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Radsport: Palästina-Proteste überlagern die Vuelta

Radsport

Palästina-Proteste überlagern die Vuelta

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    Die pro-palästinensischen Proteste überlagern das Radrennen durch Spanien.
    Die pro-palästinensischen Proteste überlagern das Radrennen durch Spanien. Foto: Miguel Oses, AP/dpa

    Normalerweise ist die Spanien-Rundfahrt, die Vuelta a España, eine sportliche Großbühne: drei Wochen, 21 Etappen, über 3000 Kilometer quer durch das Land. Ein Fest für die Radsportfans – die drittgrößte Rundfahrt der Welt nach Tour und Giro. 2025 aber hat sich dieses Rennen in etwas verwandelt, was niemand so geplant hatte: in ein Politikum und in eine rollende Protesttribüne für Palästina.

    Schon wenige Tage nach dem Start war klar, dass es nicht mehr nur um Sekunden und Trikots gehen würde. Am Straßenrand tauchten immer häufiger palästinensische Fahnen auf. Parolen wie „Freies Palästina!“, „Israel, raus aus dem Wettbewerb!“ und „Das ist kein Krieg, das ist Völkermord!“ übertönten Applaus und Anfeuerungsrufe.

    Die Protestaktionen sind gefährlich für die Fahrer

    Manche Protestaktionen sind symbolisch, andere gefährlich: Straßenblockaden, Reißzwecken auf dem Asphalt, ein gefällter Baum, der die Strecke versperrte. Mehrfach mussten Etappen verkürzt oder neutralisiert werden.

    Dass gerade in Spanien eine solche Protestwelle losbricht, ist kein Zufall. Die Mitte-links-Regierung unter dem sozialdemokratischen Premier Pedro Sánchez ist in der EU zur lautesten Stimme gegen Israels Kriegsführung im Gazastreifen geworden. Madrid hat Palästina als Staat anerkannt, im Alleingang Sanktionen gegen die Regierung Benjamin Netanjahus verhängt – und sie fordert den Ausschluss Israels aus internationalen Wettbewerben.

    Die öffentliche Meinung im Land folgt dieser Linie: Seit Jahrzehnten sympathisiert ein Großteil der spanischen Gesellschaft mit der palästinensischen Sache. Die Regierung Sánchez spricht offen von „Völkermord in Gaza“. Außenminister José Manuel Albares sagt: Auch im Sport könne man nicht ignorieren, dass Israel „mit Bomben und Hunger“ Tausende Menschen in Gaza töte.

    Nun haben Aktivisten das Spanien-Radrennen genutzt, um diese Haltung aller Welt deutlich zu machen. Die Vuelta wurde zum Verstärker einer gesellschaftlichen Empörung. Im Fokus der Kontroverse steht das Team Israel-Premier Tech. Kritiker sehen in der Team-Gründung ein Projekt, um Israels internationales Ansehen angesichts wiederholter Völkerrechtsverstöße und des fortgesetzten Siedlungsbaus in den Palästinensergebieten über den Sport zu verbessern. Eigentümer ist der israelisch-kanadische Unternehmer Sylvan Adams, Multimillionär und enger Vertrauter von Premierminister Netanyahu.

    Die Fahrer des israelischen Teams werden ausgebuht

    In Spanien schlug diese Wahrnehmung nun in offene Ablehnung um: Fahrer wurden ausgebuht, beschimpft und sogar mit Tomaten beworfen. Die Teamleitung entfernte daraufhin den Schriftzug „Israel“ von Bussen und Trikots. Doch die Proteste ebbten nicht ab.

    Die Organisatoren der Vuelta stecken in der Zwickmühle. Sie pochen auf Sicherheit, wollen aber kein politisches Urteil über Israel fällen. Hinter den Kulissen hieß es zugleich, die einfachste Lösung sei der Rückzug des israelischen Teams – was dieses ablehnte.

    Während die meisten Fahrer schweigen, zeigt der dänische Vuelta-Spitzenreiter Jonas Vingegaard Verständnis für die Protestwelle: „Die Leute tun das aus einem Grund. Es ist schrecklich, was passiert.“ Sätze, die zeigen, dass das Fahrerfeld nicht nur über Geraden und durch Kurven fährt, sondern mitten durch eine politische Debatte.

    An diesem Sonntag soll die Vuelta in der Hauptstadt Madrid enden. Die Behörden mobilisieren tausende Polizisten und Sicherheitskräfte, um die Strecke abzusichern. Wie auch immer dieses Chaos-Radrennen ausgeht: Für die Protestierenden sind ihre Aktionen jetzt schon ein Erfolg. Sie haben erreicht, dass die Sache Palästinas die Schlagzeilen bestimmt. Oder wie es spanische Sport-Kommentatoren ausdrückten: „Palästina hat die Spanien-Rundfahrt gewonnen.“

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