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Münchens OB Reiter: „Es wäre, als kehre Olympia nach Hause zurück“

Olympische Sommerspiele

Münchens OB Reiter: „Es wäre, als kehre Olympia nach Hause zurück“

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    Der Olympia-Park soll das Herzstück einer Münchner Bewerbung um Sommerspiele sein.
    Der Olympia-Park soll das Herzstück einer Münchner Bewerbung um Sommerspiele sein. Foto: Sven Hoppe und Karl-Josef Hildenbrand, beide dpa

    Welche Erinnerung haben Sie als erstes vor Augen, wenn Sie an die Sommerspiele 1972 zurückdenken?

    DIETER REITER: Ganz ehrlich: Den ersten Farbfernseher, den meine Eltern extra deshalb gekauft haben. Und den Olympiasieg von Ulrike Meyfarth, den niemand einer 16-Jährigen zugetraut hätte.

    In einem Bürgerbegehren hat sich eine klare Mehrheit von über 66 Prozent dafür ausgesprochen, dass sich München um Olympische Sommerspiele bewirbt. Welche Reaktionen haben Sie von Ihren Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Bewerberstädten Hamburg, Berlin und der Region Rhein-Ruhr darauf erhalten?

    REITER: Die Reaktionen waren durchweg positiv und kollegial. Ich denke, wir leben in allen Städten die gleiche Philosophie: Unsere Konkurrenz soll genauso sportlich-fair sein, wie wir es uns bei den Spielen wünschen.

    Sehen Sie München mit dem Rückenwind des Bürgerentscheids in der Favoritenrolle?

    REITER: Der Bürgerentscheid war ein starkes Signal der Münchnerinnen und Münchner. Das gibt Rückenwind, aber es ist kein Selbstläufer. Wir werden weiter am Konzept feilen, um es noch besser zu machen. Das erinnert mich an den FC Bayern. Die Spieler bekommen nichts geschenkt und müssen sich weiterentwickeln, um besser zu werden. Mittlerweile mit der höchsten Laufleistung in der Liga. Das Ergebnis ist bekannt.

    Was sind die nächsten Schritte auf dem Weg zu einer möglichen Olympiabewerbung?

    REITER: Nach dem Fahrplan des DOSB haben wir als erste Stadt bereits zwei der drei Stufen gemeistert: Das Konzept erfüllt alle Mindestanforderungen und das Referendum war positiv. Es fehlt nur noch die dritte Stufe, das ist die finale Bewertung des Konzepts im September 2026. Dafür stehen wir im Austausch mit dem DOSB, um einige Bestandteile des Konzepts zu vertiefen, die bisher nur eine geringe Rolle gespielt haben. Das meint zum Beispiel das Narrativ, die Eröffnungsfeier oder das Erlebnis aus Sicht der Athleten. Der übernächste Schritt wäre schon die internationale Bewerbung. Dafür muss München erstmal ausgewählt sein.

    Der DOSB will erst in rund einem Jahr entscheiden, welche Stadt sich bewirbt. Finden Sie das richtig?

    REITER: Wir haben uns da immer auf unsere eigene Arbeit konzentriert und wollten erstmal liefern. Das ist ganz gut gelungen. Das extrem nachhaltige Konzept und das Ergebnis des Bürgerentscheids sind schon eine starke Vorlage.

    Wünschen Sie sich vom DOSB mehr Klarheit über den Entscheidungsprozess?

    REITER: Da muss man unterscheiden. Das Verfahren wurde schon immer kommuniziert. Außerdem gab es einen einheitlichen Leitfaden, der uns gezeigt hat, woran sich die Inhalte des Konzepts orientieren sollten. Ich hätte es aber gut gefunden, wenn der frühere straffere Zeitplan mit einer Auswahlentscheidung Ende 2025 geblieben wäre. Und ich hätte die Bewertungskriterien für die Konzepte gerne vor der Konzepterstellung gehabt. Sie kommen leider erst im Dezember.

    Angenommen, München wird der deutsche Bewerber: Wie schätzen Sie die internationale Konkurrenz ein?

    REITER: Die wird zweifellos stark sein. Aber wenn der Flurfunk stimmt, wäre eine rein europäische Konkurrenz für das Jahr 2040 am wahrscheinlichsten. Das ist für uns kalkulierbarer. Außerdem hat München große Trümpfe: eine erprobte Infrastruktur und den weltweit einzigen Olympiapark mit dieser Größe und Geschichte, enorme Erfahrung mit Großveranstaltungen und eine Lebensqualität, die weltweit geschätzt wird. Fast alle Sportstätten sind bereits vorhanden und atmen olympische Geschichte. Für viele wäre es, als kehre Olympia nach Hause zurück.

    Welche Kriterien sind aus Ihrer Sicht entscheidend, um das IOC zu überzeugen?

    REITER: Das IOC legt großen Wert auf Nachhaltigkeit, gesellschaftliche Akzeptanz und langfristigen Nutzen. Genau da können wir punkten. Fast alle Sportstätten existieren bereits, das Konzept ist ökologisch durchdacht und soll die Stadtentwicklung voranbringen – vom barrierefreien Olympischen Dorf bis zum Ausbau des ÖPNV. Und das IOC schaut auf die Athletinnen und Athleten. Möglichst viele an einem Ort. Möglichst kurze Wege zu den Sportstätten. München ist One Village pur. Gleichzeitig Großstadt und (Olympisches) Dorf.

    Welche Lehren ziehen Sie aus der gescheiterten Bewerbung für die Winterspiele 2018?

    REITER: Wir haben die Lehre längst gezogen: Der Stadtrat hat sich im November 2023 bewusst und explizit für Sommerspiele und gegen Winterspiele entschieden.

    2036, 2040 oder 2044 – welches Datum erscheint Ihnen am sinnvollsten?

    REITER: Das hängt von vielen Faktoren ab, etwa vom internationalen Kalender oder der Vorbereitung vor Ort. Wegen des derzeitigen Verfahrens können wir jedes Jahr leisten. Aber 2036 wäre mir schon wegen der Erinnerung an die Spiele 100 Jahre davor nicht so recht und auch planerisch ist es die anstrengendste Variante. Realistisch betrachtet wäre 2040 ein sehr gutes Ziel. Dann hätten wir ausreichend Zeit, die Bewerbung gründlich vorzubereiten und nachhaltige Projekte umzusetzen. So könnten wir zeigen, dass München eine moderne, weltoffene und zukunftsorientierte Gastgeberstadt ist. Danach geht natürlich auch, aber ich möchte das Olympiastadion lieber ohne Gehhilfe erreichen können.

    Die bayerische Staatsregierung unterstützt die Bewerbung. Wie läuft die Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg?

    REITER: Sehr konstruktiv. Die Begeisterung für eine mögliche Bewerbung überwindet Parteigrenzen. Alle wissen, dass es hier um ein Projekt für das ganze Land geht, nicht um Parteipolitik. Dieses gemeinsame Verständnis ist eine große Stärke – und eine gute Voraussetzung für den Erfolg.

    Welche Signale wünschen Sie sich von der Bundesregierung?

    REITER: Ein klares Bekenntnis zu Olympischen und Paralympischen Spielen in Deutschland. Eine solche Bewerbung braucht Rückhalt auf allen Ebenen – politisch, finanziell und gesellschaftlich. Immerhin findet sich das im Koalitionsvertrag, und wie ich weiß, ist ein weiteres Commitment noch in diesem Jahr geplant. Wenn Bund, Länder und Kommunen gemeinsam auftreten, kann Deutschland der Welt zeigen, wie moderne, nachhaltige Spiele aussehen – Spiele, die nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich etwas bewegen.

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