Startseite
Icon Pfeil nach unten
Sport
Icon Pfeil nach unten

Sieg! Viertelfinale! Glückseligkeit? Nicht bei den DFB-Frauen

Fußball-EM der Frauen

Trotz Viertelfinaleinzug gibt es erhöhten Redebedarf im DFB-Team

  • |
  • |
  • |
  • |
    Sjoeke Nüsken bejubelt ihr Elfmetertor zum 1:1. Auch sie hat offensichtlich Redebedarf.
    Sjoeke Nüsken bejubelt ihr Elfmetertor zum 1:1. Auch sie hat offensichtlich Redebedarf. Foto: Sebastian Gollnow , dpa

    Es gab am Tag danach einiges zu besprechen, als DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit Sportdirektorin Nia Künzer das Pressezentrum am Kalanderplatz in Zürich aufsuchte. Eine Talkrunde, die vom Timing nach dem EM-Viertelfinaleinzug der deutschen Fußballerinnen durch den Kraftakt gegen Dänemark (2:1) besser nicht hätte angesetzt werden können – und dabei nicht in Verdacht geriet, Schönfärberei zu betreiben. Die selbstkritische Attitüde, die im St. Jakob-Park bereits Bundestrainer Christian Wück und die meisten Spielerinnen offenbarten, setzte der Verbandschef nahtlos fort. Man werde nicht dazu neigen, „positive Dinge darzustellen, die erste Halbzeit nicht gut gelaufen sind“: Man habe „das erste Ziel erreicht, aber alle sehen, dass es noch Potenzial gibt“, führte der 64-Jährige aus. 17.000 deutsche Fans in Basel und rund sieben Millionen Fernsehzuschauer bei der ARD werden nach dem „Mentalitätssieg“ (Wück) kaum widersprechen.

    Nun geht’s im Letzigrund vor der Haustür des Basecamps in Zürich gegen Schweden (Samstag 21 Uhr/ZDF) um den Gruppensieg – und danach warten entweder Frankreich, England oder Niederlande in der K.o.-Runde. Im weiteren Turnierverlauf müsse „eine Steigerung“ her, forderte Neuendorf, „das weiß das Trainerteam besser als ich.“ Nicht jeder seiner Vorgänger hat für die oft kritikfrei behüteten Frauen so realistische Einschätzungen abgegeben.

    DFB-Frauen bei der EM 2025: Die Zwischenbilanz fällt nicht nur positiv aus

    Klar, die Teamchemie stimmt, das spürte auch der DFB-Chef bei seinen ersten Besuchen, „aber ein gutes Miteinander garantiert nicht, weit zu kommen.“ Diese Anmerkung streute Künzer sein. Auch die 45 Jahre alte Weltmeisterin zog ohne Überschwang eine Zwischenbilanz: Das Team sei grundsätzlich zwar „auf einem guten Weg“, aber man solle „nicht zu euphorisch“ sein.

    Es war gegen zähe Däninnen letztlich ein Kampf auf Biegen und Brechen. Der Dauerdruck in Halbzeit zwei zahlte sich aus – wie schon gegen die Polinnen. Mit Rückschlägen wie einem nach VAR-Intervention zurückgenommenen Führungstor und Elfmeter als auch einem Rückstand müsse ein Team erstmal fertig werden. „Das macht was mit einer Mannschaft“, erläuterte Wück. Dass sein Ensemble gefühlige Botschaften an die verletzte Kapitänin Giulia Gwinn auf Tape und Trikot beim Teamfoto überbrachte, war das eine – dass die Gemeinschaft tatsächlich ohne Gwinn und Lena Oberdorf, und sowieso ohne Marina Hegering und Alexandra Popp nach deren Rücktritten diese Widerstände überwand, war der wichtigste Entwicklungsschritt sei seinem Amtsantritt.

    Jenes Fragezeichen schwebte stets über der Gipfelsturm-Mission. Für den Bundestrainer können deutsche Tugenden auch in der schönen Schweiz Berge versetzen. „Es gibt bestimmte Charaktereigenschaften, wo sich Frauen- und Männerfußball nicht unterscheiden. Mentalität hat deutsche Mannschaften immer ausgezeichnet.“ Schon mit den U17-Junioren hat dieser Fußballlehrer davon profitiert. Hätte sich seine wilde Nachwuchstruppe sonst 2023 bei der WM in Indonesien gegen Spanien, Argentinien und Frankreich durchgesetzt? Kampfgeist, Wille und Leidenschaft sind für Wück zeitlos und geschlechterübergreifend gültig.

    Bundestrainer Wück will an Details arbeiten

    Die Frauen wären sonst auch nie acht Mal Europameister geworden. Natürlich ist dem 52-Jährigen bei dieser Endrunde nicht verborgen geblieben, dass die Französinnen und Spanierinnen für eine höhere fußballerische Qualität stehen. „Wir wollten spielerisch auf höherem Niveau agieren. Wir haben noch Verbesserungsbedarf. Heute schauen wir drüber hinweg.“ Aber morgen werde man auf dem Trainingsplatz an den Defiziten wie dem ersten Kontakt arbeiten. Wück versicherte dennoch: „Wir müssen uns vor keiner Nation verstecken.“

    Eigentlich hatte der von Verwandten und Freunden in die Grenzregion mit Wück-Trikots begleitete Unterfranke nach dem erreichten Minimalziel ausgesprochen gute Laune, wären da nicht die risikoreichen Dribblings seiner Torhüterin Ann-Katrin Berger bis tief in die Nachspielzeit gewesen. Ob ihm das gefallen habe? „Nein“, sagte er mit ernster Miene. „Ich werde mich mit ihr an einen Tisch setzen. Wir müssen andere Lösungen finden, sonst werde ich nicht alt!“

    Schwelt da ein Konflikt mit Torfrau Ann-Katrin Berger?

    Es könnte eine interessante Debatte werden. Deutschlands „Fußballerin des Jahres“ entgegnete in der Mixed Zone: „Mal gucken, was er zu sagen hat. Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein echt gutes Gefühl hatte. Aus Zuschauersicht sieht es anders aus als bei mir.“ Künzer verriet, sie habe mit bei Gotham FC vergangenes Jahr zur besten Torhüterin der US-Liga gewählten Grenzgängerin beim Frühstück geredet, aber da sei es erst einmal nur um die leichte Brustbeinprellung der 34-Jährigen gegangen. „Alles andere besprechen wir noch.“

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren