Beim TSV 1860 München genoss er Kultstatus. Nach dem Aufstieg der „Löwen“ 1991 in die Zweite Bundesliga wurde Karsten Wettberg geadelt, fortan war er der „König von Giesing“. Am Sonntag ist Wettberg, der in den 1990er Jahren auch den FC Augsburg trainierte, im Alter von 84 Jahren gestorben. Das gab der TSV 1860 München bekannt. Wettberg hatte eine längere Krankengeschichte hinter sich. Nach mehreren Operationen am Herzen in den vergangenen sieben Jahren ist die Löwen-Legende immer wieder fit geworden, spielte sogar mit über 80 Jahren noch in der Sternstunden-Mannschaft des Bayerischen Rundfunks Fußball. „Die gesamte Löwen-Familie ist in tiefer Trauer“, schrieb der Verein in einer Pressemitteilung.
In der Saison 1990/91 gelang Karsten Wettberg der Aufstieg mit dem TSV 1860 München
Als Amateurspieler begann Wettberg, der in Elsendorf (Niederbayern) wohnte, seine Laufbahn beim niederbayerischen Fußball-Club Mainburg, spielte anschließend noch beim TSV Elsendorf und SV Saal. Seine Trainerkarriere (insgesamt 21 Vereine) führte ihn über Stationen wie den ESV und MTV Ingolstadt, SpVgg Landshut, SpVgg Unterhaching im Jahr 1990 nach Giesing zum TSV 1860 München. Von Februar 1990 bis Juni 1991 blieb er mit seinem Team in einer sensationellen Serie von 54 Pflichtspielen ungeschlagen. In der Saison 1990/91 gelang ihm mit den Münchner Löwen der Aufstieg aus der Bayernliga in die Zweite Bundesliga, was ihm im Klub Legendenstatus einbrachte.
Eines der aufregendsten Spiele seiner langen Trainerkarriere war für Wettberg die Relegationsbegegnung um den Aufstieg mit den Löwen bei Hessen Kassel. „Wir haben mit Sechzig in Hessen 2:0 gewonnen und den Aufstieg in die zweite Liga nach neun Jahren Bayernliga so gut wie perfekt gemacht“, erzählte er einmal. Danach gab er, nur mit einer Unterhose bekleidet, ein legendäres Fernseh-Interview. Emotional war Wettberg fast immer. Insgesamt errang er in seiner Trainerkarriere 52 (!) Titel und war damit einer der erfolgreichsten deutschen Amateur-Fußball-Übungsleiter.
Hauptberuflich arbeitete Kult-Trainer Karsten Wettbewerb bei der Deutchen Post
Dabei war Fußball für Wettberg nur ein Nebenberuf. Bis 2002 arbeitete er bei der Deutschen Post als Oberamtsrat. Er war auch politisch aktiv und gehörte dem Kreistag in Kelheim an. 2008 kandidierte er für die SPD für den Landtag. Bereits 2006 wurde ihm für seine Engagements das Bundesverdienstkreuz verliehen.
Auch bei den Löwen engagierte sich Wettberg später ehrenamtlich. Nach dem großen Aufstiegserfolg verließ er nach Ärger mit der Sechzig-Führungsetage zwar erst einmal den Verein, blieb den Löwen aber immer eng verbunden. Zwischen 2007 und 2008 war er sogar Vizepräsident des Klubs. Alle sprachen in den höchsten Tönen von Wettberg, so wie auch sein ehemaliger Spieler Roland Kneißl: „Mit unheimlicher Leidenschaft hat er jeden Spieler persönlich mitgenommen. In einer Art und Weise, wie wir es vorher so noch nicht gekannt haben.“
1995 kam Wettberg als Nachfolger von Armin Veh mit großen Erwartungen zum Regionalligisten FC Augsburg. Auch dort waren die Spieler von ihrem Trainer angetan. Mit den ehemaligen Zweitligaakteuren Peter Gartmann und Thomas Motzke äußern sich auch heute noch zwei Akteure lobend über Wettberg. „Seine Spielbesprechungen sind mir noch heute gut in Erinnerung“, sagt Motzke. Gartmann denkt besonders an die menschliche Art des Übungsleiters zurück: „Er hatte immer ein offenes Ohr für uns Spieler.“ Freilich, sportlich lief es damals nicht so gut für den Verein. Nach knapp eineinhalb Jahren war die Ära Wettberg am Lech schon wieder Geschichte. Ein kleiner Fleck in einer großen Karriere.
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