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Randbemerkung: Ein schöner Schwinger schickt die Violine zu Boden

Randbemerkung

Ein schöner Schwinger schickt die Violine zu Boden

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    Boxen ist nichts für Weicheier, seit Neuestem aber für Violinistinnen.
    Boxen ist nichts für Weicheier, seit Neuestem aber für Violinistinnen. Foto: Gregor Fischer, dpa

    Boxen und Geige spielen haben auf den ersten Blick wenig gemeinsam. Hier spritzt bisweilen Blut, mindestens aber Schweiß in die ersten Zuschauerreihen, dort wird versunken der Musik gelauscht. Grobes Hand- trifft auf edles Kunstwerk, möchte man meinen. Das fängt ja schon damit an, dass ein leicht bekleideter Kerl mit Handschuhen kaum etwas Wohlklingendes aus einer Geige herausbekommt. Umgekehrt dürften die feinen Hände eines Violinisten kaum dazu geeignet sein, dem Kontrahenten die Kauleiste zu polieren. Doch es gibt tatsächlich Schnittmengen. Beide Betätigungen erfordern, so steht es in der raren Fachliteratur, eine hohe körperliche Präzision, Koordination und mentale Disziplin. Körperbeherrschung, Ausdauer und die Notwendigkeit, Verspannungen trotz hoher Konzentration zu vermeiden, sind verbindende Elemente. Und es geht um die möglichst exakte Koordination von Augen, Armen und Händen, wenngleich das Ergebnis unterschiedlicher kaum sein könnte. Oder doch nicht?

    In Finnland verschmolzen Sport und Musik nun in einem magischen Moment zu einer Einheit, wie es sie vielleicht noch nie gegeben hat. Während eines Konzerts im finnischen Lahti spielte die Violistin Elina Vähälä hingebungsvoll auf ihrer Geige. Wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte: Bei der Geige handelte es sich um eine Guadagnini im Wert von rund einer Million Euro. Mindestens ebenso hingebungsvoll wie die Musikerin dirigierte Matthew Halls das Orchester. Auf einem Video ist zu sehen, wie er dabei mit einer ausladenden Bewegung des linken Arms die Violine trifft und diese im hohen Bogen über die Schulter von Vähälä fliegt und auf den Boden kracht. Im Boxen wäre an dieser Stelle von einem perfekt gesetzten Schwinger die Rede, also einem weit ausholenden, bogenförmigen Schlag, der aus Hüfte und Schulter rotiert wird.

    Dem K.o. folgten bange Minuten. Eine erste Untersuchung des Patienten ergab keine Auffälligkeiten. Zur Sicherheit wurde das edle Instrument aber auch noch von einem Geigenbauer gründlich inspiziert. Seine Diagnose: keine Risse, keine Kratzer, nichts gebrochen. Lediglich eine Verklebung musste erneuert werden. Oder anders formuliert: ein bisschen Kopfweh und eine kleine Platzwunde an der Lippe, ansonsten alles okay. Das Konzert ging übrigens (mit einer Ersatzgeige) über die vollen zwölf Runden. Alle Kämpfer und Musikerinnen blieben unverletzt.

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