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Merkwürdigkeiten und Energie: FC Bayern ziehen Selbstbewusstsein aus Sieg bei Real

FC Bayern

„Hätten sie vielleicht killen können“: Das ärgert die Bayern nach dem Sieg von Madrid

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    Harry Kane und Joshua Kimmich waren selbstverständlich glücklich über den 2:1-Sieg. Ausschweifenden Jubel aber erlaubten sich die beiden noch nicht.
    Harry Kane und Joshua Kimmich waren selbstverständlich glücklich über den 2:1-Sieg. Ausschweifenden Jubel aber erlaubten sich die beiden noch nicht. Foto: Peter Kneffel, dpa

    Auf diesem Niveau können kleinste Fehler das Aus bedeuten. Manchmal aber bleiben auch die dicksten Böcke ungestraft. Wie beispielsweise jene beiden von Dayot Upamecano (der frappierend dem leichtsinnigen Dayot Upamecano der Jahre 2021 bis 2024 glich). Der Franzose verpasste erst aus vier Metern die Führung der Bayern und köpfte später in der Partie Vinicius Junior den Ball passgenau in den Lauf, auf dass dieser alleine auf Manuel Neuer zusteuern konnte. Beiden Patzern folgte kein Tor. Upamecano war freilich nicht alleine mit seinen Fehlern. Reals Thiago Pitarch etwa bediente Serge Gnabry für alle Beteiligten überraschend vor dem Tor der Madrilenen, aber der Münchner Offensivspieler scheiterte an Torhüter Andriy Lunin. Es waren Szenen wie diese, die vermuten ließen, dass da möglicherweise ganz normale Irdische auf dem Feld herumlaufen.

    Wenn die beiden imposantesten Vereinsmannschaften der Welt aufeinandertreffen, kann das auch mal vergessen werden. Dieser Ansammlung an Sternchen, Stars und Top-Stars ist man geneigt zuzutrauen, all das profan Erscheinende auf dem Platz mit lässiger Beiläufigkeit zu erledigen. Vor 77.106 Fans im Bernabéu ist aber wenig bis nichts beiläufig oder profan. Und so kam es, dass Aleksandar Pavlovic in der ersten Hälfte einige merkwürdige Fehlpässe einstreute oder Luis Diaz kurz vor Schluss beste Kontergelegenheiten verhaspelte. Die Bayern grämten sich deswegen ein wenig, dass sie lediglich mit einem 2:1-Erfolg aus Madrid abreisten. Sie hatten das Gefühl, mehr verdient zu haben.

    „Am Ende des Tages hatten wir sogar noch weitere Chancen, die wir hätten reinmachen müssen. Dann hätten wir sie vielleicht killen können. Aber sie hatten auch Chancen – das muss man zugeben“, sagte Gnabry nach der Partie. Interessanterweise hatte Reals Trainer Alvaro Arbeloa eine ganz ähnliche Sicht auf das Spiel: „Wir haben leider einige Chancen liegen gelassen. Aber wir leben noch.“ Leben und Lebenlassen – um nicht weniger geht es gefühltermaßen für die Beteiligten im Viertelfinale der Champions League. Da darf es nicht verwundern, wenn nicht jeder Ball sein Ziel findet. Es kann schließlich auch nicht jeder Spieler das gleichmütige Selbstbewusstsein eines Manuel Neuers haben, der nun aber schon auch ein paar Male sein Können auf den größten Bühnen des Sports zeigen konnte (und ja auch schon mal in Madrid von einem „minimalen Maulwurf“ überrascht wurden).

    Bei all den Fehlern und Fehlerchen bleibt freilich trotzdem der Eindruck, Zeuge eines Spektakels geworden zu sein. Dass Luis Diaz, Harry Kane und Kylian Mbappé für die einzigen Tore sorgten: eine Anomalie des Sports. Wie wuchtig und größtenteils technisch brillant die Mannschaften im Allgemeinen und die Individualisten im Speziellen aufeinander losgingen, war prächtig. Die Münchner schienen lange Zeit über das wirkungsvollere Kollektiv zu verfügen, Real aber zeigte immer und immer wieder, dass sie es verstehen, ihre Ausnahmekönner Vinicius und Kylian Mbappé einzusetzen.

     „Man hatte immer das Gefühl, dass das Spiel auf dem Rand ist und in die eine oder andere Richtung kippen kann“, fand Bayern-Trainer Vincent Kompany eine passende Beschreibung für die Partie. Sie dürfte auch als Prognose für das Rückspiel kommenden Mittwoch in München dienen. Auch dann werden die Bayern nicht durchgängig verhindern können, dass die Sonderbegabten aus Madrid auf das Tor von Manuel Neuer schießen. Allerdings ist auch nicht davon auszugehen, dass die Defensive Reals sämtliche Angriffe der Bayern wird vor dem Abschluss stoppen können.

    Kompany fordert, den Sieg zu genießen

    Ähnlich wie in Madrid kann auch die ansonsten gemütliche Arena in München in bedeutsamen Partien eine Energie entwickeln, die ihr kaum zugetraut wird. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Bayern das Stadion Reals phasenweise ruhigstellten. Am Ende stand ein 2:1-Erfolg, der erste Sieg der Münchner bei Real seit 25 Jahren. Ein Sieg, der verdient war, hart erarbeitet und der – wenn es nach Kompany geht – auch genossen werden sollte. „Wir müssen noch einmal gewinnen, um weiterzukommen. Aber ich will, dass unsere Jungs wissen, dass sie im Bernabéu gewonnen haben. Das ist auch etwas wert, das müssen wir mitnehmen“, forderte der Trainer.

    Die Spieler schienen sich nach Spielschluss noch nicht ganz sicher, wie sie diese aufregende Partie einordnen sollten. Auf jeden Fall aber: nicht laut und Fäuste schwenkend jubelnd. Eher betulich. Zufrieden mit sich und der Mannschaft und im Wissen, dass erst ein Teil geschafft wird. Im Wissen aber auch, dass nicht jeder Fehler bestraft wird. Und noch dazu im Wissen, dass auch die übergroßen Real-Spieler Fehler machen. Das ist viel wert.

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