Atle Lie McGrath: Ein norwegischer Waldläufer
Für einen Norweger an sich ist ein Ausflug in die verschneiten Wälder fast schon klassisches Tagesprogramm. Es ist die Ruhe der Natur, die den Rhythmus eines Skandinaviers ein Leben lang bestimmt. Im alpinen Skizirkus hingegen ist ein Ausritt auf die ungerodete Fläche meist mit körperlichem Schmerz verbunden. Slalomfahrer Atle Lie McGrath erfuhr nach seinem Einfädler im Stangenwald von Bormio auch einen Schmerz, doch dieser war vielmehr psychischer als physischer Natur. Mit Gold vor Augen ging er als Führender auf die Piste, schied kurz darauf aus und machte anschließend das, was ein Norweger eben macht: Er suchte den Weg in den Wald, den Weg in die Ruhe.
Meterweit und allein auf weiter Flur stapfte der frustrierte 25-Jährige Richtung Gehölz, um, wie er sagte, einfach allein zu sein. Für McGrath kam viel zusammen. Die Niederlage, dazu der kürzliche Tod seines Großvaters und schließlich noch das Verhalten der Polizei und der Fotografen, die ihn am Waldrand ohne Rücksicht auflauerten. Nach kurzer Stille kam der Sturm und McGrath fand sich wieder im olympischen Blitzlichtgewitter. Vielleicht wäre der Weg in das von vielen Athleten als „ausgestorben“ bezeichnete Olympiadorf Bormio, der bessere gewesen.
Kanadische Olympia-Curler: Wenig Fingerspitzengefühl
Jahrelang galt Curling als der Gentleman-Sport bei den Olympischen Winterspielen. Gegenseitiger Respekt, höchste Präzision und faire Verlierer. Und jetzt das: Betrugsvorwurf gegen die Curler aus Kanada. Es geht um eine vermeintliche kanadische Doppelberührung nach der Abgabe des Steins. So vorgefallen im Match der Frauen gegen die Schweiz und bei den Männern gegen Schweden. Oft sind auf dem Eis lediglich die prägnanten Schreie der Spieler zu hören, die das Wischverhalten der Feger vorgeben, in diesem Fall bezichtigten die Schweden den Kanadier Marc Kennedy des Betrugs, da er den Stein zweimal berührt haben soll.
Es entwickelte sich ein Wortgefecht, das mit einer unrühmlichen „F...-off“-Ansage Kennedys ihren Höhepunkt fand. Der Curling-Verband quittierte diese Ausdrucksweise sogleich mit einer mündlichen Verwarnung, im Duell der Frauen mit der Schweiz wurden sogar die Steine aus dem Spiel genommen. Gentlemanlike ist etwas anderes, so viel steht fest. Und um es mit den Worten des bayerischen Humoristen Gerhard Polt aus seinem legendären Tennissketch „Longline“ zu halten: „Hier schreit keiner Fuck, und wenn, dann macht er das nur einmal!“
Rodlerin Sophia Kirkby: Goldmedaille im Daten
Tinder, Paarship oder Elite-Partner, alles Schnee von gestern. Olympia ist das Datingportal der Gegenwart. Die amerikanische Rodlerin Sophia Kirkby nutzt diese Plattform wie keine andere. Bereits zwei Wochen vor Beginn der Spiele pries sich die 24-Jährige als die „begehrteste Junggesellin“ im olympischen Dorf an und zog das Interesse vieler Verehrer auf sich. Jeden Tag bekäme sie hunderte Anfragen, 15 bis 30 pro Stunde kämen da zusammen. Kirkby lässt ihren Worten Taten folgen. Am Valentinstag teilte sie via Instagram ein romantisches Spa-Date mit ihrer Community, die in den vergangenen Tagen von 3000 auf 43.000 Follower anwuchs.
Es ist eine goldverdächtige Ausbeute, die Kirkby in Sachen Dating ihr Eigen nennen kann, im Eiskanal reichte es für die Doppelsitzerin dagegen nur zu zwei fünften Plätzen. Das tut der guten Stimmung der US-Rodlerin aber keinen Abbruch. Sehr zufrieden sei sie mit ihren Platzierungen, jetzt wolle sie einfach nur noch Spaß haben. Wie der aussieht, ist freilich eine ganz andere Geschichte. Die Organisatoren der Olympischen Spiele haben indes für alle Fälle vorgesorgt und kürzlich die Versorgung mit Gratis-Kondomen im Dorf sichergestellt.
Höchstpunktzahl für Eiskunstlauf-Choreograf Benoit Richaud
Jacke an, Jacke aus und dasselbe Spiel nochmal. Benoit Richaud muss sich in der olympischen Eishalle fühlen, als wäre er auf dem Laufsteg bei der Mailänder Fashion-Week. Mit Mode hat der Kleiderwechsel des französischen Eiskunstlauf-Choreografen aber wenig zu tun. Es ist seine Geschäftigkeit, die ihn bisweilen an die Grenzen des Machbaren treibt. Unglaubliche 16 Athleten aus 13 Nationen betreut der angesagteste Trainer der Eiskunstlaufszene bei Olympia.
Im Kurzprogramm der Männer war er für sieben Sportler im selben Wettkampf verantwortlich und die wollen auch auf der Trainerbank landesgerecht vertreten sein. Umso erstaunlicher, dass die Farbe der Jacke immer die richtige war. Im Rampenlicht stehen im Hochglanzsport Eiskunstlauf eigentlich ja die Akteure auf dem Eis. Die Performance von Richaud stahl jedoch dem ein oder anderen die Show. Schnell, elegant und bis ins letzte Detail durchchoreografiert. Die Vorstellung des Franzosen an der Bande hat in sämtlichen Belangen die Höchstpunktzahl verdient.
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