Startseite
Icon Pfeil nach unten
Sport
Icon Pfeil nach unten

Österreichs Marcel Sabitzer: Der Prototyp einer Nervensäge

Fußball-EM

Der Prototyp der Nervensäge im Trikot der Österreicher

    • |
    Antreiber im Spiel der Österreicher: Marcel Sabitzer von Borussia Dortmund zählt zu den Lieblingsspielern von Trainer Rangnick.
    Antreiber im Spiel der Österreicher: Marcel Sabitzer von Borussia Dortmund zählt zu den Lieblingsspielern von Trainer Rangnick. Foto: Andreas Gora, dpa

    Wer sich in Berlin schnell bewegen möchte, bleibt am besten in seinem Kiez. Insofern findet die österreichische Nationalelf gerade ein ideales Cluster der kurzen Wege vor: Wer im Schlosshotel Grunewald wohnt, auf dem Stadion am Wurfplatz übt, Medientermine auf dem Messegelände abhält und im Olympiastadion spielt, der kann gar nicht viel Zeit vergeuden, so nah liegt alles beieinander. Gute Voraussetzungen, wenn es Österreich im dritten EM-Gruppenspiel gegen die Niederlande (Dienstag 18 Uhr/RTL und MagentaTV) ums Weiterkommen geht. Nicht nur der österreichische Führungsspieler Marcel Sabitzer erwartet „ein hartes Stück Arbeit“. Vorher hat man sich sogar bei einem Badeausflug an den Berliner Schlachtensee vergnügt, wo sich die Kicker ruhig wie Kinder verhalten durften. 

    An Ernsthaftigkeit wird es allerdings gegen die Niederlande nicht fehlen. „Wir wollen auch dieses Spiel gewinnen“, hat Sabitzer als Losung ausgegeben. Bloß nicht darauf verlassen, dass möglicherweise auch eine knappe Niederlage die Tür ins Achtelfinale öffnen würde. „Wir brauchen Intensität.“ Dafür steht ja das Kraftpaket mit der breiten Brust, den eine besondere Beziehung zum Teamchef Ralf Rangnick verbindet. Als der Schwabe noch als Projektleiter bei RB Leipzig arbeitete, holte er den 30-Jährigen einst bereits vor zehn Jahren ins Red-Bull-Reich, verlieh ihn aber zunächst für eine Saison an den Partnerklub in Salzburg. 

    Sabitzer startete in der zweiten Bundesliga

    Seine ersten Spiele in Deutschland bestritt Sabitzer ab der Saison 2015/2016 noch gegen Gegner wie den SV Sandhausen oder FSV Frankfurt. Einmal sagte er mit süffisantem Unterton: „So gut, wie ich dachte, bin ich wohl doch nicht, sonst würde ich nicht in der zweiten deutschen Bundesliga spielen.“ Der Brauseklub stieg bekanntlich schnell auf – und Sabitzer ebenso rasant in der Wertschätzung. Über Jahre galt er in der Bundesliga als einer der Mittelfeldspieler mit der meisten Energie und dem größten Einfluss. Weil er hinten, vorne und überall Akzente setzten kann. 

    Dass er beim FC Bayern vor drei Jahren nicht annähernd seine Allroundqualitäten entfaltete; dass er bei Borussia Dortmund einigen Anlauf benötigte, um erst in der Endphase der Saison vor allem in der Champions League wieder zum Unterschiedsspieler zu werden, zeigt einmal mehr, dass es für bestimmte Spieler gewisse Trainer braucht, die ihre Stärken und Schwächen kennen. Beim BVB war Sabitzer zwar im Viertelfinale gegen Atlético Madrid ein überragender Allesmacher, aber im Nationalteam ragt der Mittelfeldmann viel öfter heraus. 

    Rangnick hat ohne Nachfrage vergangenen Freitag wieder erwähnt, wie gut ihm der nach dem verlorenen Champions-League-Finale mit einem Sonderurlaub bedachte Antreiber beim Arbeitssieg gegen Polen (3:1) gefallen habe. Weil da einer in seinem System eine Rolle bekleidet, wie es der Lehrmeister möchte. Der Ansatz gegen Gegner wie die Niederlande – gegen die Österreich seit 34 Jahren übrigens nicht gewonnen hat – ist unter Rangnick eigentlich immer derselbe.

    Österreich wird zum Favoritenschreck

    Früh attackieren, ständig nerven, „dann ist das eklig, dann will man nicht ferne gegen uns spielen“, sagt Sabitzer. Gegen Deutschland gelang das im November vergangenen Jahres im Wiener Prater fast in Perfektion. Doch inzwischen hat sich herumgesprochen, dass die Auswahl aus der Alpenrepublik ein Favoritenschreck ist, der mit der Attitüde als ständige Nervensäge reüssieren möchte. Für einen anderen Ansatz fehlt die spielerische Qualität.

    Den 80-fachen Nationalspieler Sabitzer hat es übrigens ziemlich geärgert, dass ihn die heimische Presse beim Auftaktspiel gegen Frankreich (0:1) so schlecht bewertete. „Da war ich ja angeblich der schlechteste Mann“, meinte der gebürtige Grazer süffisant in der Mixed Zone des Olympiastadions, wo ihm Fragen nach der besonderen Stimmung viel lieber waren. Natürlich sporne es einen an, wenn man sich die Videos anschaue, wie viele Landsleute sich gerade mit dem Nationalteam identifizieren. Sabitzers Versprechen: „Am Dienstag machen wir weiter. Das erste Ziel ist, erstmal weiterzukommen – und dann schauen wir mal.“ Man will ja mehr als nur seinen Kiez kennenlernen. 

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden