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Motorsport: „Wenn du Angst hast, musst du dir einen anderen Sport suchen“

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„Wenn du Angst hast, musst du dir einen anderen Sport suchen“

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    Markus Brandhofer und Sandra Mollema in Aktion beim EM-Finale der Seitenwagen in Haunstetten.
    Markus Brandhofer und Sandra Mollema in Aktion beim EM-Finale der Seitenwagen in Haunstetten. Foto: Klaus Rainer Krieger

    Zur Mittagszeit herrscht Gedränge im Fahrerlager. Dennoch genießt Sandra Mollema entspannt in einem Campingstuhl die Pause. Gut eine Stunde hat die Beifahrerin von Markus Brandhofer noch Zeit, bevor der erste Finallauf zur Europameisterschaft der Seitenwagengespanne über die Bühne geht.

    Die Niederländerin ist eine von drei Frauen, die beim 75. Sandbahnrennen in Haunstetten an den Start gehen. Im Prinzip ist das hier schon eine Männerdomäne. Das entlockt der 38-Jährigen lediglich ein Grinsen. Sie zeigt ihren Oberarm und sagt: „Schau dir mal meine Muskeln an. Manchmal bin ich schon ein halber Mann.“

    Stimmt, die „Muckis“ bei Mollema können sich sehen lassen, dennoch ist sie eher als zierliche Person einzustufen. Seit 23 Jahren fährt sie jetzt im Motorsport, seit 2021 im Team mit Markus Brandhofer und damit ist sie Teil des AMC Haunstetten und war am Sonntag mit ihrem Partner sozusagen Lokalmatador.

    Mollema arbeitet in einer Autowerkstatt

    Eine Sportart, die sie fasziniert, seit sie zum ersten Mal auf einem Rennen war. „Mein Papa hat eine Baufirma in den Niederlanden und ist dort auch Sponsor im Motorsport. Als ich da zum ersten Mal zugeschaut habe, war mir klar, da will ich mitfahren.“ Spätestens wenn man ihre berufliche Laufbahn betrachtet, ist einem klar, das Mollema das perfekte Hobby hat. Sie ist gelernte Automechanikerin, wurde später Busfahrerin im niederländischen Groningen und arbeitet jetzt wieder in einer Autowerkstatt.

    Motoren und Mollema sind zu einer Symbiose geworden. Eine, die öfter zu Schmerzen geführt hat. „Da schau“, sagt sie und zeigt eine gut zehn Zentimeter lange Narbe, die vom Kinn runter an den Hals verläuft. Ein „Andenken“, das ihr nach einem Rennen in Vechta (Niedersachsen) vor sieben Jahren geblieben ist. Damals wurde sie aus ihrem Seitenwagen geschleudert und das Gespann landete fast genau mit dem Motor auf ihrem Brustkorbbereich.

    Ins Grübeln ist sie deshalb aber noch nie gekommen: „Wenn du Angst hast, darfst du das nicht machen. Dann musst du dir einen anderen Sport suchen.“ Zumal Sandra Mollema, die man im Fahrerlager „Sammy“ nennt, bisher viele Erfolge einfahren konnte. Fünfmal wurde sie bereits mit den Seitenwagengespannen und ihre, jeweiligen Partner Europameister. Zusammen mit Markus Brandhofer holte sie den Titel im Jahr 2023.

    Sandra Molleman und Markus Brandhofer hinter ihrer Maschine.
    Sandra Molleman und Markus Brandhofer hinter ihrer Maschine. Foto: Klaus Rainer Krieger

    Der 47-jährige Fahrer Brandhofer und seine Partnerin Mollema sind mittlerweile ein eingespieltes Duo. „Wir kommen super zurecht. Sandra ist die beste Beifahrerin, die man sich wünschen kann“, sagt der Vorzeige-Bayer aus Gaißach (Landkreis Bad Tölz). Eigentlich wollte Brandhofer mit 44 Jahren aufhören, weil die 44 auch seine Startnummer ist, aber dieses Limit ist schon längst überschritten.

