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Schwedinnen weinen nach groteskem Elfmeterschießen bei EM

Fußball-EM der Frauen

Und auf einmal wird es grotesk

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    Die Schwedinnen betrauerten eine Niederlage, die es so nicht hätte geben dürfen.
    Die Schwedinnen betrauerten eine Niederlage, die es so nicht hätte geben dürfen. Foto: Sebastian Christoph Gollnow, dpa

    Es gibt eine einzige Straße, sagen die Bewohner Zürichs, auf der die Menschen nie schlafen würden. Wobei die wilde Partymeile Langstrasse gar nicht zum smarten Charakter dieser Stadt passt. Nun trat ein ähnlicher Widerspruch im Stadion Letzigrund beim Viertelfinale dieser Frauen-EM zwischen Schweden und England (2:3 im Elfmeterschießen) auf, weil nach anfangs hochklassigen 120 Minuten groteskes Versagen aus elf Metern den guten Eindruck kassierte. Eigentlich hatten sich die „Lionesses“, die spät ein 0:2 durch einen Kraftakt ihrer unzerstörbaren Rechtsverteidigerin Lucy Bronze (79.) und ihrer wuchtigen Einwechselstürmerin Michelle Agyemang (81.) wettgemacht hatten, durch vier Fehlversuche schon vom Zürichsee verabschiedet. Doch die Schwedinnen dilettierten bei sieben Anläufen gleich fünfmal.

    Die routinierte Torhüterin Jennifer Falk war nach drei gehaltenen Versuchen zu übermütig und jagte den Ball hoch in den Nachthimmel, wie einst Uli Hoeneß im EM-Endspiel 1976. „Ich dachte nur, ich atme ein paar Mal tief durch und versuche dann, den Ball nach links zu schießen“, berichtete die Keeperin. „Das ist mir nicht gelungen, was im Moment sehr schwer ist.“ Der scheidende Trainer Peter Gerhardsson, für den die schwedischen Fans in der Kurve gegen Mitternacht ein großes Plakat zur Danksagung spannten, habe sie gefragt, „ob ich einen Elfmeter schießen kann, und ich habe ‚Ja‘ gesagt“, erklärte die 32-Jährige. „Nein“ wäre besser gewesen. Und dann war da noch die erst 18 Jahre alte Smilla Holmberg, der beim bitteren Schlussakt dasselbe Missgeschick unterlief – in Sturzbächen liefen ihr hernach die Tränen über die Wangen. 

    Neun vergebene Elfmeter: Das gab es noch nie

    Der Deutschland-Schreck hatte den Titelverteidiger doch noch vom Haken gelassen. Teilweise haben die bitterlich weinenden Verliererinnen unfassbar schlecht geschossen. Die Siegerinnen konnten das Happy End kaum fassen, als die Stadionregie das unvermeidliche „Sweet Caroline“ auflegte, das schon vor drei Jahren das Wembley-Stadion in ein Tollhaus verwandelt hatte. Doch diesmal tanzten die Protagonisten anfangs gar nicht, denn selbst Sarina Wiegman musste sich erst einmal sammeln. „Das war eines der härtesten Spiele, die ich je gesehen habe. Wir hätten vier oder fünf Mal ausscheiden können“, sagte Englands Erfolgstrainerin. Sie müsse sich nach diesem verrückten Spiel „erst einmal beruhigen“, bat die Niederländerin, die erst mit ihrem Heimatland 2017, dann mit dem Mutterland des Fußballs 2022 dieses Turnier gewann.

    Alles, was zwischenzeitlich an fußballerischer Klasse zwischen zwei Topnationen in dem Leichtathletikstadion aufblitzte, vor allem bei der großartigen Schwedin Stina Blackstenius, die das frühe 1:0 von Kosovare Asllani einleitete (2.) und das 2:0 selber schoss (25.), geriet in den Hintergrund. Neun vergebene Elfmeter gab es in der EM-Historie natürlich noch nie. Es kam vieles zusammen. Nervenflattern, Kräfteverschleiß. Natürlich sollte die eine oder andere auch mal an der Schusstechnik feilen. Was es aber bloß nicht brauchte, waren spöttische Kommentare.

    Diese Europameisterschaft ist ein wundervolles Turnier

    Der Männerfußball ist voll von aberwitzigen Missständen, deshalb sind auch dem Frauenfußball amateurhaft anmutende Fehlleistungen erlaubt. Ansonsten wird in der Schweiz ein sportlich gutes, angenehm faires, organisatorisch perfektes und atmosphärisch großartiges Turnier gespielt, das auf vielen Ebenen Vorbildcharakter hat. Fast zu gleichen Teilen sind Frauen und Männer, Mädchen und Jungs in den fast immer ausverkauften Stadien. Jeder wird akzeptiert und respektiert. Und alles ist friedlich wie fröhlich.

    Das ist viel wert in der heutigen Zeit, in der sich der in Zürich ansässige Weltverband und die größten Klubs Europas vor kurzem bei der Klub-WM nicht geschämt haben, fragwürdige Doppelpässe zu spielen. Man hat wegen des Geldes gegenüber Gianni Infantino und Donald Trump gebuckelt. Wenn bei der Frauen-EM eine Mehrzahl von Strafstößen nicht verwandelt wird, macht das gar nichts. Kopf hoch. Tränen trocknen. War trotzdem beste Abendunterhaltung.

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