Jetzt hat also auch Miriam Gössner einen Mentaltrainer engagiert. Einer jener geheimnisvollen Menschen, die mit der Macht des Wortes wirken und über die Sportler nur ungern sprechen. Die Biathletin Gössner macht da keine Ausnahme. Der Name ihres Mentaltrainers? Geheim. Wie er arbeitet? Geheim. Wo er lebt? Geheim.
Die österreichischen Skispringer haben diese Phase der Geheimniskrämerei schon hinter sich. In der vergangenen Saison rätselte die ganze Alpenrepublik, wer denn den rot-weiß-roten Adlern zu ihrer mentalen Stärke verholfen hat. Ganze Heerscharen von Reportern recherchierten, bald schon war das Geheimnis gelüftet: Es ist der deutsche Lerntherapeut Ulrich Conradi. Der hat ein Verfahren entwickelt, bei dem mit Musik das Nervensystem stimuliert wird. Damit soll die Lern- und Aufnahmefähigkeit verbessert werden – nicht nur für Spitzensportler eine gute Sache. Österreichs Skispringer sind der Beleg dafür, dass Mentaltraining einen wichtigen Beitrag zu sportlichem Erfolg leisten kann.
Bestes Saisonergebnis kurz vor der WM
Darauf hofft auch Gössner. Die 21-Jährige ist als hervorragende Langläuferin bekannt, hat aber immer wieder Probleme am Schießstand. Kommt sie ohne Fehler durch, ist sie eine Kandidatin für Spitzenplatzierungen. Wie beim Weltcup im finnischen Kontiolahti, dem Letzten vor der WM in Ruhpolding. Im Sprintwettbewerb blieb sie zweimal fehlerfrei und kam als Sechste ins Ziel. Es war ihr bestes Saisonergebnis. Einen direkten Zusammenhang zwischen ihrem Mentaltraining und dem Erfolg in Kontiolahti wollte Gössner nicht herstellen, aber: „Er hat mir sehr gut geholfen. Die ersten Erfahrungen mit ihm sind sehr gut. Ich profitiere auf jeden Fall sehr von ihm.“
Es bedurfte allerdings eines „Arschtritts“ von Magdalena Neuner, um Gössner zu der Zusammenarbeit mit dem Unbekannten zu bewegen. Die beiden Biathletinnen sind sehr gut befreundet und teilen sich im Trainingslager und auf Wettkämpfen ein Zimmer. „Es ist der gleiche Mentaltrainer, wie ihn Lena hat“, sagt Gössner. Anfangs habe sie mit diesem nicht viel über Sport geredet. „Ich habe erst einmal meine persönlichen Baustellen geklärt. Das hat mir schon sehr, sehr viel geholfen, dass ich den Kopf wieder freihatte.“
Für Ruhpolding hofft Gössner vor allem auf einen Einsatz in der Staffel. Die Chancen auf Edelmetall sind dort besonders groß. „Ich glaube, dass das ein Wahnsinnserlebnis wird. Eine WM im eigenen Land ist eine besondere Sache, da will man es besonders gut machen.“