    Momentan spricht er nicht einmal mehr übers Aufhören. „Ich habe immer noch Lust und es macht mir einfach zu viel Spaß.“ Und das seit 1998, als er damals in Dingolfing sein erstes Rennen fuhr und den dritten Platz belegte. Unfälle und Verletzungen standen seither auch bei ihm auf der Tagesordnung. Sprechen will er nicht mehr darüber. Er winkt ab: „Dann stehen wir morgen früh noch da.“

    Der Start von Brandhofer/Mollema geht beinahe schief

    Als Brandhofer/Mollema zum ersten Lauf ihr 500er-Gespann beim Start aufröhren ließ, ging ein Raunen durch das Stadion, in dem rund 2500 Zuschauer die Fahrer anfeuerten. Das Gefährt des deutsch/niederländischen Duos stieg hoch, Brandhofer bekam die Maschine gerade noch unter Kontrolle und konnte einen Sturz vermeiden. Am Ende reichte es im wenigstens noch für einen dritten Platz bei vier Gespannen. Beim zweiten Lauf kamen die beiden wesentlich besser aus den Startlöchern, nach einer äußerst wilden Fahrt wurde das Team des AMC Haunstetten Zweiter.

    Nach insgesamt zwölf Durchgängen (jeder der Seitenwagen geht viermal an den Start) stand das Endresultat fest. Obwohl das Haunstetter Team einen Lauf auf Platz eins abschloss, reichte es im Gesamtklassement nur zu einem fünften Rang (9 Punkte). Das deutsche Duo Markus Venus/Markus Eibl fuhr zu souverän und gewann sämtliche vier Läufe mit der Höchst-Punktzahl (12). Im B-Finale reichte es für Brandhofer/Mollema zu Platz drei.

    Eigentlich sind die Niederländerin und ihr Partner angetreten, um zu siegen, aber ganz stand der Sieg doch nicht im Vordergrund. „Das Wichtigste ist, dass wir alle wieder gesund nach Hause fahren“, so Sandra Mollema.

    Weitere Ergebnisse  

    Gespann-EM: 1. Markus Venus/Markus Eibl (D), 12 Vorlaufpunkte; 2. Mitch Godden/Paul Smith (GB), 11; 3. Guillaume Comblon/Baptiste Comblon (F), 7; 4. Remi Valladon/Ewen Guilbaud (F), 10; 5. Markus Brandhofer/Sandra Mollema (D), 9; 6. Raphael San Millan/Benedikt Zapf (D), 7; 7. Manuel Meier/Lena Siebert (D), 4; 8. Imanuel Schramm/Melanie Meier-Zengin (D), 5; 9. Jerome Lespinasse/Thomas Valladon (F), 3; 10. Josh Goodwin/Scott Goodwin (GB), 2; 11. Klaas Kregel/Jurgen Kramer (NL), 1; 12. Mike Frederiksen/Steven Grandt (DK), 1; 13. Ole Möller/Dennis Smit (D), 0; 14. Clemens Furet/Jean-Charles Lopez (F), 0
    C-Finale: 1. Manuel Meier/Lena Siebert, 2. Imanuel Schramm/Melanie Meier-Zengin, 3. Jerome Lespinasse/Thomas Valladon, 4. Josh Goodwin/Scott Goodwin
    B-Finale: 1. Remi Valladon/Ewen Guilbaud, 2. Guillaume Comblon/Baptiste Comblon, 3. Markus Brandhofer/Sandra Mollema, 4. Raphael San Millan/Benedikt Zapf
    A-Finale: 1. Markus Venus/Markus Eibl, 2. Mitch Godden/Paul Smith, 3. Guillaume Comblon/Baptiste Comblon, 4. Remi Valladon/Ewen Guilbaud
    Internationale Lizenz Solo: 1. William Kruit (NL), 17 Punkte; 2. Dave Meijerink (NL), 13;  3. Steven Goret (F), 12.
    Nationale Lizenz Solo: 1. Tim Widera, 20 Punkte; 2. Dennis Helfer, 15; 3. Sebastian Adorjan, 10

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