die Zone, posten sich auf und spielen dort „Eins-gegen-Eins“. Wenn man so will, dann gibt es heutzutage eigentlich überhaupt keine festen Positionen mehr auf dem Feld. Und das betrifft nicht nur die Offense, sondern natürlich auch die Defense. Es wird unglaublich viel rotiert, sprich: Jeder muss gegen jeden verteidigen können. Als ich damals in die Liga gekommen bin, gab es das in dieser Form noch nicht. Heute bist du gezwungen, dich diesen Neuerungen anzupassen – oder du bist eben raus!

    Sie wurden am 6. Mai 1992 in Utena geboren. In Ihrem Heimatland Litauen hat der Basketball-Sport bekanntlich eine große Tradition. Ist es dementsprechend auch die Sportart Nummer eins?

    VALANCIUNAS: Wie Sie bereits gesagt haben, hat Basketball in Litauen tatsächlich eine immens große Bedeutung. Es ist bei uns nicht nur ein Spiel, sondern deutlich mehr! Es ist Leidenschaft, Geschichte und Hingabe. Ich möchte jetzt den anderen Sportarten gegenüber nicht despektierlich sein. Aber Basketball ist in meinen Augen in Litauen schon riesengroß.

    Der litauische Center Jonas Valanciunas (links) von den Denver Nuggets beim Warm-up vor der Partie bei den Miami Heat.
    Der litauische Center Jonas Valanciunas (links) von den Denver Nuggets beim Warm-up vor der Partie bei den Miami Heat. Foto: Dirk Sing

    Immer größer wird indes auch die Anzahl europäischer Spieler in der National Basketball-League. Im bisherigen Saisonverlauf kamen bereits über 70 Akteure aus Europa dort zum Einsatz. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für diesen deutlichen Anstieg?

    VALANCIUNAS: Es ist ein schlagender Beweis, dass überall guter Basketball gespielt wird – eben auch in Europa! Dort gibt es in zahlreichen Ligen in verschiedenen Ländern viele junge und talentierte Akteure, welche über erstklassige Fähigkeiten verfügen. Persönlich freue ich mich sehr darüber, dass immer mehr und mehr Jungs aus Europa in die NBA drängen. Die Zeiten, in denen fast ausschließlich US-Amerikaner dort gespielt haben, sind vorbei.

    Einer dieser außergewöhnlichen Europäer, welcher der Liga seinen Stempel aufgedrückt hat, ist zweifelsohne Ihr Teamkollege Nikola Jokic. Was zeichnet den „Joker“ in Ihren Augen besonders aus?

    VALANCIUNAS: Sein Basketball-IQ geht schlichtweg durch die Decke! Ich glaube, diese Beschreibung trifft es zu 100 Prozent. Er ist den meisten Jungs hier in der Liga in diesem Bereich schlichtweg zwei Schritte voraus. Er hat ein unglaubliches Ballgefühl, kann die Verteidigung lesen, weiß immer, wie sich seine Mitspieler bewegen und findet diese in den kleinsten Lücken. Ich habe so etwas von einem „Big Man“ zuvor nie gesehen. „Joker“ ist wirklich ein absolut einzigartiger und grandioser Basketball-Spieler.

    Wir haben über die „neue europäische Welle“ in der NBA bereits gesprochen. Was denken Sie, welchen Einfluss Dirk Nowitzki mit seinem Auftreten und seinen überragenden Leistungen in der Liga auf die immer größer werdende Anzahl an Europäern letztlich hat?

    VALANCIUNAS: Das soll jetzt überhaupt nicht abwertend den anderen Jungs wie beispielsweise aus dem Balkan gegenüber klingen: Aber Dirk war definitiv einzigartig! Er war der erste Europäer, der als Franchise-Player sein Team (Dallas Mavericks, Anm. d. Red.) zur Meisterschaft geführt hat sowie MVP in der Liga wurde. Dadurch wurde auch der Fokus der NBA-Klubs auf europäische Spieler größer. Das im Nachhinein immer mehr und mehr Jungs aus Europa nach Nordamerika gekommen bin, hat darüber hinaus sicherlich auch das Spiel an sich verändert. Wenn plötzlich andere Akteure aus anderen Ländern dazustoßen, öffnet sich für Trainer und Mitspieler ein anderer Blickwinkel auf das, was sich auf dem Court abspielt. Deshalb hat auch die NBA davon sicher profitiert.

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