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Thomas Müllers Wechsel nach Vancouver – weil es einfach logisch ist

Legenden-Abschied

Die Vorbilder unserer Zeit – was Thomas Müller und Borat eint

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    Thomas Müller wechset nach Vancouver und bleibt sich selber treu.
    Thomas Müller wechset nach Vancouver und bleibt sich selber treu. Foto: Felix Hörhager, dpa

    In Gänze entschlüsselt hat bis jetzt noch niemand das Phänomen Thomas Müller. Er war nie besonders schnell und wird mit seinen bald 36 Jahren auch diesbezüglich wohl keine Fortschritte machen. Seine technischen Fähigkeiten sind für einen der besten Offensivspieler der Welt eher durchschnittlicher Natur und wenn er zum Schuss ausholt, dreht sich kein Keeper in Erwartung eines besonders satten Vollspann-Schlags weg. Phänotypisch ähnelt er der Kunstfigur Borat. „Wo keine Muskeln sind, kannst du dir auch nicht weh tun. Meine Waden sind so dünn, da kann kein Gegner die Knochen treffen, weil man sie so schlecht sieht“, sagte Müller einst.

    Borat nun schaut gar nicht mehr aus wie Borat. Der Schauspieler und Comedian Sacha Baron Cohen schuf dereinst in einer Obszönität von einem Badeanzug Bilder, die von brachialer Witzigkeit waren oder einen nachts angstverschwitzt aufschrecken ließen – je nach Gemüt. Jetzt aber zeigt sich Cohen als ein muskelbepackter 53-Jähriger, der als Symbolbild für die männliche Midlife-Crises dienen könnte.

    Alles für die Kunst. Cohen spielt in einer Netflix-Serie eine Figur namens Mephisto. In der Urform also jener Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles was entsteht, ist wert, dass es zu Grunde geht. Ein wenig Bildungsbürgerliches für den Start in das Wochenende. Cohen also ist Borats Körper entwachsen. Im Verlauf der vergangenen Jahre hatte er schon Rollen im sogenannten ernsten Fach übernommen, erhielt unter anderem eine Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller. Ein weiteres Beispiel dafür, ein Buch nicht aufgrund seines Covers zu beurteilen.

    Was wiederum zu Thomas Müller führt, der zumindest in seiner Anfangszeit wohl von manch schlichtem Verteidigergemüt unterschätzt wurde. Es war nicht zu seinem Schaden. Der Nachwuchskicker entwickelte sich zur Stammkraft, wurde Nationalspieler, Weltmeister und Symbolfigur. Auf die sportliche Zielgerade biegt er nun in Vancouver ein. Nicht Los Angeles oder Miami, auch nicht New York. Vancouver. Kanada. Alles ein wenig entspannter als in den USA. Zwar erwarten sie auch in Vancouver nicht viel weniger als explodierende Trikotverkäufe und ernsthafte Chancen auf die Meisterschaft – das aber kennt Müller aus eineinhalb Jahrzehnten beim FC Bayern. Müller nahm sich nie zu wichtig, wusste um seine Qualitäten und parierte die Härten des Geschäfts mit entwaffnender Schlagfertigkeit und Humor. Wie Borat. Eine phänomenale Kombination.

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