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Neuer KSC-Ehrenpräsident im Porträt: Roland Schmider verhandelte mit Uli Hoeneß im Wohnzimmer

Karlsruher SC

Neuer KSC-Ehrenpräsident im Porträt: Roland Schmider verhandelte mit Uli Hoeneß im Wohnzimmer

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    Roland Schmider (l.) im Jahr 2023 mit Winfried Schäfer. Nun wurde Schmider zum Ehrenpräsident des Karlsruher SC ernannt.
    Roland Schmider (l.) im Jahr 2023 mit Winfried Schäfer. Nun wurde Schmider zum Ehrenpräsident des Karlsruher SC ernannt. Foto: Uli Deck, dpa (Archivbild)

    Als Roland Schmider von seinem Vater beim VfB Mühlburg angemeldet wurde, war er gerade zehn Jahre alt. Ein gutes Jahr später fusionierte der Fußballverein mit dem FC Phönix zum Karlsruher SC. Das war am 16. Oktober 1952, wie im Historie-Bereich der KSC-Website nachzulesen ist. Mehr als 70 Jahre später ist Schmider so eng mit dem KSC verbunden, wie es wohl kein anderer von sich behaupten kann. Er hat als „ewiger Präsident“ die erfolgreichste Phase des Klubs geprägt und der Vereinsgeschichte seinen Stempel aufgedrückt. Nun wurde er von seinem Herzensklub für sein Lebenswerk mit einer einzigartigen Ehrung bedacht: Schmider ist der erste Ehrenpräsident des Karlsruher SC.

    „Mit Roland Schmider ehren wir einen Mann, der über mehr als vier Jahrzehnte hinweg mit großem Engagement und Weitblick den KSC geprägt hat. Seine Loyalität, seine Leidenschaft und sein Einsatz sind für uns Vorbild und Verpflichtung zugleich“, sagte KSC-Präsident Holger Siegmund-Schultze bei der Ehrung am 12. November 2025 laut der KSC-Website. Schmider bedankte sich auf der Bühne zunächst bei seiner Frau und dann bei seinen „loyalen Vize-Präsidenten“. Von denen hatte er während seiner 26-jährigen Präsidentschaft beim KSC so einige.

    Schmiders KSC-Geschichte begann beim Stammtisch von „Onkel Paul“

    Die Geschichte des gebürtigen Bretteners beginnt nicht am Stammtisch von „Onkel Paul“ am Mühlburger Tor, nahm Ende der 1960-Jahre genau dort aber eine entscheidende Wendung, wie sich der heute 85-Jährige vor Kurzem im KSC Legendentalk erinnerte. Der damalige Oberbürgermeister Günter Klotz traf sich jeden Samstag mit wichtigen Karlsruhern, um nicht weniger wichtige Themen zu besprechen. Eines der Themen: Welcher junge Mann könnte beim Karlsruher SC für frischen Wind sorgen?

    Karl Troullier, Gründer der Coca-Cola-Konzession, schlug seinen Prokuristen vor: Roland Schmider. Anfang Januar 1970 hatte Schmider einen Termin bei Klotz – und war von einer Aufgabe beim KSC gleich begeistert. Kurze Zeit später starb Troullier, ein weiterer Wendepunkt in Schmiders Leben, da Troulliers Frau ihn als Geschäftsführer der Coca-Cola-Konzession einsetzte. Trotz seines neuen Jobs war die Verbindung zum KSC geebnet. Ab 1972 agierte Schmider als Vizepräsident des Klubs, im Februar 1974 wurde er zum Präsidenten gewählt. Als Nachfolger von Gerd Hesse, der nicht mehr angetreten war, avancierte Schmider im Alter von 33 Jahren zum jüngsten Vereinschef im deutschen Profifußball, wie die Badische Neueste Nachrichten (BNN) zurückblickt.

    Schmider führte den Karlsruher SC in den Europapokal

    Als „Greenhorn“ habe er anfangs so einiges zu lernen gehabt, erinnerte sich Schmider im KSC Legendentalk. Beim ersten Treffen mit anderen Klubbossen zog er Aufmerksamkeit auf sich. „Neben mir saß Eintracht Braunschweigs Präsident Ernst Fricke. Er bot mir Hilfe an, falls ich Fragen hätte“, berichtete Schmider der BNN. Diese Hilfe hätte er öfter in Anspruch genommen. Die Braunschweiger waren in dieser Zeit der erste Verein, der mit Trikotwerbung auflief. Die Brust der Eintracht-Spieler zierte 1973 der Hubertushirsch von Jägermeister, informiert der Norddeutsche Rundfunk (NDR). Ein Jahr später zog Schmider nach, die KSC-Spieler warben mit ihrem Trikot für die „Karlsruher Leben“. Um die 100.000 Mark war der Deal damals wert.

    Um Geld ging es für Schmider in jedem seiner 26 Jahre als Präsident. Der Karlsruher SC galt als notorisch klammer Verein, bei dem sich in jeder Saison die Existenzfrage stellte. Ruhig geschlafen hat Schmider bei dieser Ausgangslage nicht immer, verriet er im KSC Legendentalk – und räumte ein: „Ohne die Stadt Karlsruhe wären wir irgendwann von der Bildfläche verschwunden.“ Das Gegenteil war während Schmiders Amtszeit der Fall: In den 1990er-Jahren qualifizierte sich der Karlsruher SC dreimal für den UEFA-Cup. 1994 ging es bis ins Halbfinale. Am 2. November 1993 erlebte Schmider mit den Karlsruhern das „Wunder vom Wildpark“, als der KSC den FC Valencia im Rückspiel, nach einem 1:3 im Hinspiel, mit 7:0 aus dem Wildpark schoss – und mit dem Kantersieg das Achtelfinale erreichte.

    Ende der 1990er-Jahre folgte auf den Höhenflug allerdings der freie Fall, beinahe typisch für die Geschichte des Klubs. Von der Bundesliga ging es in drei Jahren bis in die Regionalliga. Die Insolvenz konnte in letzter Minute verhindert werden. Einen Vertrag mit dem Rechtehändler Michael Kölmel, der den Klub durch eine Zahlung von 15 Millionen D-Mark rettete, setzte Schmider auf, wie die BNN berichtete. Kurz darauf trat er nach 26 Jahren als Präsident zurück.

    Roland Schmider verhandelte mit Uli Hoeneß im heimischen Wohnzimmer

    Viel Geld brachten dem KSC die Deals mit dem FC Bayern München ein, die Schmider oftmals in seinem Wohnzimmer einfädelte. „Uli Hoeneß war damals Stammgast bei uns Zuhause“, erinnerte sich Schmider im KSC Legendentalk. Die beiden Vereinspräsidenten verhandelten um Spieler wie Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Oliver Kreuzer, Thorsten Fink und Michael Tarnat. „Die ganzen Transfers mit dem FC Bayern sind damals korrekt abgelaufen. Wenn dir Uli Hoeneß die Hand gegeben hat, waren die fünf Finger noch dran, wenn du gegangen bist“, blickte Schmider zurück.

    Nur einmal habe er sich mit Hoeneß gestritten, als ihm ein Taxifahrer davon berichtete, dass er den Bayern-Präsidenten zu einem KSC-Spieler gefahren hätte. Schmider hatte zuvor nichts von diesem Treffen gewusst. Ein Eklat, den er mit Hoeneß in einer Aussprache ausräumen konnte.

    Als Ehrenpräsident kann Schmider nun die KSC-Vereinsführung beraten

    In einem Bilderalbum der Schmiders hängen nicht nur Bilder von Hoeneß, sondern auch Erinnerungen an gemeinsame Stunden mit Franz Beckenbauer, Oliver Kahn, Mehmet Scholl, Carl-Heinz Rühl und Winfried Schäfer, wie BNN berichtete. Im Haus finden sich auch Bilder von den allsommerlichen Grillabenden mit der Mannschaft im Garten der Schmiders und Schnappschüsse von Reisen mit der Box-Legende Max Schmeling, damals ein Freund der Familie. Ein Foto mit Nelson Mandela gibt es nicht, Schmider hat ihn aber einst bei einem Staatsempfang kennengelernt, wie er der BNN verriet.

    Als „ewiger Präsident“, wie er im KSC-Umfeld oft genannt wird, hat Schmider so einiges erlebt. Als Ehrenpräsident kann er nun nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern auch die aktuelle Vereinsführung beraten. Vor allem, wenn das Geld knapp werden sollte, dürfte er den ein oder anderen Tipp parat haben.

    Auch interessant: Einige KSC-Legenden haben kuriose Spitznamen. Zudem gibt es zahlreiche prominente Fans des Karlsruher SC.

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