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Radsport: Radstar Florian Lipowitz: „Es ist nicht leicht, mit dieser ungewohnten Aufmerksamkeit klarzukommen“

Radsport

Radstar Florian Lipowitz: „Es ist nicht leicht, mit dieser ungewohnten Aufmerksamkeit klarzukommen“

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    Bei den Fans im Mittelpunkt: der neue deutsche Radstar Florian Lipowitz.
    Bei den Fans im Mittelpunkt: der neue deutsche Radstar Florian Lipowitz. Foto: Jan Woitas, dpa

    Herr Lipowitz, Sie haben eine sechswöchige Pause hinter sich. Wie sehr kribbelt es, nun wieder aufs Rad zu steigen und mit der Vorbereitung auf die neue Saison zu beginnen?
    FLORIAN LIPOWITZ: Sechs Wochen sind eine lange Zeit. Definitiv fehlt mir dann das Gefühl, nach dem Training müde und kaputt nach Hause zu kommen. Wenn’s draußen nur drei, vier Grad hat und mit Regen zu rechnen ist, gehört ein bisschen Überwindung dazu, aber Radfahren ist auch mein Job. Ich habe mich auf jeden Fall gefreut, wieder auf dem Rad zu sitzen.

    Werden Sie nach der Tour de France, als Sie sensationell Gesamt-Dritter geworden sind und das Weiße Trikot des besten Jung-Profis gewonnen haben, nun häufiger in der Öffentlichkeit erkannt?
    LIPOWITZ: Jetzt lässt’s etwas nach, aber direkt nach der Tour kam das öfter vor. Der ein oder andere Autofahrer hat an der Straße angehalten oder ist nebenher gefahren. Die meisten wollten nur ein Bild machen. Es ist auf jeden Fall schön zu sehen, dass man die Leute für den Radsport begeistern kann.

    Im Rampenlicht zu stehen ist nicht jedermanns Sache. Wie gehen Sie mit dieser neuen Situation um?
    LIPOWITZ: Leute, die mich kennen, wissen, dass ich eine introvertierte Person bin. Die Wochen danach waren nicht so einfach. Es ist nicht leicht, mit dieser ungewohnten Aufmerksamkeit klarzukommen. Zudem hatte ich auch gesundheitlich ein wenig zu kämpfen. Dass der Körper erschöpft war und ein bisschen gestreikt hat, war sicher auch eine Auswirkung des ganzen Trubels. Als Leistungssportler bewegt man sich immer an der Grenze, hat viele Höhen und Tiefen. Natürlich muss man da die richtige Balance finden.

    Wie lief Ihre Pause ab? Was stand im Vordergrund?
    LIPOWITZ: Die drei Wochen bei der Tour waren mega zehrend. Daher war ich die ersten ein, zwei Wochen danach ziemlich platt. Dann hatte ich eine Operation. Die Nasenscheidewand wurde begradigt. Damit waren zwei weitere Wochen vorüber. Was macht man in der Freizeit? Ich habe mich um Rechnungen und die Steuererklärung gekümmert. Natürlich versucht man auch schon mal das Leben zu genießen. Fünf, sechs Wochen hören sich lang an, aber ruckzuck ist man wieder im Training.

    Als Rad-Profi sind Sie in der ganzen Welt unterwegs. Zwischendurch kommt man immer wieder nach Hause. Was bedeutet Ihnen Heimat?
    LIPOWITZ: Das bedeutet mir viel. Mit Seefeld in Österreich, wo ich wohne, und Laichingen, wo ich aufgewachsen bin, habe ich zwei Heimat-Orte. Oft bekochen mich die Eltern, wenn ich heimkomme, meistens gibt es Linsen mit Spätzle. Opa und Oma wohnen nebenan. Laugengebäck gibt es auch in Österreich, aber daheim bekommt man auf jeden Fall die besseren Backwaren. Im Herzen würde ich mich auf jeden Fall als Schwaben bezeichnen.

    Seit der Tour de France werden Sie als der große deutsche Hoffnungsträger bezeichnet. Das kann auch eine Belastung sein.
    LIPOWITZ: Ich versuche, das am Ende ein bisschen auszublenden. Man kann nicht mehr geben als gut zu trainieren, auf die Ernährung zu achten und so weiter, dann kann man sich nichts vorwerfen. Klar, mit dem Erfolg kommt auch ein hoher Erwartungsdruck. Das ist etwas Neues für mich, aber man muss auch damit umgehen können.

    Wie sehen Sie die Entwicklung des deutschen Radsports?
    LIPOWITZ: Man sieht, dass der Radsport zurückkommt. Seitdem ich vor fünf Jahren, damals im Team Tirol, angefangen habe, sieht man viel mehr Leute auf dem Rad. Georg Steinhauser hat vergangenes Jahr eine Etappe beim Giro d’Italia gewonnen, Nico Denz in diesem Jahr. Es wäre schön, wenn Deutschland wieder ein Etappen-Rennen in der World Tour hätte. Ich bin allerdings schon froh, dass es die Deutschland-Tour gibt. Es gab eine Zeit, da wurde Radsport im Fernsehen eher missachtet. Das ist jetzt anders. Ich würde mich auch freuen, wenn man auch mehr in Radwege und Infrastruktur für Radfahrer investieren würde.

    Das Jahr geht schon langsam dem Ende entgegen. Haben Sie irgendwelche Vorsätze?
    LIPOWITZ: Nein, nicht wirklich. Die hält man eh meistens nicht ein. Ich will so weitermachen wie die letzten Jahre auch. Man könnte sagen, man achtet vielleicht ein bisschen mehr auf Ernährung oder ähnliche Punkte. Aber ich glaube, ich bin ganz froh, dass ich mir auch noch erlaube, morgens ein Nutella-Croissant zu essen oder die eine oder andere Tafel Schokolade. Das sieht man mir zu Jahresbeginn nicht sehr rapide an.

    Zur Person:

    Florian Lipowitz wurde am 21. September 2000 in Laichingen geboren. Zunächst hatte es ihm Biathlon angetan. Er wurde deutscher Meister in der Schüler-Klasse und gehörte dem Nationalkader an. Zusammen mit seinem Bruder Philipp ging er aufs Ski-Gymnasium in Stams (Österreich). Aufgrund einer Knieverletzung musste Lipowitz die Sportart aufgeben. Er stieg aufs Rad um. Sein erstes Team war Tirol KTM, seit 2023 fährt er in der World Tour für den Rennstall Bora-hansgrohe, bei dem 2024 Red Bull eingestiegen ist. (eye)

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