Startseite
Icon Pfeil nach unten
Sport
Icon Pfeil nach unten

Stina Blackstenius: Sie kennt den Gegner am besten

Fußball-EM der Frauen

Stina Blackstenius kennt den Gegner am besten

  • |
  • |
  • |
  • |
    Stina Blackstenius ist eine der wichtigsten Spielerinnen im Kader der Schwedinnen.
    Stina Blackstenius ist eine der wichtigsten Spielerinnen im Kader der Schwedinnen. Foto: Alessandra Tarantino, AP, dpa

    Auf den Plakaten rund ums Stadion Letzigrund von Zürich strahlen einige Fußballerinnen. Besonders auffällig wirkt jenes großflächige Format, auf dem groß die Gesichter von Jule Brand und Lia Wälti im Gegenschnitt abgebildet sind. Die deutsche Flügelstürmerin und die Schweizer Kapitänin spielen bloß fürs EM-Viertelfinale zwischen Schweden und England (Donnerstag, 21 Uhr/ARD) keine Rolle. Es bräuchte jetzt auch nur ein Konterfei für die Klammer: Schwedens Topstürmerin Stina Blackstenius.

    Die 29-Jährige hat sich vergangenen Samstag im Gruppenspiel gegen Deutschland (4:1) wie schon im WM-Viertelfinale 2019 (2:1) als treffsichere Spielverderberin für schwarz-rot-goldene Titelträume betätigt. Zudem ist ihr am 24. Mai Estádio José Alvalade von Lissabon das Siegtor für den FC Arsenal im Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona gelungen. Britische Medien feierten die blonde Torjägerin hymnisch – nun allerdings wird die schwedische Nummer elf für die englische Mission zur größten Gefahr.

    Blackstenius verdient in England ihr Geld

    Wer kennt Stärken und Schwächen des Titelverteidigers besser als die bereits seit drei Jahren in der Women’s Super League (WSL) spielende Blackstenius? Die Ovationen der schwedischen Anhängerschaft aus der Kurve in dem Leichtathletikstadion schien sie aufzusaugen wie süßen Honig. „Ich genieße es, bei Turnieren zu sein. Da ist dieses Extra – und wenn ich in die Augen unserer Fans sehe, habe ich das Gefühl, dass wir gemeinsam großes erreichen könne.“

    Bei ihrem Wechsel nach London trug die Fußballerin noch den Makel mit sich herum, das EM-Halbfinale 2022 gegen die „Lionesses“ krachend mit 0:4 verloren zu haben. Ein frecher Hackentrick von Blackstenius‘ Vereinskollegin Alessia Russo wurde später sogar zum „Tor des Turniers“ gekürt. Schwedens Stürmerin Johanny Rytting Kaneryd sagt offen: „Man verspürt Rachegelüste, das ist ja ganz normal.“ Blackstenius würde solche Kampfansagen nicht formulieren – dafür gilt sie als viel zu harmoniebedürftig.

    Sie gehört zu den acht schwedischen Nationalspielerinnen, die gutes Geld in England verdienen – und die regelmäßigen Auftritte in großen Stadien schätzen. Die Arsenal-Ladies sind mittlerweile so beliebt, dass kommende Saison alle Heimspiele im Emirates ausgetragen werden sollen. In Zürich wird ein Duell zweier Top-Nationen auf Augenhöhe erwartet. Die letzten Partien in der EM-Qualifikation im Rahmen der Nations League endeten remis: Einem 1:1 in Wembley folgte ein 0:0 in Göteborg.

    Die schwedische Mannschaft ist die älteste im Turnier

    Blackstenius ist genau zur rechten Zeit in Angriffslaune: Überragend sind nicht nur ihre 17 Abschlüsse in der Gruppenphase, sondern eine Passqualität von 75 Prozent – für eine Offensivspielerin ein Ausnahmewert. Die 120-fache Nationalspielerin (41 Tore) sehnt sich wie viele nach einem großen Triumph, weil ja nicht mehr viel Zeit bleibt: Mit 29,1 Jahren stellen die Schwedinnen das älteste Team im Turnier, jede Spielerin hat zudem im Schnitt knapp 75 Länderspiele absolviert.

    Mit der EM in der Schweiz hört gleichzeitig Trainer Peter Gerhardsson auf. Der listige Menschenfänger hat über die Jahre ein besonderes Wohlfühlklima geschaffen, um das Kollektiv zu stärken. Der 65-Jährige holte zwei dritte Plätze bei den Weltmeisterschaften 2019 und 2023 und verlor das Olympia-Finale 2021 in Tokio. Die stolze Frauenfußball-Nation, die gerne gemeinsam mit Dänemark die EM 2029 ausrichten würde, hat zwar nur 2009 und 2017 Halbfinale einer EM verpasst, aber diesen Wettbewerb auch nur einmal gewonnen: Bei der amateurhaft anmutenden Premiere 1984, als es noch nicht mal einen Gastgeber gab. Und nach Hin- und Rückspiel mit 15 Tagen (!) Abstand ein Elfmeterschießen vor gerade mal 2500 Zuschauern in Luton entschied. Vermutlich gab es auch noch keine Plakate.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren