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Olympische Spiele: Wie sollen die Trainingsanzüge aussehen? Als zwei deutsche Mannschaften in Cortina antraten

Olympische Spiele

Wie sollen die Trainingsanzüge aussehen? Als zwei deutsche Mannschaften in Cortina antraten

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    Skiläuferin Ossi Reichert holte im Riesenslalom die einzige deutsche Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo.
    Skiläuferin Ossi Reichert holte im Riesenslalom die einzige deutsche Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen 1956 in Cortina d'Ampezzo. Foto: picture alliance / dpa

    Cortina d’Ampezzo ist für den deutschen Sport von besonderer Bedeutung. Als in dem italienischen Wintersportort 1956 erstmals Olympische Spiele stattfanden, war dies auch der erste Auftritt von Sportlern aus der DDR bei Olympischen Spielen. Sie traten in der erstmals gebildeten gesamtdeutschen Mannschaft an. Die DDR wäre vor 70 Jahren lieber mit einem eigenständigen Team gestartet. Doch im Westen pochte man darauf, dass es nur ein Deutschland gebe und erkannte die DDR nicht als Staat an – eine Position, die von der Mehrheit der Sportwelt geteilt wurde: Das Nationale Olympische Komitee (NOK) der Bundesrepublik war vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bereits 1951 als Sportvertretung für ganz Deutschland anerkannt worden.

    Bei den Olympischen Winterspielen 1956 gingen 52 westdeutsche und elf ostdeutsche Sportler für Deutschland an den Start. Die Auswahl erfolgte über Qualifikationswettkämpfe. „Im Westen war der Wintersport verbreiteter, die westdeutsche Dominanz im Team war keine Überraschung. Die Qualifikation verlief fair“, sagt die Sportwissenschaftlerin Juliane Lanz, die an der Uni Rostock den Hochschulsport leitet. Sie hat zu den gemeinsamen deutschen Olympiamannschaften promoviert. Andere Fragen waren schwieriger zu lösen: Unter welche Flagge tritt Deutschland an, wie sollen die gemeinsamen Trainingsanzüge aussehen, welche Hymne soll im Falle einer Goldmedaille gespielt werden?

    Rosa „Ossi“ Reichert holte das einzige Gold. Sie ist ein Wessi.

    Die Flagge war noch das geringste Problem, denn die DDR-Flagge mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz wurde erst 1959 eingeführt – Schwarz-Rot-Gold flatterte also in Cortina d’Ampezzo neben den Fahnen der anderen Nationen im Wind. Bei den Trainingsanzügen lehnte die DDR den Bundesadler als Symbol ab. Und bei der Musik für den Sieger bestanden beide Seiten auf ihrer Nationalhymne. Das IOC musste vermitteln. Auf der einheitlichen Sportkleidung wurde der Bundesadler durch die olympischen Ringe auf dem Hintergrund der Nationalfarben ersetzt. Bei der Hymne einigte man sich darauf, dass die Melodie desjenigen Staates erklingen soll, aus dem der Goldmedaillengewinner stammt. Die westdeutschen Sportfunktionäre waren erleichtert, dass ihnen „Aus Ruinen auferstanden“ erspart blieb – die Allgäuerin Rosa „Ossi“ Reichert holte für das gesamtdeutsche Team im Riesenslalom die einzige Goldmedaille. Doch auch der Osten war nicht unzufrieden, denn Harry Glaß aus Klingenthal landete beim Skispringen auf dem dritten Platz und wurde mit der ersten olympischen Medaille für die DDR belohnt.

    Bei den Sommerspielen 1956 im australischen Melbourne gab es dann einen anderen Musikkompromiss: Bei den sechs Siegen deutscher Sportler (fünf aus dem Westen, einer aus dem Osten) erklang die 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Auch das deutsche Hockeyteam stand als Dritter auf dem Treppchen. Als „gesamtdeutsch“ kann es aber eigentlich nicht bezeichnet werden, denn die DDR hatte den Vorschlag der BRD auf gemischte Mannschaften abgelehnt, sodass im Hockey – wie auch im Wasserball und Fußball – nur westdeutsche Spieler eingesetzt wurden.

    Lanz hat für ihre Doktorarbeit 62 Teilnehmerinnen der Olympischen Spiele in den 50er und 60er Jahren nach dem Verhältnis zwischen den west- und ostdeutschen Sportlern befragt. Von den Teilnehmern der Spiele 1956 sagen jeweils etwa 80 Prozent Befragten, dass sie Kontakt zu Sportlern aus dem deutschen Nachbarland hatten. Auf westdeutscher Seite berichten vor allem Turner, Segler, Boxer, Fechter und Hockeyspieler von einem offenen Umgang mit ostdeutschen Sportlern und einem guten Mannschaftsgeist.

    Bei den Spielen 1960 und 1964, als ebenfalls gesamtdeutsche Mannschaften an den Start gingen, waren diese Werte deutlich niedriger. Besonders nach dem Mauerbau kühlten die Beziehungen ab. 1964 in Tokio saßen die Mannschaften nicht mehr gemeinsam beim Essen. „Das war absolut unerwünscht“, erinnert sich die DDR-80 Meter-Hürdenolympiasiegerin Karin Balzer. Ein Jahr später war dann das Aus der gemeinsamen deutschen Olympiamannschaft besiegelt: Gegen westdeutschen Widerstand entschied das IOC mit großer Mehrheit auf einer Sitzung in Madrid, dass die DDR künftig mit einer eigenen Mannschaft bei den Olympischen Spielen antreten durfte, wobei bei Siegen deutscher Sportler bei den Spielen 1968 weiter Beethovens 9. erklingen sollte.

    Ausgerechnet in München 1972 wurden dann erstmals bei Olympischen Sommerspielen DDR-Sieger mit ihrer Hymne gewürdigt. 20 Mal erklang „Auferstanden aus Ruinen“, 13 Mal „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Die DDR hatte ihre sportpolitischen Ziele erreicht.

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