Tadej Pogacar hat es erneut nicht geschafft. Der beste Radfahrer der Welt trat am Sonntag an, um beim Rennen Paris-Roubaix das letzte „Monument des Radsports“ zu gewinnen, das ihm fehlt. Zu den insgesamt fünf Rennen gehören unter anderem die Klassiker Mailand-Sanremo und die Flandern-Rundfahrt. Pogacar hat in seiner Karriere bislang viermal die Tour de France gewonnen und siegte bei vier von fünf Monumenten. Noch aber hetzt der 27-Jährige dem letzten verbliebenen Triumph hinterher, der ihm zur Komplettierung seiner Karriere fehlt. Ein ähnliches Schicksal teilte bis vor einem Jahr der Golfer Rory McIlroy. Der Nordire hatte drei der vier wichtigsten Turniere der Welt während seiner Karriere gewonnen – lediglich ein Erfolg beim Masters blieb ihm bis 2025 verwehrt. Dann aber gewann er das Turnier im Stechen. Am vergangenen Wochenende ließ er prompt seinen zweiten Sieg folgen.
Was McIlroy gelang, blieb etlichen Größen des Weltsports verwehrt. Sie alle sehnten sich nach einem Sieg, der ihre Laufbahn krönen sollte.
Boris Becker: Die deutsche Tennislegende wird auf ewig mit seinen drei Wimbledon-Siegen in Verbindung gebracht werden. Außerdem war er einige Zeit die Nummer eins der Weltrangliste und gewann die Australian Open wie auch die US Open. Lediglich ein Sieg beim letzten verbliebenen Grand-Slam-Turnier blieb ihm verwehrt. Zweimal schaffte er es bei den French Open ins Halbfinale, ein Sieg aber wollte ihm nie gelingen.
Somit teilt er ein ähnliches Schicksal wie sein langjähriger Rivale Ivan Lendl. Auch er gewann drei der vier wichtigsten Turniere, allerdings fehlt in seiner Vita ein Wimbledon-Erfolg. Zweimal stand er kurz vor dem Triumph, verlor allerdings jeweils das Finale - 1986 gegen Boris Becker.
Alexander Zverev: Der derzeit beste deutsche Tennisspieler jagt bislang vergeblich seinem ersten Grand-Slam-Sieg hinterher. Dreimal stand er im Endspiel, dreimal verlor er. Erschwert wird das Vorhaben Zverevs durch die Tatsache, dass er sich während seiner gesamten Karriere mit absoluten Ausnahmekönnern messen muss. Zuerst bekam er es mit Roger Federer, Rafael Nadal und Novak Djokovic zu tun. Mittlerweile haben Jannik Sinner und Carlos Alcaraz das Regiment übernommen. Immerhin aber hat Zverev eine olympische Goldmedaille gewonnen.
Zehnmal Edelmetall bei Olympia, aber nie Gold
Franziska van Almsick: Diese eine Medaille war es, der sie während ihrer kompletten Laufbahn hinterher schwamm. Als sie 1992 als 14-Jährige in Barcelona vier olympische Medaillen (kein Gold) gewann, schien es unausweichlich, dass sie den Sport in den kommenden Jahren dominieren würde. Sport und Prognose passen aber nur selten zusammen. Van Almsick stand permanent im öffentlichen Fokus. Deutschland litt mit ihr, Deutschland machte sie fertig. Eine Boulevardzeitung bezeichnete sie nach einem Misserfolg als „Franzi van Speck“. Sie rappelte sich wieder auf, gewann zwei Goldmedaillen bei Europameisterschaften, stand 18-mal bei Europameisterschaften ganz oben. Deutschland nahm Anteil an ihrer Beziehung mit Handballstar Stefan Kretzschmar. Nur dieser eine Olympiasieg wollte ihr nicht gelingen. Bei vier Olympischen Spielen landete sie auf dem Siegerpodest, nur kein einziges Mal ganz oben.
Karl Malone: Er hat sogar zwei olympische Goldmedaillen gewonnen. Malone aber hätte sie gerne eingetauscht. Im Basketball gilt ein Meistertitel in der nordamerikanischen Profiliga NBA als größtmöglicher Erfolg. Der Titelträger bezeichnet sich gerne auch ganz unbescheiden als „Word Champions“. Malone durfte sich mit den Utah Jazz nie „Word Champions“ nennen. Zweimal schaffte er es in die Finalspiele. Zweimal trafen die Utah Jazz auf die Chicago Bulls um Michael Jordan. Karl Malone gilt als bester Basketballer, der niemals einen NBA-Titel gewonnen hat.
Merlene Ottey: Die jamaikanische Sprinterin war in den 80er- und 90er-Jahren ein Publikumsliebling der Leichtathletikanhänger. Ihrem Ruf zuträglich war, dass sie oft knapp geschlagen wurde. Die Fans haben ein Herz für die Strauchelnden und Scheiternden. Als Ottey 1993 in Stuttgart ihre erste WM-Goldmedaille gewann, erhoben sich die Zuschauer in Stuttgart von den Sitzen. Wenige Tage zuvor war Ottey mal wieder über die 100 Meter geschlagen worden. In ihre Hochzeit fiel auch die Hochzeit des Dopings. Sie trat unter anderem gegen Florence Griffith-Joyner und Marion Jones an. Von 1980 bis 2004 trat Ottey bei sieben Olympischen Spielen in Folge an. Sie gewann drei Silber- und sechs Bronzemedaillen - aber kein einziges Mal Gold.
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