Es ist freilich besser, als dem lichthupenden Idioten nachzusetzen und ihn seiner gerechten Strafe im Straßengraben zuzuführen. Dann lieber Mittelfinger. Nicht jeder verfügt über buddhistisches Gemüt, mancher kann die Wut nicht wegatmen. Statt in den blechumantelten Zweikampf zu gehen, ist ein ausgestreckter Mittelfinger die weisere Wahl der Mittel. Aggressionen müssen manchmal nach Außen gekehrt werden, sonst würden sie das Innere verätzen. Das zwischen dozierendem Zeigefinger und Vermählung anzeigenden Ringfinger ausgestreckte Glied der Hand ist eine wenig galante Funktion, seinen Ärger anzudeuten. Es ist dafür zuständig, non-verbal Unzufriedenheit auszudrücken.
Stefan Effenberg kostete die Geste einst Teile der Weltmeisterschaft 1994, weil er den Fans der deutschen Nationalmannschaft unmissverständlich zu verstehen gab, dass er mit der von ihnen vorgebrachten Kritik zumindest in Teilen nicht einverstanden war. Berti Vogts wiederum war mit Effenbergs Reaktion nicht einverstanden und so fand die Nationalmannschafts-Karriere des Mittelfeldspielers ein frühes Ende.
Baumgart mag nicht garantieren, dass es nicht erneut passiert
Für Steffen Baumgart dürfte die gleiche Geste weniger drastische Konsequenzen haben. . Er selbst wollte dies nicht als abfällige Geste gegen Schiedsrichter Sven Jablonski oder eine andere Person verstanden wissen. Er habe „ins Leere geguckt, das ging in keine Richtung, also alles gut. Das war eine Emotion, die ich aufgrund des Videobeweises und der vorherigen Situation hatte“, beteuerte Baumgart. Das wird ihn wohl nicht vor einer Ahndung durch den Kontrollausschuss schützen und auch zur Strafmilderung hat er wenig beigetragen. Schließlich könne er nicht garantieren, dass sein Finger nicht nochmal ausrutscht: „Da bin ich zu emotional, um eine hundertprozentige Sicherheit zu geben.“
Der Mittelfinger in uns ergreift aber nicht nur Besitz von den Gefühlswütigen. Auch der als Gentleman bekannte Ottmar Hitzfeld streckte ihn schon mal einem Schiedsrichter entgegen. Er habe ihn „gegen sich selbst gerichtet“, so der damalige Trainer der Schweizer Nationalmannschaft. Resultat: zwei Spiele Sperre. Baumgart dürfte Ähnliches blühen. Dafür gibt es den Daumen nach oben. Es lassen sich nicht nur Spieler trainieren, sondern auch das eigene Gemüt. Es muss nicht mal buddhistisch sein.
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