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Skispringen im Olympia-Winter: Wie die deutschen Adler die neuen Regeln meistern

Skispringen

Wellinger, Paschke und Geiger suchen auch im Sommer nach dem perfekten Sprung

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    Die DSV-Springer (von links) Pius Paschke, Karl Geiger und Andreas Wellinger haben bereits die Olympischen Spiele in Italien im Hinterkopf.
    Die DSV-Springer (von links) Pius Paschke, Karl Geiger und Andreas Wellinger haben bereits die Olympischen Spiele in Italien im Hinterkopf. Foto: Ralf Lienert

    Der Sommer steuert auf seinen Endspurt zu. Höchste Zeit, einen Blick auf die Skispringer zu werfen. Denn das weiß jeder Skisprungfan: Wintersportler werden im Sommer gemacht. Jetzt muss geschwitzt werden, um ab November die Ernte einfahren zu können. Bis zum Auftaktspringen der Vierschanzentournee am 29. Dezember in Oberstdorf sind es noch gut vier Monate. Außerdem steht in diesem Winter ein weiterer Höhepunkt im Kalender. Am 6. Februar beginnen die Olympischen Winterspiele in Italien.

    Die Springer starten in Val die Fiemme in Predazzo. Ein Ort mit großer Skisprungtradition, die Athleten erwartet jedoch eine neue Anlage. In der Öffentlichkeit wird gerne verkauft, dass Olympia nachhaltiger wird und an traditionelle Orte zurückkehrt. Tatsache ist jedoch, dass die Anlage in Val die Fiemme veraltet war. Zwei neue Schanzen wurden gebaut. Die ursprünglich veranschlagten Kosten von neun Millionen Euro schnellten auf über 40 Millionen Euro in die Höhe. Wie so oft bei Großprojekten mussten die Organisatoren viel tiefer in die Tasche greifen als geplant.

    Karl Geiger über den Sommer vor dem Olympiawinter

    Erfahrungswerte auf den neuen Olympiaschanzen gibt es deswegen für die deutschen Adler nicht. Andreas Wellinger bereitet dieser Umstand kein Kopfzerbrechen. „Die Profile aller neuen Schanzen sind sehr ähnlich, was Radius, Tisch und Flugkurve angeht“, sagte der 29-Jährige bei einem Medientermin an der Schattenbergschanze in Oberstdorf. Das deutsche Skisprungteam berichtete über den Stand seiner Vorbereitung auf den Olympiawinter. Die deutsche Mannschaft trainiert in diesem Sommer nicht anders, nur weil im Februar die Medaillen in Italien vergeben werden. „Eigentlich macht es keinen Sinn, nur weil Olympia kommt, etwas ganz Tolles zu zaubern. Es gibt Herausforderungen. Aber unter dem Strich bleibt es Skispringen“, sagte Karl Geiger. Sein Teamkollege Wellinger ergänzte: „Du kannst nicht auf einen Höhepunkt hin trainieren, sondern musst versuchen, von Anfang an so gut wie möglich zu springen. Man muss sein Setup bis November finden, um dann bis Ende März auf höchstem Niveau springen zu können.“

    Wellinger und Geiger trainierten auch nach dem Saisonende in diesem März durch und legten erst danach eine kurze Pause ein. Jetzt sind sie mittendrin im Anpassungsprozess. Wie in jedem Sommer hat der Skiverband Regeländerungen unter anderem auch am Anzug der Skispringer vorgenommen. Es ist alljährlich das gleiche Spiel: Die Adler mit den zwei Brettern unter den Füßen müssen wieder das Gefühl für die Luft entwickeln. Geiger bestätigte: „Ja, zu einem gewissen Teil müssen wir das Skispringen neu lernen. Dieses Jahr sind es ein paar gröbere Veränderungen. Man muss sich auf jede Regeländerung einstellen. Da kann man sich drüber aufregen, aber so ist es.“

    Jeder Springer muss sein Setup neu finden

    Im deutschen Lager hält sich die Empörung in engen Grenzen, denn alle Beteiligten kennen das Spiel. Auch deshalb relativiert Bundestrainer Stefan Horngacher: „Die Jungs sind alle gut ausgebildet. Jeder kann seinen Sprung auf neues Material adaptieren.“ Bei den Anzügen sind der Beinabschluss oder auch die Schulterpartie neu gestaltet. Eine der Folgen wird sein, dass die Springer im Anlauf größere Geschwindigkeiten erreichen werden. Das verändert das Flugsystem eines jeden Athleten, der sein Setup neu finden muss.

    Bei der Vierschanzentournee räumten die Österreicher ab

    Pius Paschke hofft auf einen ähnlich guten Start für sich wie vor einem Jahr. Nach Siegen im Weltcup reiste der 35-Jährige mit großen Hoffnungen zum Vierschanzentournee-Auftakt. Doch Paschke wie auch den anderen DSV-Athleten blieb nur die Zuschauerrolle in der internationalen Österreich-Meisterschaft. Daniel Tschofenig siegt vor seinen Landsleuten Jan Hörl und Stefan Kraft. Paschke landete als bester Deutscher auf Rang sechs, dahinter rangierten Wellinger (11.) und Geiger (17.). In der Folge geriet das Flugsystem der Deutschen gewaltig aus den Fugen.

    Zudem sorgte am Saisonende ein Skandal um manipulierte Skisprunganzüge der Norweger bei der WM in Trondheim für Negativ-Schlagzeilen. Der Verband reagierte inzwischen. Beim Frühjahrsmeeting des Internationalen Skiverbandes (FIS) im portugiesischen Vilamoura stellte das Skisprungkomitee erste Weichen für tiefgreifende Veränderungen bei der Kontrolle von Sprunganzügen und Ausrüstung. Der ehemalige österreichische Skispringer Matthia Hafele verstärkt das Team der Materialkontrolle. Bundestrainer Horngacher begrüßt den personellen Umbruch: „Hafele kennt als ehemalige Springer jeden Trick und jeden Schmäh. Er hat das Reglement so angezogen, dass man nicht mehr so leicht durchschlupft.“ Jetzt geht es darum, mit den neuen Regeln wieder weit zu springen.

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