Die herkömmliche Gruppenphase der Champions League ist Geschichte: Im neuen Modus treten bekanntlich alle 36 Teams in einer großen Tabelle an, anstatt wie bisher in den Vierergruppen. Das kann auch spannend sein, vor allem beim letzten Spieltag mit 18 gleichzeitig stattfindenden Partien bekommt der zahlende TV-Zuschauer was für sein Geld. Zugleich schwingt aber auch ein bisschen Nostalgie mit, bot die alte Gruppenphase doch auch so viele Geschichten. An ein paar soll hier erinnert werden – von Nebel in Berlin, schwäbischem Jugendstil gegen Manchester und einem furiosen Hamburger SV.
November 1999: Hertha BSC Berlin – FC Barcelona 1:1 Der Herbst in Berlin zeichnet sich durch starke Grautöne und Nebel aus – das mussten an diesem Abend nicht nur die beiden Mannschaften auf dem Rasen des Olympiastadions, sondern auch alle TV-Zuschauer erfahren. Beim Spiel in der Zwischenrunde – einer Gruppenphase nach der Gruppenphase – ist Barca bei der Hertha zu Gast. Von der Führung der Katalanen, die von Louis van Gaal und dessen damaligem Assistenten Jose Mourinho trainiert wurden, ist noch etwas zu sehen, vom Berliner Ausgleich auch noch – dann zieht der Nebel einen dicken Vorhang um das Spiel.
Die Spieler mussten mit Sichtweiten von nur ein paar Metern zurechtkommen. Was genau auf dem Rasen geschehen ist, bleibt im Ungewissen, nur der damalige Berliner Spieler Andreas Schmidt hatte damit kein Problem. Nach dem Spiel gab sich der Witzbold launig: „Wir hätten beinahe gewonnen, hat denn niemand unsere beiden Pfostenschüsse gesehen?“
September 2000: Hamburger SV – Juventus Turin 4:4 Der HSV gegen Juve – da war doch was. Stimmt, vor allem im Finale des Europapokals der Landesmeister, dem Vorgängerwettbewerb der Champions League 1983 machte ein Schuss von Felix Magath die Rothosen zur offiziell besten Mannschaft Europas. Das größte Spektakel zwischen den beiden Teams fand aber zu Beginn der Gruppenphase 2000 statt. Juventus kam mit Trainer Carlo Ancelotti, Zinedine Zidane und Alessandro del Piero in die Hansestadt und lag nach 52 Minuten mit 3:1 vorne. Alles gegessen? Mitnichten. Auf einmal drehte der von Frank Pagelsdorf gecoachte HSV auf, glich durch Mehdi Mahdavikia und einen Elfmeter-Treffer von Torwart Hansjörg Butt aus. Die Juve-Defensive, sonst ein Ausbund der Abgezocktheit, schwamm gehörig – und auf einmal stand es 4:3 durch ein Tor des späteren Bayern-Trainers Niko Kovac. Mit dem Sieg wurde es dennoch nichts: Kurz vor Schluss holte das Mensch gewordene Kryptonit für alle deutschen Mannschaften, Filipo Inzaghi, einen Elfmeter heraus und verwandelte den zum 4:4. Es war der dritte Pipo-Treffer an diesem Abend – und der Schlusspunkt des Wahnsinns im Volkspark.
Februar 2000: Real Madrid - FC Bayern 2:4 Von den Bayern könnten hier natürlich viele Gruppenspiele hier zu lesen sein. Traumfußball mit Guardiola – etwa das 3:1 beim späteren Pep-Klub Manchester im Herbst 2013 – gab es öfter zu sehen. Als gleichermaßen spektakulär und kurios ist aber das 4:2 der Bayern bei Real kurz nach der Jahrtausendwende einzustufen. In der Zwischenrunde lieferten sich beide Teams eine Fußball-Show samt Traumtoren, wie dem 1:0 per Scholl-Freistoß, Treffern zum dramaturgisch optimalen Zeitpunkt und spektakulären Kahn-Paraden. Kurios war das Spiel deswegen, weil es der Auftakt zu einem Running Gag der Champions League war: Fortan standen sich Bayern und Real nahezu jedes Jahr gegenüber. Alleine in dieser Saison standen vier Aufeinandertreffen innerhalb von zwei Monaten an: Nach dem Treffen in der Zwischenrunde trafen sich die Teams im Halbfinale wieder.
Oktober 2003: VfB Stuttgart – Manchester United 2:1 Schon alleine die Qualifikation des VfB für die Königsklasse war eine Sensation gewesen. Trainer Felix Magath hatte die mal wieder in finanziellen Nöten steckenden Schwaben vor allem mit jungen Spielern aus dem eigenen Nachwuchs umgebaut. Die „Jungen Wilden“ stürmten 2003 zur Vizemeisterschaft und hatten im Oktober einen gewissen Alex Ferguson samt seiner Ballspielgruppe aus Manchester mit den Herren Roy Keane, Ryan Giggs und Paul Scholes zu Gast. Respekt vor dem alternden Fußball-Adel zeigten die Stuttgarter nur bedingt: Imre Szabics und Kevin Kuranyi schossen den VfB innerhalb von drei Minuten mit Traumtoren in Front, den Engländern blieb nur der Anschlusstreffer durch van Nistelrooy. Bis heute gilt das Spiel als der wohl größte Streich in der Stuttgarter Europapokal-Historie. Kleine Randnotiz: Für Cristiano Ronaldo war es sein erstes Spiel in der Champions League.
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