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Start ins WM-Jahr: DFB-Star Havertz ist optimistisch

Nationalmannschaft

„Der wichtigste Baustein“- Havertz‘ Plan für die WM

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    Kai Havertz bestritt sein bislang letztes Länderspiel im November 2024 gegen Ungarn. Für die WM ist ihm eine tragende Rolle zugedacht.
    Kai Havertz bestritt sein bislang letztes Länderspiel im November 2024 gegen Ungarn. Für die WM ist ihm eine tragende Rolle zugedacht. Foto: Jörg Halisch, Witters

    Julian Nagelsmann bleibt ja gar nichts anderes übrig, als weiche Faktoren zu berücksichtigen. Der Nationaltrainer Deutschlands ist im Vergleich zu einigen seiner Kollegen mit dem Nachteil geschlagen, dass er nicht etwa in Frankreich oder Spanien geboren ist. Oder dass die Engländer sich zwar einen Coach für ihr Team gesucht haben, der aus Deutschland stammt, allerdings nicht aus dem oberbayerischen Landsberg, sondern dem schwäbischen Krumbach. Thomas Tuchel genießt den Vorteil, die seiner Meinung nach besten englischen Spieler nominieren zu können. Für die kommenden beiden Testspiele hat er 35 Spieler eingeladen. Nicht dabei ist etwa Trent Alexander-Arnold, Rechtsverteidiger von Real Madrid. Nicht gut genug.

    Nagelsmann wiederum tut sich schon schwer, 26 Akteure zu berufen, die höchsten Ansprüchen genügen. Trent Alexander-Arnold würde keine Absage erhalten, wäre er in Eisenhüttenstadt geboren (und nicht in Liverpool). Weil es aus unterschiedlichen Gründen keine 26 Spieler mit deutschem Pass gibt, die das Prädikat „internationale Klasse“ verdienen, muss Nagelsmann kreativ vorgehen. Wenn schon nicht Konkurrenzkampf das Leistungsniveau erhöht, dann vielleicht weiche Faktoren.

    Die Mannschaft sollte Ähnlichkeit mit dem WM-Team haben

    Vor zwei Jahren ist Nagelsmann mit diesem Vorgehen schon mal gut gefahren. Er definierte klare Rollenbilder und setzte auf eine eingespielte Mannschaft. Die Spieler am Rande des Kaders wussten frühzeitig, dass sie bei der Heim-EM nicht mit allzu viel Spielzeit zu rechnen brauchen. Ähnliches hatte der 38-Jährige auch diesmal vor. In den Testspielen am Freitag in der Schweiz und kommenden Montag in Stuttgart gegen Ghana sollte eine Auswahl auflaufen, die im besten Fall der Startelf beim ersten WM-Spiel sehr ähnlich ist. Daraus wird aus zwei Gründen nichts.

    Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha sind gar nicht erst angereist, weil sie sich mit Blessuren herumplagen. Mindestens einer von beiden wird aber bei der WM zur Stammelf zählen. Dort sollte normalerweise auch Jamal Musiala seinen Platz haben. Aber auch er fällt für die beiden Testspiele aus, weil er angeschlagen ist. Zudem ist bei ihm noch nicht abzusehen, in welcher Verfassung er sich in drei Monaten befinden wird. Das ist die zweite Herausforderung für Nagelsmann. Neben Musiala gibt es noch weitere Spieler, deren Form Anlass zur zarten Sorge gibt. Nick Woltemade ist seit mittlerweile 13 Ligaspielen ohne Torerfolg, Leroy Sané war bei Galatasaray Istanbul zuletzt nur Einwechselspieler und Kai Havertz kommt aus einer langen Verletzungspause.

    Der Offensivspieler von Arsenal London verpasste die komplette Vorrunde aufgrund einer Knieverletzung. Mittlerweile ist er wieder ein wichtiger Kaderspieler bei seinem Klub. Er dürfte ziemlich sicher zu jenem Personal gehören, dem Nagelsmann eine tragende Rolle zugedacht hat. Auch Havertz aber weiß, dass sich seine Mannschaft hinsichtlich der individuellen Qualitäten hinter anderen Teams wird einordnen müssen. Deswegen sei der Teamspirit „der wichtigste Baustein“, sagte er während der Pressekonferenz am Mittwoch.

    Pinke Trikots, Major Tom und die Euphorie einer Heim-EM

    Vor zwei Jahren gelang es Nagelsmann in famoser Art und Weise, jenen mannschaftlichen Zusammenhalt zu fördern. Hinzu kam eine auf die Mannschaft überschwappende Euphorie, die nur schwer zu reproduzieren ist. Als die deutsche Mannschaft im Vorlauf zur Europameisterschaft 2024 Frankreich herausforderte und überraschend mit 2:0 gewann, feierte Toni Kroos ein überaus gelungenes Comeback in der Nationalmannschaft. Wenige Tage später rissen sich Zuschauer und Mannschaft gegenseitig beim 2:1-Erfolg gegen Holland mit. Nicht zu vernachlässigende Nebendarsteller: pinke Trikots und Major Tom.

    Vor wenigen Tagen präsentierte der DFB das neue Auswärtstrikot der Nationalmannschaft. Das schicke Blau löste weit weniger Emotionen aus, als es das ungewohnte Jersey vor zwei Jahren tat und völlig lösgelöst wirkt derzeit noch wenig. Trotzdem sieht Havertz die Auswahl auf einem „sehr guten Weg“.

    Allzu viele Indikatoren gibt es nicht, die sein Gefühl stützen würden. Immerhin aber zeigte sich die Nationalmannschaft beim abschließenden Spiel des vergangenen Jahres spiel- und einsatzfreudig und schürte mit dem 6:0 gegen die Slowakei Hoffnungen auf ein gelungenes WM-Jahr. In Florian Wirtz hat sich einer der deutschen Schlüsselspieler mittlerweile prächtig in Liverpool eingefunden und Deniz Undav wischte zuletzt Sorgen beiseite, dem deutschen Team könnte es an einem treffsicheren Stürmer fehlen.

    Vieles aber befindet sich noch im Vagen. Nagelsmann wird es als Chance begreifen. Vor zwei Jahren war die Ausgangssituation nicht besser – und lieferte dem Trainer somit die Chance, kreativ einzugreifen.

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